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Kurzbeschreibung

[Texte: Roland Widder …]


An die Kunst werden höchst unterschiedliche Erwartungen gestellt. Sie soll Fantasien und Wünsche befördern, Erinnerungen wecken, Wissen vermitteln, ästhetische Genusserlebnisse auslösen und vieles mehr. Erst wenn ein Kunstwerk dieses und Ähnliches in uns weckt, entsteht der Wunsch, sich dauerhaft damit zu umgeben und es vielleicht auch käuflich zu erwerben. Aber warum sollte der Kauf von Kunst mehr Glück bereiten als jegliche andere Erwerbung und kann es sein, dass eine solche Leidenschaft überhaupt dauerhaft bestehen bleibt? Hat nicht finanzieller Wohlstand die Macht, einen größeren Möglichkeitsraum zu eröffnen? Immerhin lässt sich Geld in so viel Verschiedenes verwandeln. Aber ist es das Mittel um alle Wünsche zu erfüllen? Selbst wer sehr viel davon hat, kann an einem Mangel an Lebenssinn leiden. Birgt Kunst vielleicht Qualitäten, die nicht käuflich sind? Was ist das Besondere im Vergleich zu anderen Gütern? „Wir weilen bei der Betrachtung des Schönen, weil diese Betrachtung sich selbst stärkt und reproduziert“, schreibt Kant in seiner „Kritik der Urteilskraft“. „Sie wahrzunehmen wirkt befreiend und belebend und macht Lust auf noch mehr Beschäftigung mit dem Schönen.“ Aber welche Funktion hat eine Kunst, die hässlich ist, irritiert und provoziert? Liegt ihr Zweck dann in einer politischen und gesellschaftskritischen Dimension? Haftet nicht der Kunst durch ihre Offenheit und Vieldeutigkeit auch etwas Transzendentes an? Das Göttliche zu sehen, über die menschliche Beschränktheit hinaus Unendlichkeit zu erfahren, wäre eine weitere Erklärung, warum sich viele Menschen mit Kunst beschäftigen. Doch aufkeimender religiöser Zweifel und wirtschaftliche Ungewissheit in Krisenzeiten lösen Revisionen über ihren Stellenwert und das Verständnis für sie aus. Es liegt an Ihnen, das besondere „Vermögen“ von Kunst zu sehen, herauszufinden, ob Ihr Interesse geweckt wird und was die Betrachtung in Ihnen bewirkt.

Unser Beitrag zu dieser Erkundung stellt vorliegender Herbstkatalog dar, den wir Ihnen auch heuer wieder mit großer Freude präsentieren. Unter dem Titel „Expressiver Realismus“, der sich in der kunsthistorischen Literatur als Schlagwort für den Stil der um 1900 geborenen Künstler eingebürgert hat, lassen sich auch die Werke der in unserem Katalog vertretenen Maler einordnen. In ihren Bildern bleiben sie dem Gegenstand verpflichtet, verfremden jedoch das Gesehene und wirken auf diese Weise an der Herausbildung der Österreichischen Moderne mit.

Diese progressiven Kräfte versammelten sich vor allem im Wiener Hagenbund, der in den zwanziger und dreißiger Jahren zur fortschrittlichsten österreichischen Künstlervereinigung avancierte. Mit Arbeiten von Robin Christian Andersen, Josef Floch, Karl Hauk, Oskar Laske, Georg Mayer-Marton, Maximilian Reinitz, Otto Rudolf Schatz, Heinz Steiner und Erwin Stolz ist dieser Künstlerbund prominent in unserem Katalog vertreten. Herbert Gurschner und Alfons Walde geben einen Einblick in das Tiroler Kunstschaffen der Zwischenkriegszeit, während die Werke der aus Österreich emigrierten Künstler, wie Willy Eisenschitz, Oskar Kokoschka, Albert Reuss, Trude Waehner und Max Oppenheimer, im internationalen Kontext Bedeutsamkeit erlangen. Drei Arbeiten von Giselbert Hoke schließen an unsere Ausstellung im Frühjahr an und spannen den chronologischen Bogen bis zur Jahrtausendwende. […]

(Claudia Widder und Roland Widder)