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Kurzbeschreibung

[Hrsg.: Roland Widder.
Texte: Roland Widder, Julia Schwaiger, Arno Löffler.]


Die Frage der Gegenständlichkeit in der Kunst hat in der jüngeren Vergangenheit, konkret im 20. Jahrhundert, häufig die Gemüter bewegt. Die Richtungskämpfe jener Zeit sind mittlerweile zwar Geschichte, die grundsätzliche Frage nach der Bezugnahme der Kunst auf die reale Welt stellt sich jedoch immer wieder neu. In den Augen von Gottfried Salzmann fehlt der nichtgegenständlichen Kunst eine ganz entscheidende Eigenschaft. Er nennt diese „das Schwingen einer inneren Präsenz“. Salzmann zeigt eine Welt, die wir kennen oder zu kennen glauben, indem er sich mit den Spiegelungen von Schiffen und Gebäuden im Wasser beschäftigt oder Stadtlandschaften von Metropolen auf die Leinwand bringt, die von einem erheblichen Teil der Betrachter auf Anhieb erkannt werden dürften, da sie sie entweder selbst bereist oder vermittels fotografischer oder filmischer Reproduktion etliche Male erfahren haben. Salzmann lenkt dabei die Aufmerksamkeit nicht etwa auf Details oder Teilaspekte, von denen er seinem Publikum unterstellte, es habe diese bisher übersehen, sondern er forscht unter der Oberfläche an der Sichtbarmachbarkeit dessen, was man als den Wesenskern des Abgebildeten bezeichnen könnte. Die topografische Identifikation sollte dabei nicht unbedingt als Einschränkung verstanden werden. „Le profondeur“, die Tiefe, ist das, was Salzmann in seinen Arbeiten zum Schwingen und zum Leuchten bringt. Denn die Liebe zum warmen, tiefgründigen Licht, das das Ephemere wie das scheinbar Dauerhafte gleichermaßen umfängt und durchglänzt und dadurch ästhetisch in Erscheinung treten lässt, verbindet ihn mit seinen Lieblingskünstlern, mit Pierre Bonnard und Joseph Mallord William Turner.
Oftmals arbeitet Salzmann mit Fotografien, die er teilweise über malt. Interessanterweise nimmt der Betrachter diese Übermalungen nicht als Verdecken wahr, sondern ganz im Gegenteil öffnet der Künstler durch seine Setzungen tiefe Vorstellungsräume, die allerdings niemals leugnen, dass sie im Zusammenspiel mit der äußeren Wirklichkeit schwingen, die stets von der inneren Präsenz dieser äußeren Wirklichkeit durchdrungen sind.
Die großartigen Stadtlandschaften, Hochhausschluchten und Straßentäler, die Salzmann vor dem Betrachter ausbreitet, stehen in der Tradition der arkadischen Landschaften der Vormoderne. Sie sind gleichsam deren legitime und logische Nachfolger in unserer heutigen, urbanisierten und globalisierten Welt, die vorgibt, aufgeklärt, rational, bürgerlich und demokratisch zu sein. Und in Salzmanns Wasserspiegelungen der Achtziger- und Neunzigerjahre trifft ohnehin beides aufeinander. Wer Salzmanns Bilder sieht, bekommt mehr als eine bloße Ahnung von dem Mysterium der so offenkundig sicht- und erfahrbaren Welt.
Die Weitung des Blicks erreicht Salzmann auch mit der Erhöhung des Beobachtungspunkts. Wer durch Salzmanns Augen auf die Welt blickt, verliert oft den vermeintlich sicheren Boden unter den Füßen, der Betrachter entschwebt mit dem Künstler der gewöhnlichen Straßenperspektive und lässt die Bindewirkung der Schwerkraft hinter sich, die zwar etwas Einengendes, aber doch durchaus auch etwas Beruhigendes hat. Dennoch verflüchtigen sich niemals die Wahrnehmungsbilder, man ist nie geneigt, in das unkontrollierbare Gelände seelischer Innenschau hinüberzuwechseln. Salzmann betreibt keine Stimmungsmalerei, sondern forscht mit seinen Arbeiten in der Differenz zwischen Sehen und Erkennen.
Es ist nahezu unmöglich, von Gottfried Salzmanns Arbeiten unberührt zu bleiben, angesichts der immensen Sogwirkung, die sie entfalten. Gottfried Salzmanns Arbeiten faszinieren und begeistern. Ein stetig wachsendes Publikum fühlt sich von Salzmanns Sicht der Welt direkt angesprochen. In diesem Katalog laden wir auch Sie ein, Ihren Blick für seinen Kosmos zu öffnen und sich davon begeistern zu lassen.
(Roland Widder, Arno Löffler, Julia Schwaiger in der Einleitung)