Schiffe aus Korneuburg
Aufstieg und Untergang einer Werft
Herbert Starmühler
ISBN: 978-3-99126-234-3
21,5×24,5 cm, 124 Seiten, zahlr. S/W-Abb., fadengeheftetes Hardcover
34,00 €
Lieferbar
In den Warenkorb
Leseprobe (PDF)
Kurzbeschreibung
Die Schiffswerft Korneuburg war einst ein herausragender Industrie betrieb. Generationen von Familien lebten von der Arbeit in den Bauhallen, hunderte Bäcker, Tischler und Gastwirte aus dem ganzen Bezirk profitierten von der Werft. Doch die Dinge haben sich geändert – und ändern sich weiter. Aus dem Industrieareal an der Donau ist eine Ruine geworden und eine sommerliche Party-Location.
Herbert Starmühler, Journalist und Fotograf, zeigt anhand historischer Ansichten und eigener Fotografien die Metamorphosen der berühmten Schiffswerft. Es sind Aufnahmen der Prosperität und des Verfalls. Zusammen mit Erzählungen ehemaliger Werftbeschäftigter ergibt sich daraus eine Gesamtschau zu diesem außergewöhnlichen Ort.
Ein Industrie-Denkmal stirbt. Die Schiffswerft in Korneuburg gibt es nicht mehr. Geschlossen, verlassen, verloren. So präsentierte sich mir das Areal an der Donau. Seit Jahrzehnten dümpelt es vor sich hin. Viele Wiederbelebungsversuche scheiterten, Investoren kamen und gingen, innovative Visionen versprühten ihre Kraft innerhalb weniger Monate.
Doch bei genauerem Hinsehen erkennt man: Dieses Areal kann gar nicht sterben, die vielen Ideen, die clevere Schiffbauer hier umgesetzt haben sind zwar perdu, verloren für das Heute. Aber die Kraft der Hallen und der Männer und Frauen, die hier gearbeitet haben, wirkt weiter. Nicht zuletzt, weil der Denkmalschutz die letzten steinernen Zeitzeugen gerettet hat, einige Hallenbereiche und den markanten Werftkran.
Diese Werft, 1852 gegründet, wird noch lange weiter bestehen. In der jüngsten Vergangenheit sind die Pläne privater Eigentümer zusammen mit der Stadtgemeinde Korneuburg weit gediehen, eine Wohnstadt am Wasser könnte entstehen.
Um den Status quo der Objekte und der Details zu dokumentieren, bin ich in den Jahren 2021 und 2022 mit der Kamera oftmals vor Ort gewesen. Einige der Aufnahmen sind als vollformatige Stimmungsbilder im Buch abgedruckt.
Dazu kamen die Aufnahmen, die Fotografen vor vielen Jahrzehnten gemacht haben, und die der Korneuburger Museumsverein gesammelt hat (und bei jährlichen Hafenfesten in Ausstellungen zeigt). Otto Pacher, der dies federführend besorgt, war selbst viele Jahre in der Werft beschäftigt. […]
(Herbert Starmühler im Vorwort)
Rezensionen
Thomas Hofmann: [Rezension]Herbert Starmühler, seines Zeichens Journalist und Fotograf, zeigt in dem Bildband mit eigenen SW-Foto und historischen Aufnahmen die Geschichte vom Aufstieg und (Ver-)Fall der berühmten Schiffswerft in Korneuburg vor den Toren Wiens. Die Geschichte der Werft, von der fast jede/r schon gehört hat, aber kaum mehr weiß, dass das Schulschiff bei der Floridsdorfer Brücke in Wien der letzte Auftrag war, wird mit dem Buch wieder lebendig. Beim Durchblättern zeigt sich die Vielfalt der hier gebauten Schiffe, wobei es auch Zeiten gab, wo man hier auch Stahlkessel für Eisenbahnwaggone oder Tretboote baute.
In zehn Kapiteln durchmisst Starmühler die Geschichte der Werft, die in der k. & k. Zeit im 19. Jahrhundert beginnt und mit den Kapiteln „Party-Location? Wohnstadt? Luxus-Stadtteil?“ und „Erinnern, Bewahren, Erneuern“ im 21. Jahrhundert endet. Diese Zeitreise, die durch verschiedene politische Regime führt, von wechselnden Besitzern geprägt ist, zeigt das stete Auf und Ab, führt zu Sternstunden, aber auch zu bitteren Momenten. Der traurigste war wohl die Verkündigung der endgültigen Schließung der Werft am 25. Februar 1993, getoppt wurde dieser Tag nur noch vom 1. Dezember 1993, als Anlagen und Maschinen versteigert wurden.
Fazit: Trotz des traurigen Endes erfüllt einen die Lektüre des Buches auch mit Stolz, wenn man etwa verfolgt, wo die Korneuburger Schiffe verkehren. Sie fahren in den Gewässern der ehemaligen Sowjetunion ebenso wie in Griechenland oder Nigeria. Auch die Palette der Schiffstypen ist breiter, als man annehmen würde, neben Passagierschiffen baute man Hochseefischereischiffe, Eisbrecher, Pontone, Räumschiffe, Güterkähne und auch einen Schwimmkran.
(Thomas Hofmann, Rezension in Das Waldviertel. Zeitschrift für Heimat- und Regionalkunde des Waldviertels und der Wachau, 75. Jahrgang, Heft 1/2026, S. 105)