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Kurzbeschreibung

CARRY HAUSER
das war der Hagenbund…

1900 aus dem konservativ erstarrten Künstlerhaus sondern sich gruppen von künstlern ab. ein biologisch natürlicher vorgang. die eine gründet die Secession, die andere, deren altes stammlokal die gastwirtschaft „Zum blauen Freihaus“ war und dessen besitzer namens Haagen als namensgeber für den künstlerbund Hagen, den HAGENBUND dient. weder ident noch verwandt mit dem zwielichtigen helden des Nibelungenliedes.
1938 eine vorstandssitzung des Hagenbundes in seinem haus in der Zedlitzgasse. der Künstlerhausmaler Albert Janesch, zusammen mit einem sich mehr im hintergrund haltenden bildhauerkollegen betreten den sitzungsraum und lösen den „verjudeten“ und „un-artige“ kunst betreibenden Hagenbund auf. – und dazwischen: viel sachlicher kampf um die künstlerische Formgebung und die aussage in reiner farbe. viel bemühung die mal- und bildhauerkunst den beschauern näher zu bringen und umgekehrt, bei aller wahrung des individualismus, bewusstwerdung der sozialen aufgabe des bildenden künstlers. und bei aller intensität ehrlicher arbeit, viel kameradschaft. kollegen nicht als konkurrenten gesehen sondern als mitschaffende, freunde.
Neben ausstellungen der Hagenbündler, wechselausstellungen mit unseren nachbarländern Ungarn und Tschechoslovakei. Volkskunstausstellungen, auch aus der UDSSR und die erste Ikonenausstellung. ungarische volkskunst, französische grafik, kunst aus Belgien, aus Kroatien: sonderausstellung des bildhauers Ivan Mestrovic. Lettische kunst der gegenwart und britische aquarelle. und die opfer. nachdem die braune giftwolke sich über Österreich gesenkt hatte. erzwungene und freiwillige emigration: 14 künstler – innere emigration und zum teil mit arbeitsverbot belegt und KZ: 23 – ermordet von den nazischergen: Fritz Schwarz-Waldegg.
1947. vergeblicher versuch einen „neuen Hagenbund“ zu bilden. der alte Hagenbund war, bei allem sozialen verantwortungsbewusstsein, selektiv. eher ein club. eher basis als eine extreme spekulative schockbedachter kunst. nicht auf reinen kommerz und tricks bedacht. in der gegenwart nicht wiederholbar, da zeit bedingt.
der kunsthistoriker Hans Tietze schrieb im katalogvorwort der 60. Hagenbundausstellung im jahre 1930:
„… er will eine gemeinschaft der lebendig schaffenden sein … vertritt weniger eine richtung als eine gesinnung … seine gegenwart ist immer wieder zukunft, sein alter jugend, seine erinnerung ausblick! …“
das war der Hagenbund …

carry hauser, Wien 1982



Mit „Wien um 1900“ verbinden wir heute nicht nur die Wende zum 20. Jahrhundert, sondern vor allem eine Zeit, in der das künstlerische Schaffen dieser Stadt eine Blüte erreichte. 1897 gründete sich die Wiener Secession, die als Auffangbecken moderner Künstler mit konservativen Traditionen brach. Nur drei Jahre später trat mit dem „Künstlerbund Hagen der Genossenschaft bildender Künstler Wiens“ ein weiterer progressiver Verein auf die Bühne, der das Ausstellungsgeschehen in Wien erneuerte.
Mit der Zedlitzhalle als Ausstellungsraum bot der Hagenbund nicht nur seinen Mitgliedern einen Platz zur Schaustellung ihrer Werke, sondern verstand sich auch als Ausstellungshalle für internationale Kunst. Neben der Präsentation arrivierter internationaler Künstler pflegte man vor allem Kontakte zu tschechischen, ungarischen und polnischen Künstlergruppen (Mánes, Kreve, Sztuka), die Gastausstellungen bespielten. Im Gegenzug wurden die Mitglieder der Vereinigung zu Ausstellungen ins Ausland eingeladen. Es entwickelte sich ein reges internationales Netzwerk, das den Verkauf wie den künstlerischen Austausch befördern sollte. Durch die allgegenwärtige Finanzknappheit bedingt, ging der Hagenbund Kooperationen mit anderen Vereinen, Institutionen und privaten Galerien ein, in denen er nur als Vermieter der Lokalität fungierte. Nach außen hin wurde der Verein aber sehr wohl als Organisator wahrgenommen. Dies führte 1911, nach einer von der Neukunstgruppe veranstalteten Sonderausstellung, zum Eklat und zur Delogierung aus der Zedlitz halle. Nach dem Ersten Weltkrieg zog man aber wieder am selben Ort ein und konnte sogar die Halle renovieren.
Durch den gesellschaftlichen und politischen Wandel der zwanziger und dreißiger Jahre geprägt, überflügelte der Hagenbund in dieser Zeit nicht nur die anderen Wiener Kunstvereinigungen in Bezug auf sein kreatives und avantgardistisches Potential, er wurde auch zum Experimentierfeld für neue Darbietungs- und Vermarktungsstrategien. Carry Hauser läutete als Präsident thematische Ausstellungen ein und eine Kollaboration mit Otto Nierenstein, dem Gründer der Neuen Galerie, brachte in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwunges eine finanzielle Entspannung. In seiner Ära wurde ein System entwickelt, in dem der Käufer den Preis für ein Kunstwerk festlegte. Jeder, der eines der ausgestellten Werke erwerben wollte, konnte den ihm angemessenen und möglich erscheinenden Betrag mitteilen. Wenn die genannte Summe hoch genug war, wurde der Verkauf abgeschlossen, ansonsten als erstes Gebot für das Kunstwerk angeschrieben. Alle nachfolgenden Interessenten konnten mit höheren Geboten bis Ausstellungsende mitmachen. Der Zuschlag erfolgte schließlich an den Höchstbietenden. Auch aus heutiger Perspektive klingt diese Praktik durchaus verheißungsvoll, denn sie lädt die Kunst mit Kapital auf und gibt dem Ganzen eine spielerische Note. Nicht an mangelnder Finanzierung, sondern am politischen Umschwung in Folge des Anschlusses ging 1938 der Hagenbund zugrunde. Die jüdischen Mitglieder wurden ausgeschlossen, viele von ihnen flüchteten, gingen ins Exil oder wurden ermordet. Andere Mitglieder passten sich an.
Wie der Hagenbund als Künstlerverein, wurden auch etliche Mitglieder in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt und mit Ausstellungen und Monorafien bedacht. Georg Ehrlich und seine Frau Bettina Ehrlich-Bauer, Josef Floch, Carry Hauser, Robert Kohl, Georg Mayer-Martón, Georg Merkel, Albert Reuss, Otto Rudolf Schatz, Fritz Schwarz-Waldegg oder Viktor Tischler sind, um nur einige zu nennen, auch in vorliegender Publikation zu finden. Als Mitglieder des Hagenbundes, als Exilanten, als Künstler der Zwischenkriegszeit und Proponenten der Avantgarde sind ihre Arbeiten seit Gründung meiner Galerie Bestandteil des Ausstellungsprogrammes. Als ich Anfang 2018 die umfangreiche Hagenbund-Sammlung von Peter Chrastek erwarb, versprach ich ihm eine Publikation zu machen, die zwar ein Verkaufskatalog ist, aber gleichzeitig auch seine jahrzehntelange Sammler- und Forschungstätigkeit dokumentiert. Der zeitgleich mit diesem Katalog erschienene Band ist das Resultat dieses Versprechens.
Nun befindet sich im Bestand meiner Galerie, wie beschrieben, eine ansehnliche Zahl an Kunstwerken von Hagenbundmitgliedern, die ich zeitgleich präsentieren und anbieten, aber nicht mit den Werken aus Peter Chrasteks Sammlung mischen wollte. Deswegen halten Sie hiermit den zweiten Teil unseres Hagenbundprojekts in Händen (…).

(Roland Widder im Vorwort)