Die Gedanken zu neuen Ufern fliegen lassen
Eugenie Kain
Eva Pittertschatscher, Eugenie Kain
ISBN: 978-3-99028-056-0
19×11,5 cm, 156 Seiten, m. farb. Abb., Klappenbroschur
15,00 €
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Kurzbeschreibung
Ich bin eben draufgekommen, dass ich in der Zwischenzeit achtzehn verschiedene Lebensläufe habe. Je nach Länge und je nach Schwerpunkt. Und wenn es um etwas geht, dann nehme ich den passenden Lebenslauf, den ich dann präsentieren kann.
Für mich ist es eine gewisse Gespaltenheit.
(Eugenie Kain)
Sich auf die Füße zu stellen, sich trotz einer relativen Aussichtslosigkeit der Ohnmacht, nicht (mehr) ausrichten zu können, entgegen zu stellen, war ein Ansatz- und Anhaltspunkt von Eugenie Kains Leben, der sich auch in ihren Arbeiten als Autorin, Journalistin und Kolumnistin widerspiegelte.
(Erich Klinger)
Rezensionen
Dominika Meindl: [Rezension]Einige Jahre sind seit dem Tod von Eugenie Kain vergangen, sie wird schmerzlich vermisst. Eva Pittertschatscher hat nun ein Buch über Kain veröffentlicht. Darin werden Abgrenzung wie Nähe zum Vater verhandelt. Es gibt Auskunft über Leben, Motive und Intentionen. Kains Schreiben ist geprägt von großer Gefühlsgenauigkeit. Es geht darin um das Alltagsleben von Menschen an den Rändern der Gesellschaft. Zum anderen um den Optimismus, die Sehnsucht ihrer ProtagonistInnen. „Die Grundlage von Kains Schreiben ist die reale Welt“, hält Pittertschatscher fest. Kain habe stets Anteil genommen; es handle sich bei ihr durchaus um eine „Renaissance der Literatur der Arbeitswelt“. Aber auch die Natur spielt eine große Rolle. „Das Donauland gehört zum inneren Bild meiner Seelenlandschaft dazu.“ Im Mittelpunkt steht das Wasser, dem Pittertschatscher in ihrer Analyse sehr viel Aufmerksamkeit zukommen lässt.
Die Abhandlung wirkt aufgrund der fast 300 Fußnoten oder diverser germanistischer Schleifen etwas zu akademisch. Das bildet einen gewissen Kontrast zu Kains sehr „konkretem“, an der sozialen Realität orientiertem Schreiben. Für eine wissenschaftliche Arbeit ist das aber andererseits wiederum schön zu lesen. Etliche Faksimiles aus Kains Notizbüchern machen ihre literarische Arbeitsweise nachvollziehbar. Dazu kommen Bilder, Interviews und Zitate von KollegInnen. Die schönsten Beobachtungen stammen von Erich Hackl: „Sie rückt die ‚kleinen Leute‘ ins Licht, und die Art, wie sie es tut, zwingt uns, diesen Begriff fallen zu lassen.“ Auch Pittertschatscher macht sich verdient und bietet tiefe und aufschlussreiche Einblicke. Sie erinnert an die Empfehlung: Kain lesen, immer wieder.
(Dominika Meindl, Rezension im Kulturbericht Oberösterreich. Monatsschrift des Oberösterreichischen Landeskulturreferates, [#?])