Gomringer Eugen Eugen Gomringer
100 Jahre Konkrete Kunst. Struktur und Wahrnehmung

Struktur und Wahrnehmung

28 x 24 cm, 108 Seiten, vierfärbig
28,00 € (48,00 sfr)
ISBN 978-3-902416-48-3


Stk.

Im Jahr 1960 hatte der Schweizer Max Bill, eine der herausragenden
Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts,
in Zürich die Ausstellung
„konkrete kunst. 50 jahre entwicklung“ veranstaltet. Als Beginn der
Entwicklung wurde das Aquarell von Wassily Kandinsky von 1910 vorangestellt.
Auch wenn schwer zu eruieren ist, wie sich aus den damaligen Einflüssen –
Impressionismus, Cézanne, Kubismus u.a. – die autonome Gestaltung der
Konkreten Kunst herausbildete, lassen sich aus den Werken und Manifesten
einiger Pioniere die Ziele der neuen Kunst deutlich erkennen. Namen wie
Kasimir Malewitsch und Piet Mondrian sind in verschiedenen Zusammenhängen
weiterhin vernetzt.

Auf den Punkt gebracht wurde der Begriff „Konkrete Kunst“ durch das Manifest
von Theo van Doesburg im Jahr 1930
in Paris:
Es braucht klare, intellektuelle Mittel, um sich auf konkrete Art zu
manifestieren.

Allgemeine Zustimmung fand die Definition von Max Bill von 1936 – 1949, in
der es u.a. heißt:
Konkrete Malerei und Plastik ist die Gestaltung von optisch Wahrnehmbarem.
Ihre Gestaltungsmittel sind die Farben, der Raum, das Licht und die
Bewegung. Durch die Formung dieser Elemente entstehen neue Realitäten …
Konkrete Kunst ist in ihrer letzten Konsequenz der reine Ausdruck von
harmonischem Mass und Gesetz. Sie ordnet Systeme und gibt mit künstlerischen
Mitteln diesen Ordnungen das Leben.

Seit der Ausstellung von 1960 hat sich Konkrete Kunst in verschiedenen
Phasen gewandelt, sich unter anderen Begriffen spezialisiert oder wird zum
Teil als formales Gestaltungsprogramm verstanden. Auf ihre tatsächliche
breite Grundlegung weist der neuere Begriff „Konstruktiv-Konkrete Kunst“,
der für einige Institutionen maßgeblich geworden ist. Er macht auch
deutlich, dass zu Beginn der theoretischen Auseinander­setzungen unter
„konkret“ ebenfalls eine psychische Konkretion verstanden werden konnte (s.
die grafische Darstellung von Max Bill von 1944). Es ist keine Reanimation,
wenn sich 2010 Konkrete Kunst wiederum manifestiert. Was zur Stunde zählt,
ist die aktuelle pragmatische Begegnung mit Werken der Konstruktiv-Konkreten
Kunst. Diese könnte auf eine nicht zu übersehende internationale
Breitenentwicklung aufmerksam machen. Die räumliche Ökonomie, ein
signifikantes Postulat Konkreter Kunst, lässt indessen zwei Parameter
hervorheben, welche Konkrete Kunst heute wesentlich orientieren: Struktur
und Wahrnehmung. Ihre Bildwelten sind Projektionsflächen, die einzelnen
Arbeiten, präzise Modelle von Strukturen für Wahrnehmungen: Strukturen
verstanden als offene oder geschlossene Systeme, deren Teile unter sich in
Beziehung stehen, um Wahrnehmungsprozesse auszulösen. Strukturen sind
Medien, die im Umkehrprozess von Wahrnehmungen bestimmt werden.

Für Katalog wurden aus einer Fülle qualitativer Konkreter Kunstwelten
repräsentative Werke von
11 KünstlerInnen verschiedener geografischer und
mentaler Herkunft ausgewählt, nicht ohne Hinweis darauf, dass sich jederzeit
eine erweiterte Teilnehmerliste vorstellen lässt. Die Kunst der Farbe wird
in ihrer Bindung an System und Form präsentiert. Mit dem Ereignis der 100
Jahre befassen sich im Katalog Eduard Beaucamp, Frankfurt, Hans-Peter Riese,
Köln, Margit Weinberg Staber, Zürich und Eugen Gomringer, Rehau.

Zum Katalog eingeladen sind mit je 1 – 3 Werken die folgenden KünstlerInnen
(derzeitiger Wohn- und Arbeitsort):

Karl Heinz Adler, *1927, Dresden
Rita Ernst, *1956, Zürich und Sizilien
Karl Gerstner, *1930, Basel und Elsass
Hans-Jörg Glattfelder, *1939, Paris
Wolfgang Körber, *1934, Solingen
Vesna Kovacic, *1954, Ulm
Josef Linschinger, *1945, Traunkirchen
Dora Maurer, *1937, Budapest
Manfred Mohr, *1938, New York
Marcello Morandini, *1940, Varese
Axel Rohlfs, *1971, Harpstedt