Paradiesnebel
Marielis Seyler
ISBN: 978-3-99126-406-4
30×20,5 cm, [64] Seiten, zahlr. farb. Abb., fadengeheftetes Hardcover
24,00 €
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Kurzbeschreibung
WENN ICH IN MEIN INNERES BLICKE
werde ich von dunklen Wänden geblendet
sie versperren mir den Weg
zum glücklichen Erkennen
Schmelzende Eisberge
glühende, sprühende Vulkane
sind zwischen uns
und verhindern den Zugang
zu unseren Seelen
Dunkle Wolken, einsame
Bäume – eiserne Stille
nur mein Herz steht in Flammen
Marielis Seyler ist ruhelos – auch wenn ihre Kunstwerke oft zur Kontemplation und stillen Betrachtung anregen. Die Künstlerin ist stets im Tun und erschafft neue Werkserien, setzt Ausstellungsprojekte um, produziert Kunstkataloge. Nun erscheint „PARADIESNEBEL“, der hier vorliegende, feine Bildband, in dem sie eine Auswahl ihrer Werke mit zarten, selbst geschriebenen Gedichten in Dialog setzt.
„PARADIESNEBEL“ gibt nur einen kleinen Einblick in Seylers Werk, doch auch hier sind ihre Grundthemen erkennbar: der spannungsvolle Dialog von schöpferischer Weiblichkeit und unmittelbarer Naturerfahrung – umgesetzt in einem visuell packenden Bilderkosmos, der berührt, aber auch sensibilisiert und zum Nachdenken verführt. Die Künstlerin zeigt uns Bildnisse von Frauen jenseits kunsthistorischer Klischees und findet zu ikonischen Motiven, die eindrucksvoll die Stärke und Fragilität von Natur und Mensch wie auch von Schönheit und Vergänglichkeit versinnbildlichen. Schlicht inszeniert und doch überaus wirkungsvoll gelingt es ihr, dem dokumentarischen Charakter der Fotografie zu entkommen und in die Bilder etwas Märchen- wie Rätselhaftes zu legen, das sich einer eindeutigen Interpretation entzieht.
(Günther Oberhollenzer)
[artedition · Verlag Bibliothek der Provinz] \
[Mit einem Vorwort von Günther Oberhollenzer]
Rezensionen
Gregor Auenhammer: Fragilität des Seins„Glitzernde, schrille Pfeile / schlagen dumpfe Krater in graue Hirne, / sie bäumen sich auf und / zerfallen in schwingende Teilchen, / die sich als unauffällige Schmetterlinge / in die Seele senken“ folgt als kleine Randnotiz auf ein sphärisches, seltsam schwindendes, verwunschenes Bild eines ganzen Schwarms von blassen Schmetterlingen. „Wir haben uns von der Liebe verabschiedet“, steht in großen Lettern davor. Marielis Seyler legt uns einen Bildband vor Augen, der einen inmitten der Ära der Reizüberflutung, inmitten der Über-Visualisierung nicht überfordert. Die 1942 in Wels geborene Absolventin der Graphischen beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Dualität der Themen „Natur“ und „Frau“. Studien und Erkenntnisse hat sie weltweit gesammelt; in Tokyo, München, Barcelona, Paris, Chicago, Bologna, Köln. Heute lebt sie in Wien und Neulengbach. Der durch den Menschen in seiner Unachtsamkeit und Ignoranz von Zerstörung bedrohte Planet Erde in unterschiedlichsten Facetten ist Schauplatz ihres zarten Bildbandes Paradiesnebel, geschichtet aus Worten und Blicken. Die Fotografie ist stets Basis ihrer Arbeiten, aber in den seltensten Fällen das finale Ergebnis. Sie bearbeitet die Fotoprints, zerkratzt sie, setzt sie der Witterung aus, lässt sie in der Sonne ausbleichen, schüttet Kaffee, Tee oder Wein darüber. Sie verfremdet das Augenscheinliche und verwandelt es in etwas Subjektives, Einzigartiges. Dadurch wird die Fragilität des Seins luzide, die Vergänglichkeit, die Zerbrechlichkeit.
(Gregor Auenhammer, Rezension im STANDARD-Feuilleton „Album“ vom 23. Mai 2026, S. A 6)
https://www.derstandard.at/story/3000000321268/buchtipps-der-woche-ein-queerer-klassiker-ein-badland-thriller-und-paradiesnebel