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Kurzbeschreibung

In der Gartenstadt die Idealfamilie: Vater, Mutter und Kinder.

So eine ideale Familie und ein echter Gewinn für die Gemeinschaft von Nummer einunddreißig war das Ehepaar, das Mitte der Fünfziger Jahre die ebenerdig gelegene Hausbesorgerwohnung bezogen hatte. Tüchtige junge Leute waren das, die adrette rundliche Hilde Gerstl und ihr Mann Christian, ein Tischler. Ein Bub – beim Einzug der drei noch im Vorschulalter – komplettierte die Familie. Ein vifes Kind war dieser kleine Leopold, das sagten bald alle Parteien. Und eine wunderbare Hausmeisterin war Hilde Gerstl, die es zustande brachte, dem grauen engen aufzuglosen Stiegenhaus dauerhafte Reinlichkeit, ja fast so etwas wie Glanz zu verleihen. Keiner, der Haus Nr. 31 betrat oder verließ, entging ihren so sanft wirkenden blauen Augen. Und später dann, zu der Zeit, als Bertram begann, abends aus zu gehen, profitierte er von ihrer Güte, immer wieder vergaß oder verlor er seinen Haustorschlüssel und Frau Gerstl öffnete ihm zu nächtlicher Stunde die Türe, für die es eine fixe Sperrstunde gab. Aus diesen Tagen stammte auch Julian Kohns stereotype Frage an seinen Sohn: „Hast du Gerstl für die Gerstl?“ Aber Hilde Gerstl wollte eigentlich nie etwas nehmen für ihre Gefälligkeit.

Viele Jahrzehnte lebte das Ehepaar in der Gartenstadt, auch als sie ihrer Hausmeistertätigkeit aus Altersgründen nicht mehr nachgingen. Heute gibt es die typisch österreichischen Hausbesorger in diesem Sinne nicht mehr; sie heißen nun Hausbetreuer und unterliegen völlig anderen Richtlinien.

Manfred und Beate bildeten ein wenig die Ausnahme vom gängigen Familienmodell, denn die beiden hausten nicht mit ihren Eltern oder zumindest ihrer Mutter in einer Wohnung, wie das so üblich war, sondern bei ihrer Großmutter, der Frau Weyrich. Die Mutter der Kinder, allgemein als die „schöne Gerda“ bezeichnet, lebte aus nicht nachvollziehbaren Gründen im italienischen Grado und kam, selten genug, auf Kurzbesuch. Genauer gesagt, konnte sich niemand richtig erinnern, wann sie das letzte Mal da gewesen war, meistens hatte nur irgend jemand von jemand anderem gehört, dass sie auf einen Sprung vorbei gekommen war, um ihre Kinder zu küssen, aber so nachweisbar genau wusste das keiner.