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Kurzbeschreibung

Das Wandtafelwerk für Schule und Haus besteht aus 40 großformatigen Farblithographien, die von 1903 bis 1916 von der k. k. Hof- und Staatsdruckerei gedruckt und verlegt wurden. Die Blätter sollten nicht nur als didaktisches Unterrichtsmittel Verwendung finden, sondern vor allem zur ästhetischen Erziehung Jugendlicher und Erwachsener dienen. Mit ihnen sollte gute Kunst zu für jedermann erschwinglichen Preisen erhältlich sein.

Das Wandtafelwerk steht in engem Zusammenhang mit der Kunsterziehungsbewegung, die ein Teil der um 1900 in ganz Europa einsetzenden Lebensreformbewegungen ist. Mit Kongressen, Ausstellungen und Publikationen wurde das von einem tiefen aufklärerischen Humanismus getragene Gedankengut der führenden deutschen, englischen, französischen und österreichischen Pädagogen und Kunstwissenschaftler verbreitet.

Um zu hochwertigen, künstlerischen Entwürfen zu gelangen, wurden Wettbewerbe unter Künstlern ausgeschrieben, die teilweise Mitglieder des Hagenbundes und der Secession waren. Heute zählen die im Kunsthandel und bei Sammlern beliebten Blätter des Wandtafelwerks ohne Zweifel zum Schönsten und Prächtigsten, das je auf diesem Gebiet geschaffen wurde.


Rezensionen
Daniela Gregori: Kunst und Volksbildung

Erstmals wurde das Wandtafelwerk der k.k. Hof- und Staatsdruckerei wissenschaftlich erfasst

Der Anblick der Abbildungen dürfte viele in ihre Schulzeit versetzen. Schlagartig hat man den Geruch von Bohnerwachs in der Nase, der beim Betreten des Lehrmittelkabinetts – wo die Klassenarbeiten mittels Matrize vervielfältigt wurden – eine leicht säuerliche Note bekam. Dort hingen neben zusammengerollten Landkarten auch Wandtafelbilder zu verschiedenen Themen, die eine gewisse Zeitlosigkeit ausstrahlten: Man sah Landschaften zu allen Jahreszeiten, kombiniert mit entsprechenden Tätigkeiten im Acker- und Weinbau. Man blickte in die Arbeitsstätten von Handwerkern, in vergangene Zeiten und in ferne Länder. Diese Bilder, die als Lernbehelf dienten, dürften sich in das kollektive Gedächtnis von Generationen eingebrannt haben. Freilich waren sie von Nation zu Nation leicht verschieden – galt es doch gleichzeitig auch, eine Portion Patriotismus zu vermitteln.

Was in England die „Fitzroy-Pictures“ waren, in Frankreich die „Images pour l’école“ und in Deutschland die Drucke der Verlage Breitkopf & Härtel, B. G. Teubner und R. Voigtländer, wurde in Österreich von der k. k. Hof- und Staatsdruckerei verlegt. 40 großformatige Blätter zählt dieses zwischen 1903 und 1916 lithografierte Wandtafelwerk für Schule und Haus, nun wurden sie von Markus Kristan erstmals wissenschaftlich erfasst.

Doch ging es bei diesen Tafeln stets um weitaus mehr, als nur im Unterricht bestimmte Themen zu illustrieren. Vielmehr ging es – den damaligen reformerzieherischen Gedanken entsprechend – darum, ein ästhetisches Empfinden zu wecken. Auch verstanden sich diese Lithografien als erschwingliche Kunst für Jedermann zum Schmuck des Heims. In Österreich beteiligte sich eine Reihe namhafter Künstler an dem Projekt: Ferdinand Andri, Josef Engelhart, Carl Krenek, Max Kurzweil, Carl Moll, der Architekt Oskar Strnad etc. Umso mehr erstaunt es, dass es ein Jahrhundert gedauert hat, bis dieser Schatz an „Volkskunst“ innerhalb eines umfassenden, reich bebilderten Bands gewürdigt wurde.

(Daniela Gregori, Rezension in: Artmagazine, Spektrum, Nr. 16, 7. Oktober 2016)