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Schifffahrt nach Tarockanien

Der Wiener Neustädter Kanal · [49 Abbildungen nach Photographien]

Gerhard Trumler

ISBN: 978-3-99126-445-3
27×27 cm, 88 Seiten, zahlr. farb. Abb., Hardcover
28,00 €
Lieferbar

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Kurzbeschreibung

… Ja, ja, mein Lieber, jetzt tschundern’s im Mystischen umeinand, we ein Butterbrocken auf einer heißen Kartoffel!

Zwischen der ehemaligen Ersten Wiener Filzfabrik in Riedenhof und dem Dorf Achau im nördlichen Wiener Becken, geschieht es, dass über eine steinerne Brücke ein Fluss über einen anderen fließt, dabei ein Bach daraus nach links abzweigt und wiederum ein anderer Bach kurz darauf von rechts einmündet. Zweifel steigen auf, ob es nicht etwa die Schwechat wäre, welche hier in die Triesting fließt, oder ob es die Triesting ist, die in der Mödling endet, oder ob vielleicht alle drei in den Mühlbach münden, der einst die mächtigen unterschlächtigen Wasserräder der Fabriken zwischen Achau und Lanzendorf bewegt hatte.
Gar nicht weit von diesem geheimnisvollen Platz beginnt, von einer Pappelallee begleitet, in einer sanften Biegung der Torso des Wiener Neustädter Kanal.

Wie in einem Theaterstück von Herzmanovsky-Orlando tritt er auf, ist plötzlich da, hinter dem Magazin des Bahnhofs von Biedermannsdorf, nahe dem kaiserlichen Park von Laxenburg. Der Kanal! Jeder hat schon einmal von ihm gehört, aber wie wenige kennen ihn wirklich? Ödenburg/Sopron und Wien sollte er dereinst mit Triest verbinden, Innerösterreich mit dem Adriatischen Meer, ja eine Planvariante sah sogar vor, den Kanal zwecks Wasserversorgung durch die Adelsberger Grotte zu führen! Was also läge näher, als der Verdacht, dass dort, in dieser verzweigten Tropfsteinhöhle eine weitere tarockanische geheime Bahndirektion errichtet hätte werden sollen, verbunden mit einem unterirdischen Bahnhof, ähnlich dem von Freienfeld – St. Superan im nordöstlichen Tarockanien, welcher sodann bequem per Kanalschiff erreichbar gewesen wäre. Aber dazu ist es nie gekommen: 1803 war Endstation – in Wiener Neustadt!

Derjenige Teil des Kanals, welcher vom Hafenbassin am Invalidenhaus beim Hauptzollamt auf der Landstraße in Wien nahe dem alten Stubentor, über den Aspangbahnhof führte, dessen Bau er schlussendlich zum Opfer fallen sollte, weiter über Simmering und die St. Marxer Linie, bis nach Biedermannsdorf, ist lange schon zugeschüttet. Die alte Kanaltrasse decken heute Bahngleise und Straßen, Wohnhäuser und Gärten, und nichts als ein Straßenname – Am Kanal – erinnert mehr daran, dass dort, wo heute mächtige Züge auf eisernen Pfaden eilig dahindonnern, einst zierliche Schiffe von Pferden gemächlich durch das glitzernde Wasser gezogen wurden.

An den Gleisen der alten Aspangbahn entlang verläuft der Kanal unter der Autobahn hindurch nach Guntramsdorf, das er als romantischer Bach durchquert. Von ernsten Weiden und hellgrünen Holundergebüschen fast überwachsen, eine Idylle, die einzig durch den strengen Geruch der Abwässer gestört wird, welche der Kanal hier aufnehmen muss.

Hinter der Kreuzung mit der Triester Straße zieht sein Bett schnurgerade im Schatten von Pappeln und des Anningers bis Tribuswinkel, ein Ort, dessen Name vielleicht verbunden ist mit einem ehemaligen Weinkeller eines gewissen Herrn Triban – Tribanys Winkell. Fabrik reiht sich hier an Fabrik, viele von ihnen sind die stattlichen Nachfolger der ehemaligen kleinen Wassermühlen, und alle kehren sie dem Kanal, ihrem Lebensspender, die Rückseite zu. Karpfen springen über die Wasseroberfläche, wahrscheinlich bleibt Ihnen in diesem Schmutzwasser die Luft weg, doch unbeirrt warten an den Ufern die Fischer geduldig auf ihre Jagdbeute.

Treu begleitet eine Starkstromleitung den Kanal, und viele der Strassen überqueren ihn immer noch auf den alten, ziegelgewölbten bogigen Brücken, deren offensichtliche Gebrechlichkeit wohl durch die massiven Eisenklammern hintangehalten werden dürfte. Zwischen sechs und zehn Meter breit ist der Wasserlauf, wieder und wieder eingeengt und unterbrochen von den gut zwei Meter breiten Schleusenkästen. Zweiundfünfzig dieser Schleusen haben den Höhenunterschied von über einhundert Metern ausgeglichen, herunter von Wiener Neustadt nach Wien am Donaustrom, und so für eine mehr als geruhsame Schifffahrt gesorgt.

°) Anmerkung: Die Fließrichtung des Wassers bewegt sich von Wiener Neustadt hinab nach Wien – entgegen unserer Wanderung!

(Gerhard Trumler)




[Enthält: Gerhard Trumler, Essay »Schifffahrt nach Tarockanien« & Collage »Eisenbahnfahrt nach Tarockanien« /
Außerdem: Fritz von Herzmanovsky-Orlando, »Maskenspiel der Genien« /
Sowie Auszüge aus dem Wikipedia-Artikel zur Geschichte des Wiener Neustädter Kanals] |
[Idee – Entwurf – Gestaltung: Gerhard Trumler] \
[Edition Portfolio]

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 



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