Teufelsmühle
Granitlandschaften im steinernen Himmelreich Waldviertel
Gerhard Trumler
ISBN: 978-3-99126-446-0
27×27 cm, 108 Seiten, zahlr. S/W-Abb., Klappenbroschur
28,00 €
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Kurzbeschreibung
«In Steinen ist die Welt angehalten, ist die Zeit angehalten. Sich in sie zu versenken, das ist vielleicht schon der gefundene Stein der Weisen».
(Rainer G. Schmidt, über Roger Callois’ «Die Schrift der Steine»)
Die großen Steine des Waldviertels, scheinbar willkürlich in die Landschaft geworfen, moosüberwachsen oder kahl und seltsam gegliedert. Mächtig erscheinende und dabei labile Wackelsteine, Felsgebilde von statischer Wucht, anrührend grazil oder wunderbar monströs, haben immer schon die Einbildungskraft der Menschen gefordert, die in diesen vielfältigen Gestalten Figuren, Menschen, Tiere wohl aber auch übersinnliches, Unheimliches, Himmlisches oder Teuflisches zu erkennen glaubten. Zahllos sind die Teufelsmauern und Hexensteine. Ungemein stärker aber wirken diese zeitlosen Riesen durch ihre ruhige Kraft, durch ihre erhabene Stille, und gerade hier fällt es leichter, als anderswo, Gedanken sammeln, sie aufblühen zu lassen, staunend Schöpferisches entstehen zu fühlen, es wachsend zu erleben, in neuer, ungeahnter Intensität und Komplexität.
Steine sind verdichtete Vergangenheit. Sie entstanden Äonen vor unserem Leben. Vor Jahrtausenden, vor Jahrmillionen und wurden für uns zum Symbol der Zeitlosigkeit, zum absoluten Gegenbild unserer eigenen Welt von Wachsen und Vergehen.
Seit vielen Jahren beschäftigt sich Gerhard Trumler mit den Steinen «seines» Waldviertels. Er sieht sie mit dem lebendigen «inneren Auge» seiner Phantasie, als anthropomorphe Wesen, die aus den Nebeln des uralten geheimnisvollen Dämmerns in den Wäldern des Waldviertels auftauchen. Doch er sieht sie auch mit den wachen Augen des Bildkünstlers, und sogleich verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Imagination, zwischen Natur und Kunst, denn erst diese Photographien von Gerhard Trumler machen möglich, was nur im Angesicht des Wesentlichen geschehen kann: Das bescheidene Zurückweichen des «Ich» vor etwas Größerem, und gerade dies bedeutet ein Zeichen der Demut vor der Ewigkeit.
DER PHOTOGRAPHISCHE KOSMOS DES GERHARD TRUMLER
Über die Felsenbilder von Gerhard Trumler zu sprechen hiesse, «Granitsteine ins Waldviertel zu tragen». Es braucht nicht besonders erwähnt zu werden, welch unzählige Publikationen er erarbeitet, wieviele Ausstellungen er weltweit gestaltet hat, und er ist auch sicherlich vollkommen überzeugt davon, dass man die Welt nur über die Photographie erfahren kann.
Wenn wir sein Werk betrachten, welches der «traditionellen», der analogen Photographie treu geblieben ist, so ist diese, seine Botschaft die «Beglaubigung der Existenz des Dargestellten».
Gerhard Trumler gehört einer Photographen Generation an, die gerade noch einen «Zipfel» dieser wunderbaren, der verschwindenden «traditionellen» Photographie für sich gerettet hat.
Natürlich ist er ein «Augenmensch», denn sonst hätte er in seinem Leben nie eine solch wunderbare Symbiose der Photographie mit seiner Persönlichkeit zu realisieren vermocht. Er ist ein Künstler, der eine weitere Dimension der Photographie verinnerlicht hat, nämlich, dass die Photographie unsere Welt viel weniger «abbildet», als «herausbildet». Er hat, wie kaum ein anderer Photograph seiner Generation in Österreich, begriffen, dass die Photographie «per se» eine Maschine ist, welche die Möglichkeit impliziert , etwas sichtbar zu machen, das wir mit blossem Auge oft gar nicht wahrnehmen, auch wenn es direkt vor unseren Augen steht.
Wenn man seine einzigartigen Bilder betrachtet, erkennt man die ungeheure Dichte dieses Œuvres, wie auch die starken Akzente, mit denen er seine Bilder für uns entschlüsselt. Gerhard Trumlers Photographie halte ich deshalb für so wichtig, weil er sich mit der Realität auseinandersetzt, und uns seine Botschaft zugänglich macht, indem er sie heraushebt, aus der rasenden Bilderflut, die uns rettungslos mitreisst, und wir darin einzelne Bilder überhaupt nicht mehr wahrnehmen können.
Dies ist eine der grossen Leistungen im Werk des Photographen Gerhard Trumler.
(Mag. Carl Aigner, Direktor des Niederösterreichischen Landesmuseums Sankt Pölten)
[Photogr.: Gerhard Trumler | Texte: Imma von Bodmershof, Roger Gallois, Adalbert Stifter, Karel Klostermann u.a.] /
[Idee – Entwurf – Gestaltung: Gerhard Trumler] \
[Edition Portfolio]