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Kurzbeschreibung

[Mit Beiträgen von Adalbert Putz, Franz Smola & Günter Unger.]
[artedition | Verlag Bibliothek der Provinz]

Sollte ich einmal vom „Schuldienst befreit“ sein, werde ich öfters reisen, um in aller Ruhe zeichnen und malen zu können. So erträumte ich es mir während meiner Unterrichtsjahre. Da schmerzten noch keine Gelenke. Ich delegierte viel Haushalts- und Garten-Arbeit, auch Familienbetreuung. Damals tat es mir auch nicht leid, wenn Pflanzen längeres Fernbleiben nicht gut überstanden hatten. Da ich seit den frühen 1990er Jahren wieder in Sievering leben darf, hier sowohl im Haus als auch im Garten viel zu tun habe, halte ich es ähnlich Barbara Frischmuth: Wenn der Garten wieder zum Leben erwacht, gibt es absolut kein Verreisen. Höchstens eine Nacht fernbleiben und da ersuche ich im Hochsommer eine Sievering-Freundin (Nicolette S.), dass sie die wasserbedürftigsten Pflanzen gießen möge.

Die drei Bücher zur Thematik „BUNDESLÄNDER UND STÄDTE“, „VENEDIG“ und „FIGURATIV“ sollten bereits zwischen 2018 und 2019 erscheinen. Voraussichtlich wird „FIGURATIV“ erst 2020 erscheinen. Über 10 Jahre ließ sich Karlis Krebserkrankung sowohl durch Operation als auch durch Therapien bändigen. 2017 war kein gutes Jahr für uns. Zu viele Tage (für K[arl] W[iltschko] auch Nächte) verbrachten wir in Ordinationen, Ambulanzen und Spitälern. Dazwischen arbeiteten wir noch gerne (etwas eingeschränkt) im Garten. Amüsante oder engagierte Theater- und Opern-Abende, auch Ausstellungsbesuche, Lesungen und Matineen (Konzerte) brachten uns auf andere Gedanken und machten uns beiden große Freude! Danach ließen wir uns gerne im Café Landtmann verwöhnen. Die seltener gewordenen Aufenthalte, eher Besuche unserer Enkelkinder, gestalteten sich zu Helfer-Stunden. Ab Sommer 2017 war die Arbeit am „SIEVERING“-Buch bereits undenkbar geworden (publiziert 2018). K[arl] W[iltschko] war bereit, vielerlei Behandlungen über sich ergehen zu lassen, damit das bald drohende Lebensende weiter hinausgeschoben werden könne. Am 6. Dezember 2017 erlitt Karli einen massiven Schlaganfall (wenige Stunden nach seinem kurzen AKH-Aufenthalt); er wurde liebevoll bei den „Barmherzigen Brüdern“ schmerzfrei gehalten und vier Tage vor dem heiligen Abend von seinen Leiden erlöst. Seinen Wünschen entsprechend gab es (Ende Jänner 2018) eine würdige, sehr schöne Verabschiedung in unserer evangelischen Weinberg-Kirche in Sievering. Während der Monate Feber und März verbrachte ich viele Tage in unserer Rest-Wohnung in O.P. [Oberpullendorf], mit Hilfe meiner tatkräftigen Freundin Irina S. (auch gutes Transportauto!) Mitte März 2018 K[arl] W[iltschko]'s Zweitwohnsitz besenrein an die Gemeinde O.P. [Oberpullendorf] übergeben zu können. Viele Bananenschachteln, gefüllt mit Büchern zu Geschichte, Politik, Literatur, Didaktik und zahlreichen Fachzeitschriften (jahrzehntelange Abonnements) verschenkte ich an die Bibliothek des BRG O.P. [Oberpullendorf]. Vorher ließ ich Helfer und Familie aussuchen. Auch meinem Verleger Richard Pils übergab ich viele Schachteln gefüllt mit Literatur-Zeitschriften und BurgenIand-Büchern. Seit Frühjahr letzten Jahres spüre ich Karls Verlust immer stärker, nicht nur, dass mir mein Lebensmensch sehr fehlt, die Ansprache, die Aussprache, das Diskutieren, die Gespräch, … das Berühren. Bei Aufenthalten im Garten denke ich vor jeder Mauer, bei jeder Stufe, auf jedem Weg an Karli. Alles hatte er liebevoll für meine schlechten Füße und Gelenke verbessert.

Das jüngste Enkelkind (11 J.) Jalda überredete mich erfolgreich, dass ich anlässlich meines Achtzigers mit ihr, ihrer Schwester Mina und ihrer Mutter (meiner Tochter Hulda) für einige Tage nach Venedig fahren sollte. Sie wollen mir Koffer und Malgepäck tragen … das Bergabgehen über die vielen venezianischen Brücken kann mir aber leider niemand abnehmen. Das Ergebnis dieses für mich ganz anderen Venedig-Aufenthaltes (bescheidene künstlerische Tätigkeit, dafür familiäres Beisammensein und erste Zeichenversuche von Mina und Jalda) ist im zeitgleich erscheinenden „VENEDIG“-Büchlein enthalten.

Allein Reisen (mit Malgepäck!) ist immer sehr beschwerlich, ermöglicht aber künstlerische Arbeit. Karli als angenehmer Begleiter nutzte immer die Stunden meines Zeichnens für seine Leidenschaft, das Lesen. Ab November 2013 wurden spontane Kurzreisen beschwerlich bzw. unmöglich: Karl musste sein Auto wegen eines Schlaganfalles (Gesichtsfeld-Einschränkung) verschenken. Seit 2014 intensives Aufarbeiten des Werkverzeichnisses (Bücher) Ich reise in meiner kleinen Welt, im Kosmos meines Gartens und mit meinen Bildern bei Gestaltung der Bücher. Kultur tanke ich in der wunderbaren Stadt Wien.

Von Sommer bis Oktober 2018 intensives Arbeiten mit Gottfried Eilmsteiner am umfangreichen „SIEVERING“-BUCH. Organisation der drei Buch-Präsentationen im November 2018: Bezirksmuseum, Stöger, Café Landtmann. Ende Jänner 2019 unverhoffter Tod des tüchtigen, äußerst liebenswerten Freundes Gottfried. Vielerlei Arbeit in Haus und Garten, im Haushalt, im Atelier, im Archiv – alles ohne Auto zu bewältigen! Der helfende (gesunde) Lebensgefährte fehlt mir in allzu vielen Situationen. Theater- oder Opern-Aufführungen erlebe ich jetzt mit Töchtern, l Enkelkindern oder lieben Freunden. Seit Frühjahr 2018 beeinträchtigt die Baustelle nebenan den Aufenthalt im Garten sehr. Die Schäden an meinem Haus sollten bis Frühjahr 2020 behoben werden. Einige liebe Bekannte helfen bei nötigen Reparaturen, beim Entrümpeln der Nebenräume im Erdgeschoß und Keller, auch bei der nötigsten Pflege des wuchernden Gartens (meine Kinder und Enkelkinder haben selten Zeit). Bis November 2019 werden zwei neue Bücher „VENEDIG“ und „BUNDESLÄNDER UND STÄDTE“ fertig konzipiert und gedruckt sein. Wenn eines meiner drei jüngeren Enkelkinder in Sievering zu Besuch ist, freue ich mich über seine Unterstützung – sie lernen, sie helfen, wir garteln gemeinsam, wir kochen gemeinsam, wir spielen gemeinsam. 2020 wird voraussichtlich der letzte Teil des Werkverzeichnisses „FIGURATIV“ erscheinen, der unter anderem die Portraitfortsetzung 2009–2020 beinhalten wird.

(Hilda Uccusic im Nachwort)