Warenkorb
0€ 0

Kurzbeschreibung


Mit zugeknöpftem Rock, den Dreispitz in die Stirn gedrückt, stehe ich breitbeinig an Deck einer historischen Fregatte. Das Schiff segelt an der New Yorker Freiheitsstatue vorbei, doch die Küste hinter dem berühmten Denkmal irritiert. Das muss Italien sein, bucklig und farbenfroh. Dazwischen ein an den Fels geklebtes Dorf. Vor der Hafenmauer schaukeln vertäute Fischerboote. Weiter oben, auf dem Flachdach der hellblau gestrichenen Hafenmeisterei, thront ein signalrotes Riesenrad. „Lady Liberty“ öffnet ihre Lippen. Kuckuck! Die absurde Szenerie verschwimmt. Aus dem Schlaf tauchend blinzele ich dem Kuckuck in seinem Schwarzwälder Uhrhäuschen an der Wand gegenüber zu. Halb neun Uhr abends. Am dreißigsten Dezember 2008. Dem Tag vor meinem neununddreißigsten Geburtstag.

Ich sollte los, in den Geburtstag hineinfeiern, den Jahreswechsel vorwegnehmen, privat älter werden, nicht mit der halben Welt. Meine Marotte. Es ist der dreißigste Dezember, der ohne Erwartungshaltung auskommt, der Raum für Überraschungen lässt. „Gasthof Auerhahn“ hieß es, ein paar Stunden zuvor, am Telefon, beim Rundruf, zum Treffpunkt der Clique. Die Kuckucksuhr. Das alte, prächtige, knarrende Schiff. Dieser surreale, hellblaue, signalrote Traum mitsamt dem Riesenrad am Dach, dem ich nachsinne, während ich in die Stiefel, in die Jacke schlüpfe.

Im ehemaligen Tanzsaal des traditionsreichen Wirtshauses „Auerhahn“ erwarten die eng stehenden Gäste den Beginn des letzten Rockkonzerts des Jahres. Neben dem Mischpult zwei bekannte Gesichter: Gustav und René. „Servus!“ Die „Bauernschlauen“ besteigen die Bühne, schütten einen rhythmischen Schwall Elektrizität ins Publikum. Gustav und René grinsen. Was? Gute Stimmung, viele Mädchen. Wo kommen die bloß alle her? Was? Die Band spielt zu laut. Mein Blick verfängt sich in den alten, funktionslosen Kronleuchtern an der stuckverzierten Decke. Sieht aus wie, irgendwie, etwas aus meiner Kindheit, der Sänger brüllt gegen das Lärmgewitter seines Gitarristen an, Gegenwart rückkoppelt zurück in mein Bewusstsein.

Mir wird heiß. Hintereinander rudern Gustav, René und ich im Leiberstrom zurück zur Gaststube. René, heute mit einer beatleesken Fantasieuniform verkleidet, bestellt Cola Wodka. Gustav Bier.

[…]


Rezensionen
Kronen Zeitung: Turbulenter Seitensprung mit einem Fluchtversuch nach Tirol

Wie brennt man mit einer jungen Blondine in einem alten Jeep nach Italien durch? Es ist ein rasantes Lesevergnügen, das Claus Dieter Schneider mit seinem Erstlingswerk bereitet. Neben komplizierten Affären in und um das kulturelle Leben in Linz vernetzt der Autor auch seine Tiroler Familienbande im tragisch lustigen Werk.

Es ist ein bizarres Portrait der österreichischen Schlagerradioszene, welches Claus Dieter Schneider vermittelt. Er bedient sich dabei geschickt seinem Hintergrundwissen als gelernter Musikredakteur und lässt seinen Protagonisten, einen Familienvater mit Hang zum exzessiven Gitarrensammelwahn, immer weiter seinem Alltag entfliehen. Dies spielt sich vornehmlich im außerehelichen Vergnügsbereich ab. Die im Buch beschriebenen Vorlieben für Familienbesuche nach Tirol mit Ausflügen an den Lanser See sind übrigens autobiografisch.

(Rezension in: Kronen Zeitung, Ausgabe Tirol, 21.4.2016, S. 33)


Nina Meißl:

Erster Roman des ORF-Musikredakteurs aus Linz erschienen.

C. A. Seiler, Musikredakteur beim Linzer Schlagerradio, hat genug vom Alltag. Da kommt ihm das soeben ausgerufene Kulturhauptstadtjahr 2009 gerade recht. Zwischen Rock-Konzerten, Kunst-Ausstellungen und Galerie-Partys schlittert er in eine Affäre mit einer jungen, geheimnisvollen Frau, die einfach nicht zu fassen ist. Und schon kommt es zu unfassbaren Begebenheiten und gesellschaftlichen Unfällen in Seilers Leben. Linz verändert eben. Sogar den wahren Prinzen.

Mit „Linzer Höhenrausch" liefert Autor Claus Dieter Schneider ein rasant formuliertes Lesevergnügen für Linzer, Provinzler, Kulturliebhaber, Schlagerfeinde, Gitarrensammler, Möchtegerncasanovas, Oberösterreicher - und alle, die schon immer wissen wollten wie man mit einer jungen Blondine in einem alten Jeep nach Italien durchbrennt.

(Nina Meißl, Rezension in: StadtRundschau Linz/Linz Urfahr, 11.11.2015)


https://www.meinbezirk.at/linz/freizeit/claus-dieter-schneider-im-linzer-hoehenrausch-d1543651.html

MH:

Claus Dieter Schneider hat seinen Roman „Linzer Höhenrausch“ getauft. Untertitel: „Protokoll einer absurden Affäre“. Schneider erzählt seine Geschichte schnell, irgendwie comicartig, mit einer guten Portion Ironie durchsetzt und er reißt seinen Geschlechtsgenossen mit Genuss den Heiligenschein vom Haupt. Warum der Plot im Kulturhauptstadtjahr 2009 ansgesiedelt ist, erschließt sich mir nicht - reichert das rasante Lesevergnügen aber mit netten Erinnerungen an.

(MH, Rezension in: KronenZeitung Ausgabe Oberösterreich, [?.] Dezember 2016)