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Kurzbeschreibung

VISIONEN. Das zwanzigste Jahrhundert hatte gerade einmal begonnen, da wurde Kaprun ein Spielplatz für Visionäre und Aufmarschgebiet neuer Ideen. Der Ort bot sich an als idealer Mittelpunkt für Experimente, eine neu entstehende Zeit sollte gerade hier ihre Chance bekommen. Die hohen Berge, das Übermaß an Natur, die raue Welt und die Schönheit der Wildnis riefen Erfinder einer noch nie gesehenen Wirklichkeit auf den Plan. Je gewaltiger die ungebändigte Natur und je mächtiger die Gebirgskulisse, umso kühner wurden die Vorstellungen, dem ohne jedes menschliche Zutun Gewachsenen einen eigenen Stempel aufzudrücken. Hier leben Menschen, und das soll die Natur zu spüren bekommen. Hier leben Menschen, und das sollen die Reisenden, die aus allen Winkeln der Erde herangelockt werden sollen, sehen. Kaprun ist nicht nur ein Ort, an dem Menschen wie anderswo auch zusammen leben, Kaprun ist der Beweis, dass die Anstrengungen des Menschen, Gott seine Allmächtigkeit streitig zu machen, unermesslich und von Erfolg gekrönt sind. Im frühen zwanzigsten Jahrhundert war die Natur nicht nur ein Hindernis, das unter Aufbietung aller Kräfte in die Schranken gewiesen werden musste, sie war auch ein Reservat der Schönheit, in dem Touristen Erholung finden konnten. Man sprach gerne von der Erhabenheit der Natur, unterließ aber keine Chance, in ebendiese Erhabenheit einzugreifen und sie der Natur abspenstig zu machen. Jede Seilbahn, jede Straße, jedes Hotel, in die Abgeschiedenheit gesetzt, macht Werbung für die Kühnheit und Größe des Menschen, für seine Fähigkeit, sich nicht unterkriegen zu lassen. Mit Oberingenieur Nikolaus Gaßner, einem Pionier aus Saalfelden, fing alles an. In Kaprun hatte er seine Vorstellungen entwickelt, der Natur Terrain für menschliche Interessen abzuringen, empfand er doch die Gegend als ein Gebiet vorzeigbarer Sehenswürdigkeiten. Sie müssten nur entsprechend präsentiert werden, es ginge nur darum, sie allgemein zugänglich zu machen, so dachte er, und die Touristen würden anreisen, um sich der Einzigartigkeit der Gebirgsregion zu vergewissern. Eine Klamm und die Dreitausender mit den ausladenden Gletscherzungen wurden ihm zu Attraktionen, die es ihm wert waren, das Kapruner Tal zu erschließen. Gaßner trieb den Bau einer Straße nach Kaprun voran, und zusammen mit seinem Bruder Josef baute er am Talschluss Kesselfall und am Moserboden jeweils ein Hotel mit moderner Ausstattung. Es war gesorgt für Komfort im Hochgebirge, was vor allem wohlhabende Besucher in den Pinzgau locken sollte.