Randfiguren
Erzählungen
Johano Strasser
ISBN: 978-3-99126-350-0
19×12,5 cm, 128 Seiten, Hardcover
18,00 €
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Kurzbeschreibung
Bei der Kurzgeschichte ist das Nichterzählte ebenso wichtig wie das Erzählte. Keine andere Literaturgattung ist so sehr auf die Mitarbeit des Lesers angewiesen. Der Leser muss an vielen Stellen die Lücken, die der Autor bewusst gelassen hat, mit seiner eigenen Imaginationskraft füllen. Vielleicht erfährt er auf diese Weise, dass nichts im Leben ein für alle Mal so und nur so ist und dass er selbst seinen Anteil daran hat, zu bestimmen, wohin die Dinge sich entwickeln. Und dass auch er selbst nicht unberührt und unangetastet immer nur der bleibt, der er ist oder der er zu sein glaubt, wenn er sich mit offenen Sinnen auf den Text einlässt.
Rezensionen
Astrid Amelungse-Kurth: Ein literarisches Schatzkästchen„Tanker im Starnberger See. Polizei steht vor eine m Rätsel.“ Ein Spaziergänger hat das Ungeheuerliche entdeckt. „Aber weil kein Bild in den Medien zu sehen war, hielten sich die Zweifel an der Meldung.“ Kameraleute rücken an, machen Aufnahmen, aber als man das Filmmaterial im Sender schneiden will, „stellte man fest, dass von der vermeintlichen Sensation nichts zu sehen war“. Eine irre Kurzgeschichte ist das, die unter dem Titel „Der Tanker“ im neuen Band „Randfiguren“ des Berger Schriftstellers Johano Strasser zu lesen ist. Ein literarisches Schatzkästchen liegt da vor, mit feinen Geschichten, in denen Strasser zu einer Dichte und Intensität findet, die bisweilen an Kleist denken lässt. Und damit ist die Latte hoch gehängt.
Die Kurzgeschichte ist der Ingwer-Shot der Literatur: klein und wirkungsvoll, ein Wachmacher und Gedanken-Booster und überaus gesund“, liest man bei der Akademie des Schreibens. Johano Strasser schreibt, dass Kurzgeschichten als Genre „vom Literaturbetrieb meist gar nicht mehr wahrgenommen“ werden. Zu lesen ist das im Vorwort ausgerechnet zu einem Buch, in dem er zur Shortstory gefunden hat. Für den Leser ist das höchst vergnüglich. Die Verdichtung tut seiner Prosa gut und so liest man die Kurzgeschichten atemlos und taucht emotional tief ein.
Da kann es dann auch mal recht ungemütlich werden. Wie in „Nachtwind“, einer Geschichte, die von einem alten Mann erzählt, der von seiner Tochter in seinem Zimmer eingesperrt wird, damit er nicht wegläuft. Er beugt sich dem, da „ich alles habe, was ich brauche, wo ich sicher bin“. Doch die Stimmung kippt: „Kaum dass sie gegangen ist, umfängt mich die Stille, zerrt an mir, zieht mich hierhin und dahin, wie ein riesiger Schlund saugt sie mich an, ich will nicht, ich kralle mich an den Rand des Bettes, stemme die Füße gegen den Boden, (…) halte den Atem an, zwei, drei Minuten nur der Schlag meines Herzens, ein dumpfes Pochen, warum schlägt es so schnell? Ich muss ruhiger werden.“ Wenn das nicht die richtige Lektüre für dunkle, schaurige Winterabende ist. […]
([ak], Rezension im Starnberger Merkur [Lokalzeitung des Münchner Merkur] vom 15. Dezember 2025)