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Kurzbeschreibung

KINDER- UND JUGENDBUCHPREIS DER STADT WIEN 2004

Ich und du, wir waren Freunde. Wir haben oft miteinander gespielt. Gestritten haben wir uns auch, manchmal haben wir uns sogar geschlagen, und dann haben wir uns immer wieder vertragen. Aber eines Tages bist du fortgegangen. du hast mir nichts davon gesagt, du hast dich nicht von mir verabschiedet. Wie hast du das nur tun können? Erinnerst du dich noch? Viele Spiele haben wir uns ausgedacht: Wir haben Prinzessin und Räuber gespielt, und Zauberer und Bär, König und Königin, Indianer und Indianerin und Dame und Herr. Tempelhüpfen haben wir gespielt, Verstecken und Suchen, Sandkuchenbacken, Gespenster erschrecken und Begräbnis abhalten …


Rezensionen
Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur: [Rezension zu: Angelika Kaufmann, „Ich und du, du und ich“]

Erzählt wird die Geschichte von einem Mädchen, das seinen besten Freund durch einen Autounfall verloren hat und auf gemeinsame Erlebnisse mit ihm zurückblickt. Dabei werden Realität und Phantasie der Erinnerung durch den Wunsch, ihn mit in ihre Gegenwart nehmen zu können, für einen kurzen Zeitraum eng ineinander verwoben. Doch bleibt der Wunsch unerfüllbar und die Zweifel an den Aussagen der Erwachsenen über seinen Tod schwinden erst langsam. Ein Auto hat dich überfahren, sagen die Erwachsenen. Aber immer, wenn ich die Augen zumache, sehe ich dich ganz genau: […] Du bist gestorben – aber tot bist du nicht.
Angelika Kaufmann gelingt es auf kunstvolle Art und Weise, die Trennung zwischen Realität und gedanklicher Gegenwelt illustratorisch zu verdeutlichen: Während die gegenwärtigen Rückblicke und aktiven Formen der Trauerarbeit in Tusche- und Buntstiftzeichnungen auf hellblauem Faserpapier gehalten sind, bricht sie mit diesem Stil beim Übergang zur zentralen Erinnerung an ein spezifisches Erlebnis der beiden Kinder. Dabei verwendet sie Aquarellbilder auf unstrukturiert weißem Papier in unterschiedlichen Größen und ersetzt im Textsatz die kindlich gestaltete Schreibschrift durch gröbere Blockschrift.

(Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur, Rezension in: Deine Nähe spür ich noch … Sterben – Tod – Trauer als Themen der Kinder- und Jugendliteratur, Neuaufl. 2015, S. 23)


Inge Cevela: Abschied

Als Jorinde und Joringel im Grimm’schen Märchen den Garten der mächtigen Zauberin betreten, wird ihrer beider Liebe auf eine Bewährungsprobe gestellt: Verzaubert muss Jorinde darauf warten, dass Joringel sie unter Tausenden wiedererkennen und erlösen kann.
Was im Märchen gelingt, gilt ebenso beim Träumen und Spielen. Und so setzt auch Angelika Kaufmann das Mädchen und den Jungen in ihrer Erzählung dem Motiv des „geheimen Gartens“ aus, in den ein Loch in der Mauer führt und über dem ein mächtiger Zauberer wacht – „er fängt die Mädchen und die Buben / und sperrt sie ein in seine Stuben“ – einer, der glücklicherweise so hoch fliegt, dass man manchmal nur seine bunten Bauchfedern am oberen Bildrand erkennen kann. In der farbigen Welt ihres Spiels entkommen die beiden der Gefahr, auch wenn es ganz knapp wird, so knapp, dass sogar die Seiten im Buch enger und schmäler werden, abgeschnitten sind.
Ich und Du, ein Mädchen und ein Junge, allerbeste Freunde. Wie mit Schablonen gezeichnet, typisiert wie im Märchen und ausgestattet mit der Grundeigenschaft der Neugier aufs Leben – das macht Identifikation beim Lesen leichter.
„Aber eines Tages bist du fortgegangen. Du hast mir nichts davon gesagt.“ Das bunte Treiben der beiden wird zur bloßen Erinnerung, die angstvolle Traurigkeit zu Beginn wird zur Gewissheit. Die farbigen Seiten im Mittelteil wechseln wieder zu hartem Federstrich auf grauem Faserpapier. Die Spielwelt muss der Konfrontation mit der Wirklichkeit weichen: „Die Erwachsenen sagen, dass du jetzt tot bist. Ich kann das nicht glauben.“ Und: „Ein Auto hat dich überfahren, sagen die Erwachsenen.“
Aber wo die Erinnerung bleibt, hat der Tod nicht gesiegt: „Du bist gestorben – aber tot bist du nicht.“ Seit einigen Jahrzehnten schon baut Angelika Kaufmann hoffnungsstarke Geschichten und Bilderwelten für Kinder, manchmal – wie in diesem Fall – mit eigenem Text. Vor allem aus der engen Zusammenarbeit mit Mira Lobe sind ganze Generationen von Kindern prägende Bücher entstanden, wie „Komm, sagte die Katze“. Für dieses sehr spezifische, immer unverwechselbare Werk wurde ihr soeben der Österreichische Würdigungspreis zuerkannt.

(Inge Cevela, Rezension erschienen in der Furche vom 3. Februar 2005 [Lektorix des Monats Februar 2005 – Ein Buchtipp von STUBE, Institut für Jugendliteratur und die furche])


https://www.stube.at/buchtipps/lektorix2006.htm