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Kurzbeschreibung

Man sagt, dass der Wiener Schmäh in seiner Bösartigkeit nur durch seine Schlamperei gemildert und mit einer „Schönen Leich“ beendet wird! Ob dies zutrifft, beweisen die vorliegenden Gedichte!


Awauns ned boid aundascht wiad

wauns ned boid aundascht wiad
med mia,
reit i demnext
en gugging ei!
oda en schdaahof!
auf ana buanwuaschd vom ihaha!
duat woatt a weiss zimma auf mi
med weisse fuahangaln
und weisse fenstagitta
und weisse woikn
am blaun himme!

do lig i daun den gaunzzn dog
nem mein buanheidlgigara
und dram,
wia ma uns gfundn haum!
unta da giatlbrukkn
aum wiaschtlstaund!
zehn schülling fuffzg
zaumt da semme!

und auf d nochd,
dass ma ka dirre wiad,
ge e es fiadan,

aum liabstn med sempf:
siass oda schoaff?



Rezensionen
Dieter Berdel: Mit süßem und scharfem Senf

In Wien verrückt zu werden hat nichts Zwanghaftes, sondern eher etwas Befreiendes. Du wirst nicht in einer weißen Jacke, die Ärmel auf den Rücken gebunden, in eine Nervenklinik eingeliefert. Nein, du reitest freiwillig und selbstständig auf einer Burenwurst vom Pferdefleischhauer nach Gugging oder auf den Steinhof. Dort angekommen solltest du allerdings nicht den Verstand verlieren, hingegen darauf achten, deinen Ersatz-Pegasus vom gigara (ein leider fast ausgestorbener Berufsstand) mit süßem oder scharfem sempf zu füttern.

In Wien wird auch nicht schlicht und einfach gestorben. Da holt dich nicht wie in Berlin, London, New York oder in Kinshasa ein Freund Hein oder ein prosaischer Sensenmann, sondern der gwigwi. Und weil dieser Geselle ein Urwiener ist, lässt er dir und deiner Phantasie freie Wahl beim Abkratzen. Ihm ist es wuaschd, er erwischt dich ohnedies. Also kannst du wählen zwischen: die Patschen aufstellen, den Löffel abgeben, ein Bankerl reißen, in den Holzpyjama schlüpfen, in die Grube fahren oder sonst wie einen Abgang machen. Und wenn du als heislfrau abdankst, hast du das Privileg einer besonders schönen Leich am zentreu. Statt Kerzen werden heislbesn aufgestellt und an Stelle von Kränzen hängen schwarze globbrüün herum.

Wenn ein Dichter solch eine Sprache spricht, kann es sich nur um einen Wiener handeln, einen waschechten noch dazu. Hans Christ, Jahrgang 1958, ist im 19. Hieb, Döbling, aufgewachsen, ist aber offenbar ein Zerrissener Nestroy'scher Prägung. Er lebt als Tierarzt im Salzburger Gasteiner Tal und kann deshalb seine Liebe zu Wien nur selten auskosten. Bei den gedanklichen Streifzügen durch den Großstadtdschungel seiner Heimatstadt kann es schon passieren, dass ihm zur Sperrstunde Tiere über den Weg laufen, die am Land nicht zu seinen Patienten zählen: weiße Elefanten, grüne Nilpferde oder rote Krokodile. Vorausgesetzt, der Poet ist mit seinem Affen unterwegs: Delirium, delarium, da leffeschdüü!

Ein Gedichtband, geschrieben mit süßem und scharfem Senf, aber auch mit roter und schwarzer Tinte!

(Dieter Berdel, Rezension in: Morgenschtean. Die österreichische Dialektzeitschrift, #U52/53, 2017, S. 21)