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Kurzbeschreibung

Rasmus steht – seit Langem wach –
draußen vor dem Elternhaus.
Ein bisschen ratlos sieht er aus.
Es ist noch früh, die Stadt erwacht.
Ein pfeifend feiner Wind, ganz sacht,
bewegt – wo tratschend Vögel sitzen –
die nadeligen Tannenspitzen.
Weit und weiß der Horizont …
etwas ist anders als gewohnt.

In der Küche himmlische Gerüche.
Rasmus schnuppert mit Genuss,
so sehr, dass Mama lachen muss.
Aufgeregt wippend sitzt auf ihrem Schoß
Schwester Ronja. Was hat sie bloß?
»Rasmus!«, ruft sie überdreht,
»weißt du, was in der Zeitung steht?«

Sie schnappt die Zeitung, hält sie ihm hin,
ein großes Bild sieht er darin:
gespenstisch rund, ein voller Mond!

»Heut Nacht, da lassen wir unsere Stimmen klingen,
wenn wir hinauf zum Vollmond singen!«,
verkündet Mama in feierlichem Ton,
nimmt die Zeitung und liest auch schon:

»Vollmond, heut Nacht! Es komme, wer kann!
Auf der Bergspitze wird gesungen
und das Tanzbein geschwungen.
Lasst uns den Mond gemeinsam ehren,
uns allen eine unvergessliche Nacht bescheren.«



Rezensionen
anfe: Astrid Rothaug, „Rasmus’ Reise zum Mond“

Alle Wölfe heulen den Vollmond an, nur der kleine Rasmus hat entsetzliche Angst vor dem fernen Himmelskörper.

Endlich ist wieder Vollmond! Alle Wölfe machen sich bereit für das große Spektakel auf der Bergspitze, um den Mond anzuheulen. Nur der kleine Rasmus möchte, wie jedes Mal, am liebsten zuhause bleiben und sich verstecken: „Nichts fürchtet Rasmus auf der Welt so sehr wie den Vollmond am Himmelszelt.“ Als es soweit ist, stellt sich Rasmus schlafend und bleibt verschont. Vorerst. Denn schon im nächsten Moment kommt der Uhu Schuhu, das Mondtaxi, und nimmt ihn mit auf eine wunderbare Reise durch die Nacht, auf der Rasmus die Sternenkinder und den Mond höchstpersönlich trifft und lernt, seine Angst zu überwinden.
Überraschend frisch führt Astrid Rothaug, Autorin und Illustratorin zugleich, ihre Leser*innen in Reimen durch die Geschichte. Die leicht verständlichen Paar- und Binnenreime laden dabei ein, mitzusprechen und selbst in die Geschehnisse einzutauchen. Mit Humor, der auch die erwachsenen (Vor-)Leser*innen schmunzeln lässt, entwickelt sich so aus dem typischen Motiv der Reise zum Mond und durch die Nacht eine sprachlich ansprechende und abwechslungsreiche Erzählung, die sich vor allem in den Abendstunden zum Vorlesen eignet und deren Konflikt auf gleichzeitig überraschende und doch unspektakuläre Weise gelöst wird: Rasmus und der Mond reichen sich die Hand.
Besonders hervorzuheben sind dabei auch die Aquarellillustrationen, welche das Mystische und Unheimliche der Nacht unterstreichen. Mal doppelseitig und ganz nah, dann wieder in einzelnen Elementen um den Text angeordnet. Mal in den lebendigen Farben des Tages und des Feierns und dann wieder in den düsteren Tönen der Nacht. So wird die Handlung auch auf der Bildebene stark dargestellt, die Gefühle der jeweiligen Situation angemessen ausgedrückt. Immer wieder ergänzen dabei graphische Linien die Aquarelle, fügen Details hinzu.
Interessant ist auch der Wechsel der Hintergrundfarbe von Weiß zu Schwarz zu Weiß, wenn Rasmus vom Tag in die Nacht und weiter zu den Sternenkindern wandert. Die einzelnen Figuren wirken hier ausgeschnitten und auf den Hintergrund gesetzt, sodass der Eindruck einer Collage entsteht, die zum Entdecken einlädt.
So entsteht aus der harmonischen Mischung zwischen Reim und eindringlichen Illustrationen ein spannendes und trotzdem berührend träumerisches Bilderbuch: die erste Veröffentlichung der Autorin. Sehr empfehlenswert!

(anfe, Rezension für die JULIM. Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, Juni [?] 2019)


https://www.ajum.de/2019ii/ajum_2019ii-bibliothek-der-provinz-5.pdf#page=6