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Kurzbeschreibung

[Kunsthandel Widder.
Texte: Roland Widder, Hannes Etzlstorfer, Peter Assmann.]


Es ist gut möglich, dass Ihnen als aufmerksamen Kunstfreund und Stadtspaziergänger das Werk Karl Hauks bereits andernorts als in Ausstellungen und Galerien aufgefallen ist. Durch eine Vielzahl an Gestaltungsaufträgen im öffentlichen Raum ist Hauk nämlich auch heute noch präsent. Er fertigte Glasfenster, Mosaike und Fresken für Kirchen sowie für zahlreiche öffentliche Gebäude an. Er erhielt Aufträge für wichtige Bauten der 1920er und 1930er Jahre in Linz, wie die Studienbibliothek, für die er Kupferreliefs über dem Haupteingang entwarf, die Linzer Tabakfabrik, die er mit einer Mosaikuhr über dem Haupteingang dekorierte, den Sitzungssaal der Linzer Arbeiterkammer, den er mit einem Fresko schmückte und das Krematorium am Linzer Ursulinenfriedhof, wo er ein Glasfenster gestaltete. Sein prestigeträchtigster Auftrag war die Ausgestaltung des Linzer Hauptbahnhofs im Jahr 1937, der während des Zweiten Weltkriegs zerbombt wurde. Die Bahnhofsfresken sind wie andere öffentliche Arbeiten aus dieser Zeit, daher heute nicht mehr erhalten. Auch nach 1945 war Hauk ein gefragter Monumentalkünstler und verwirklichte hauptsächlich in Linz und Wien bis Mitte der 1960er Jahre nicht weniger als 36 Projekte im öffentlichen Raum.
Aufgrund seiner vielen Monumentalaufträge und nach dem Tode der Eltern auch durch eine Erbschaft finanziell abgesichert, bestand für ihn keine Notwendigkeit für Ausstellungen, geschweige denn für Verträge mit Galerien, um seine Bilder zu verkaufen. Das große Werk an Tafelbildern und Zeichnungen, welches der Künstler in der Zwischenkriegszeit noch punktuell in Ausstellungen der Linzer Künstlervereinigungen „Der Ring“ und „Maerz“ sowie in der Wiener Secession und im Hagenbund zeigte, verweigerte er nach dem Zweiten Weltkrieg seinem Publikum fast gänzlich, weshalb sein Œuvre jahrzehntelang im Verborgenen blieb.
In diesen zum Großteil sehr persönlichen und privaten Bildern – oft ist der Künstler mit seiner Freundin Dolly bzw. seiner späteren Frau Jolanda zu erkennen – bewegt er sich stilistisch zwischen den Polen einer expressiven und neusachlichen Bildauffassung. Seine Arbeiten weisen einen Hang zum Allegorischen sowie zur Überhöhung auf und gehen dabei über das rein Abbildhafte oder Erzählerische hinaus. Im Fokus von Hauks Schaffen steht der Mensch mit seinen gesellschaftlichen Dispositionen und seinen seelischen Befindlichkeiten. Stets ist Hauk ein genauer Beobachter, ob mit kritischem Blick auf die trostlose Situation von Arbeitern inmitten karger Industriebauten oder mit sensibler Wiedergabe von Liebenden in ihrer Sehnsucht und ihrem Verlangen. Arbeiter, Bettler, Dirnen, Ganoven, Heilige, Zirkusartisten, Kinder, Alte, Liebende und immer wieder der Künstler selbst sind die Protagonisten seiner Werke. Neben der Bildkomposition und der daraus resultierenden Beziehungskonstellation rückt Hauk oft die Emotionen der Dargestellten in den Mittelpunkt. Im Spätwerk ab 1960 kommt verstärkt auch eine spirituelle Komponente hinzu.
Als Kunsthändler, der ein Vorwort für einen Begleitkatalog zur Ausstellung in der eigenen Galerie schreibt, ist man verleitet, sich in Lobpreisungen zu versteigen, um die Bedeutsamkeit der Bilder hervorzuheben. Es ist deshalb erleichternd, wenn dies in vorliegender Publikation bereits an anderer Stelle, mit der Einschätzung, dass Hauks Weg aufwärts führt, erledigt wurde. […]
Diese Publikation eröffnet nun einen weiteren Einblick in das Werk des Künstlers, wobei die Sammlung der vorliegenden Werke nur einen Ausschnitt aus Hauks Gesamtwerk bietet. Die Auswahl erfolgte nach eigenen Vorlieben und Präferenzen, wissend, dass diese schließlich auch den Prinzipien des Kunstmarktes unterworfen wird. […]

(Roland Widder im Vorwort)