Warenkorb
0€ 0

Die Kompositionen der Brüder Johann und Josef Schrammel · Band 2: Die Walzer

Johann & Josef Schrammel, Walter Deutsch

ISBN: 978-3-99126-155-1
30 x 21 cm, 360 Seiten, zahlr. S/W-Abb., Notenbeisp., Hardcover; Text dt., Einf. auch in engl. Spr. / Beigefügt: 2 Audio-CDs
€ 40,00
Neuerscheinung

In den Warenkorb

Leseprobe (PDF)

Top 10 im Webshop:

1. Niklas Perzi et al.: Nachbarn
2. Hans-Peter Falkner: 890 gstanzln
3. Thomas Rammerstorfer et al.: Kampf um die Traun
4. Isabel Natter: dumpelchen geht schritt für schritt
5. Franzobel: Adpfent
6. Tamara Gillesberger: Hausapotheke für Energiearbeit
7. Rosa Kurzmann: Katz aus!
8. Franz Josef Stangl: Klosterzögling
9. Robert Streibel: Krems 1938–1945
10. Isolde Fehringer et al.: Der kleine Tollpatsch Bummbumm


Kurzbeschreibung

[Nach der Sammlung Lois Böck ediert, ergänzt und kommentiert von Walter Deutsch.
Mit historischen Tondokumenten (Klassisches Wiener Schrammelquartett – ORF-Landesstudio Wien, Österreichische Phonothek, Philharmonia-Schrammeln, Schelllack-Plattensammlung Ernst Weber) und aktuellen Einspielungen (Divinerinnen, Neue Wiener Concert-Schrammeln, Trio Rittmanmsberger-Soyka-Havlicek, Wiener Thalia Quartett).
Engl. introduction: Douglas Montjoye.
Red. Betreuung: Erika L. Sieder.
Melodien-Incipit: Sabine Scheybal.
CD-Herstellung: Sabine Scheybal u. Gerald Visjager.]


„Die Walzer“ der Brüder Johann und Josef Schrammel waren Teil der Musikkultur Wiens und begeisterten Handwerker, Händler, Klein- und Großbürger ­sowie den Adel der Stadt gleichermaßen. Wie bereits in Teilband 1 „Die Märsche“ stellt der Autor falsche Zuschreibungen richtig, erschließt die Bedeutung dieser Kompositionen im ausgehenden 19. Jahrhundert und zeigt anhand historischer wie aktueller Interpretationen die Qualität dieser musikalischen Schöpfungen.


Der Anstoß für das editorische Unternehmen war die Begegnung mit dem Wiener Symphoniker Lois (Alois) Böck (1911–1989) im Jahre 1965. Dessen Suche nach den Handschriften der Brüder Johann und Josef Schrammel führte zu bisher unbeachteten Quellen und zur Erstellung eines Verzeichnisses ihrer Kompositionen, und nun – knapp zwei Jahre nach dem Erscheinen des ersten Teilbandes „Die Märsche“ – liegen „Die Walzer“, als Teilband zwei der geplanten Gesamtausgabe der Werke von Johann und Josef Schrammel vor. Die Darstellung im Spiegel der Zeitgenossen durch historisch legitimierte Berichte und Illustrationen ist gleichzeitig das Abbild eines bedeutenden Abschnitts der Musikgeschichte Wiens.
Der geltende Anspruch eine Musiker-Gesamtausgabe nur unter Berücksichtigung „eines möglichst authentischen Werktextes auf der Basis aller erreichbaren Quellen“ ist für „Die Walzer“ in noch geringerem Maße zu erfüllen, als dies bereits für „Die Märsche“ nicht möglich war. Das Werk der Brüder Schrammel ist zu einem großen Teil nur in Abschriften fassbar. Es ist verstreut und unvollständig in Archiven, Bibliotheken, Sammlungen und Zeitschriften aufbewahrt. […] Deshalb sind in der vorliegenden Dokumentation auch jene Walzer enthalten, welche als verschollen zu sehen sind.
Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Wissen über das kompositorische Werk der Brüder Schrammel geprägt von den Klavierausgaben deutscher und österreichischer Musikverlage, von gedruckten Ausgaben für „Schrammelquartett“ und von zahlreichen, handschriftlichen Quartett-Noten meist anonymer Schreiber. Erst durch das 1964 wiedererwachende Interesse an den Handschriften der Brüder Schrammel, verbunden mit der Suche nach bisher unbeachteten Kompositionen und der klanglichen Wiederherstellung des Original-Satzbildes, beginnt die wissenschaftliche Beschäftigung.
Die Darstellung jeder einzelnen Komposition erfolgt – wie bei den Märschen – als individuelles Werk vor dem Hintergrund historischer Persönlichkeiten und Ereignisse, welche das geistige und materielle Umfeld der Brüder Schrammel bildeten. Biographische, kulturelle, soziale und wirtschaftliche Dokumente sowie zeitgenössische Berichte ergänzen jede einzelne Komposition und sind gleichsam Maßstab ihrer Bedeutung im Musikleben der Wiener Gesellschaft. […]
Die Suche nach den Werken der Brüder Schrammel bei deren Nachkommen, in öffentlichen Musikbibliotheken, bei Sammlern und Wiener Musikanten erbrachte eine erste Übersicht über die gedruckten und handschriftlich verfügbaren Kompositionen, sowie Stimmenmaterial in Abschriften und Bearbeitungen. Unter Ausscheidung falsch zugeschriebener Kompositionen sind folgende Musikgattungen zu nennen, welche in unterschiedlicher Anzahl von Lois Böck aus verschiedenen Quellen stammend, gesammelt und geordnet wurden:
Walzer, Marsch, Mazurka, Polka française, Polka schnell, Galopp, Konzert- und Charakterstücke, Wiener Tänze (Weana Tanz), Lied und Couplets.
Stilistisch zählen diese Kompositionen zu jener Unterhaltungs- und Tanzmusik, welche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein prägender Teil der kulturell blühenden Residenzhaupstadt Wien ist. […]
In der Geschichte der Musik in Wien nehmen die Walzer der Brüder Johann und Josef Schrammel mit ihrem Quartett eine Sonderstellung ein. Am Höhepunkt des musikalischen Schaffens im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts werden Tanz- und Unterhaltungsmusik zur dominierenden Gattung im gesellschaftlichen Kulturleben der Stadt. Im öffentlichen Diskurs wird das Konzertwesen gegenüber dem Interesse an den täglichen Neuerscheinungen von Tänzen und Märschen zurückgedrängt.
Bejubelt wurden nicht die Kompositionen von Anton Bruckner und Johannes Brahms, sondern jene von Johann Strauss Sohn und seiner stilistisch gleichgestimmten, komponierenden Zeitgenossen. Kleine und große Streichorchester reproduzierten in Gaststätten, Hotels und Konzertsälen die Fülle des verfügaren und täglich sich erweiternden Repertoires. Die hochentwickelte Ballkultur und die breitgefächerte Unterhaltungsszene verlangten stets nach Neuem. In dieser schöpferischen Grundstimmung bildete der Walzer die zentrale Tanzform, der jeder Komponist mit seinen eigenen, stilsicheren Varianten verpflichtet war.
Auch die Brüder Schrammel waren komponierende Teilhaber dieser – euphorisch im Walzertakt zu bezeichnenden – Zeitspanne:
Das Quartett der Brüder Schrammel, bestehend aus zwei Violinen, Klarinette (später Wiener Harmonika) und Kontragitarre, hat sich seit den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts in Wien zu einem originellen Instrumental-Ensemble des volkstümlichen Musizierens entwickelt und gefestigt. Mit ihrem Quartett bildeten die Brüder Schrammel den letzten Höhepunkt einer langen Kette wienerischer Spielart mit kompositorischem Eigenwert. Ihre Walzer entstammen der nie zu ergründenden Klang- und Melodienwelt Wiens und reihen sich ein in die zur Geschichte gewordene Kategorie „Wiener Musik“. Namen und Titel ihrer Kompositionen spiegeln die Gesellschaft, in der die „Schrammeln“ in ihrer Zeit künstlerischer Mittelpunkt waren.
Bedeutung und Beliebtheit der „Schrammel-Musik“ im internationalen Musikleben bis heute zeigt deren Präsenz im Konzertleben – ob im Bockkeller, Konzerthaus oder Musikverein in Wien, bei der „Schubertiade“ in Hohenemsm in Japan, London, Paris oder Quebec – auf unterschiedlichsten musikalischen Internet-Plattformen sowie die Vielzahl an aktuellen Tonträgern.

(Walter Deutsch in der Einführung)