Warenkorb
0€ 0

Kurzbeschreibung

[Mit Illustrationen von Martin Praska.]

Es gibt die Zeit der Treue
den Frühling der Lüge,
den Herbst des Versteckens
und die Sonnenfinsternis der Flucht.



Rezensionen
Elfriede Bruckmeier: Robert Streibel, „Pilgers Paradies und Hölle“

Wer früh mit seinem Lebensmotto in Berührung gekommen ist, den lässt es nie mehr los. Robert Streibel hat sich um die Aufarbeitung der Verbrechen des Dritten Reichs bemüht und das Gedenken als seine wichtigste Aufgabe gesehen. Dass dies ein Fass ohne Boden sein wird war ihm wohl bewusst. Er recherchierte Massenerschießungen an Orten, wo niemand sie vermutete hätte ebenso wie die kleinen Gemeinheiten und Denunziationen in seiner engeren Heimat. Er hat, oft gegen Widerstand, Gedenkstätten durchgesetzt. Und noch immer will er den Leuten die Augen öffnen, was manchen gar nicht recht ist. Wen wundert es, dass auch seine Gedichte voll Schwermut sind. Zitat: „Sätze sind keine Rettung, denn das Lachen hängt an einem dünnen Faden.“

Unterwegs: Er sucht Stätten auf, die belastet sind durch Gräueltaten, aber auch als ganz normaler Tourist findet er weniger Paradiese, mehr Höllen. Der Leser ist schon dankbar für ein wenig Salbei-Thymian- und Oreganoduft, wenn es Richtung Süden geht. Zurück im Norden wird's gleich wieder nachdenklich. Er kann nicht anders, die negativen Erinnerungen drängen sich auf, auch in Dresden, auch in Prag. Dass er selber an seiner fixen Idee leidet und sich manchmal fröhlichere Gedanken wünscht, sagen schön die Worte am Ende des Gedichtes Stockholm: „Endlich Birkenwälder ohne Menschendünger“. Gerade noch hat man sich gefreut, dass er sich in Basel Gerhard Richters „Frau“ angeschaut hat, schon kommt die Kritik, dass dort die Spatzen kein Schwarzbrot wollen.

Er macht es dem Leser nicht leicht, der soll ja was lernen – und man erfährt tatsächlich noch neues zu seinem Thema. Irgendwann überlegt man, welche Gedichte wohl ein Kambodschaner schreiben mag, der mit der Aufarbeitung der Gräueltaten der Roten Khmer befasst ist.

Die Strichzeichnungen von Martin Praska tragen ein wenig kindlichen Frohsinn bei und lakonisches Augenzwinkern. Das kann auch der Autor bisweilen, wie einige köstliche Gedichte zeigen: „Exil“ oder „Bayreuth“ zum Beispiel. Aphorismen gibt es und Widmungsgedichte für Kollegen, auch Gedenken an verstorbene Freunde. „Warten auf Zufall und Einfall“ – eine schöne Wendung. Die Anmerkungen am Ende sind hilfreich und machen vieles erst verständlich. Mit diesen Erklärungen und einem offenen Sinn lässt sich dieses Buch dann gut lesen.

(Elfriede Bruckmeier, Rezension erschienen auf der Webseite des Österreichischen Schriftsteller/innenverbandes)


https://www.oesv.or.at/rezension/pilgers-paradies-und-h%C3%B6lle.html