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Familie Oser

Die Kremser Buddenbrooks

Robert Streibel

ISBN: 978-3-99126-160-5
24×17 cm, 256 Seiten, zahlr. z.T. farb. Abb., graph. Darst., Kt., fadengeheftetes Hardcover
28,00 €
Neuerscheinung

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Leseprobe (PDF)



Kurzbeschreibung

Die Geschichte einer Kremser Unternehmerfamilie eröffnet ein Panorama bürgerlicher Aufbruchsstimmung vom späten 18. bis ins 20. Jahrhundert – und bietet überraschende Parallelen zu Thomas Manns „Buddenbrooks“.

Der Bogen spannt sich vom Erwerb einer Mühle über die Errichtung der ersten Dampfmühle und den Aufbau einer Maschinenfabrik bis zu sozialen Initiativen wie der Kinderbewahranstalt und kulturellem Engagement. Die Osers stehen für Innovationskraft, wirtschaftliche Vernetzung und deutschnationale Orientierung, die später in den Nationalsozialismus mündet.

Zugleich dokumentiert das Buch den Wandel einer Stadtlandschaft, die heute kaum mehr erkennbar ist. Mit überraschenden Details – wie dem Sängerfest, Plänen für eine elektrische Eisenbahn oder der legendären Kunstsammlung – wird Kremser Stadtgeschichte lebendig und in den Kontext europäischer Entwicklungen gestellt.


Rezensionen
Martin Kalchhauser: Familie gestaltete Stadt Krems mit

Die Osers bewiesen Unternehmergeist und soziales Engagement. Andreas Stippler gab Anstoß für Werk Robert Streibels.

Die Dominikanerkirche war der passende Ort der Prä­sentation eines Buchs über eine Familie, die die Stadt Krems durch mehrere Generationen hindurch prägte. „Familie Oser. Die Kremser Buddenbrooks“ lautet der Titel des Buchs, in dem der Kremser Historiker Ro­bert Streibel deren Geschichte beleuchtet.

Bürgermeister Peter Molnar würdigte das Faktum, dass die Osers die Geschichte der Stadt seit 1750 maßgeblich mitgestal­teten und sich ihr Handeln durch soziales Engagement ebenso auszeichnete wie durch Unternehmergeist.

Der Anstoß zum Buch war von Andreas Stippler und seiner Partnerin Regina Denk gekommen. Der bekannte Orthopäde ist ein weitschichtiger Verwand­ter der letzten Generation der Osers und gab bei der Präsenta­tion des Buchs persönliche Er­innerungen zum Besten. „Über die Familie wurde viel ge­schwiegen“, merkte er an und beschrieb aufgrund seiner Kindheitserinnerungen einige schrullige Begebenheiten.

Die Osers, die bis zum plötzlichen Zusammenbruch ihres Imperiums eine umfang­reiche Kunstsammlung besa­ßen, waren auch im Besitz des Werks „Der Guckkastenmann“ des bekannten Malers Martin Johann Schmidt (Kremser Schmidt). Dieses war im Besitz der Osers und kam nach Verkauf an einen Juden, Enteignung, Restitution und zweimaliger Versteigerung aus den USA nach Krems zurück. Es ist jetzt im Be­sitz Stipplers und wurde dem museumkrems zur Verfügung gestellt, ist dort ausgestellt.

Vorbildliches soziales Engagement für Krems
Autor Robert Streibel zeichnete ein eindrückliches Bild der Kremser Familie, die einigen äl­teren Semestern noch als Kohle­handlung Oser in Erinnerung ist. So errichtete einer der Osers eine Kaltbade-Duschanstalt im Bereich des heutigen Postam­tes. Später heizte er das dortige Wasser mithilfe seiner benach­barten ersten Kremser Dampf­mühle und sorgte für einen Rie­senandrang. Für eine „Kinder­bewahranstalt“ (Vorläufer des Kindergartens, Anm.) stellte er ein 10.000 m2-Grundstück zur Verfügung. Und dass 1853 seine Mühle abbrannte, war für ihn Anlass, sich der Gründung einer Feuerwehr zu verschreiben. Es entsprach der Geschäftstüchtig­keit, dass Oser Feuerwehrsprit­zen erzeugte und reparierte.

In die Geschichte ging einer der Osers als Initiator der ersten NÖ Landesausstellung in Krems ein. Bahnbrechend war auch die Errichtung des ersten Kremser Wasserkraftwerks nach dem Ersten Weltkrieg in Hohenstein (heute Stadtgemeinde Gföhl). Der große Traum von einer elektrischen Straßenbahn in Krems blieb jedoch unerfüllt …

Last not least lüftete Strei­bel das Geheimnis um den Untertitel des Buches („Budden­brooks“). So wie bei der Unter­nehmer-Familie in Thomas Manns Roman (Christian Bud­denbrook) gab es auch bei den Osers ein „schwarzes Schaf“ – denn auch hier „flüchtete“ ein Familienmitglied (Ferdinand Oser) nach Chile.

(Martin Kalchhauser, Rezension in der NÖN Ausgabe Krems Woche 26/2026, S. 8 f.)


https://www.noen.at/krems/geschichte-aufgearbeitet-familie-oser-gestaltete-die-stadt-krems-durch-generationen-mit-529231441


krems.at [offiz. Website d. Stadt Krems]: Familiengeschichte als Spiegel ihrer Zeit

Die Geschichte einer der prägendsten Kremser Unternehmerfamilien steht im Mittelpunkt des neuen Buchs von Historiker Robert Streibel. Im museumkrems wurde nun „Familie Oser. Die Kremser Buddenbrooks“ vorgestellt. Ein Werk, das den Aufstieg der Familie Oser vom 19. bis ins 20. Jahrhundert dokumentiert und dabei ein vielschichtiges Bild von Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Politik zeichnet.

Die Familie Oser prägte Krems über Generationen hinweg. Von der Mühle am Mühlbach über die erste Dampfmühle der Stadt bis zur Maschinenfabrik an der Ringstraße reichte ihr unternehmerischer Einfluss. Gleichzeitig engagierten sich Familienmitglieder für soziale Projekte, die Entwicklung der Stadt, das Kulturleben und den Ausbau öffentlicher Einrichtungen. Das Buch beleuchtet aber auch die politischen Widersprüche der Zeit und zeigt auf, wie deutschnationale Strömungen schließlich in den Nationalsozialismus mündeten.

„Die Geschichte der Familie Oser erzählt nicht nur von wirtschaftlichem Erfolg und Innovationskraft, sondern auch von den gesellschaftlichen Entwicklungen, die Krems geprägt haben. Gerade diese Verbindung von Unternehmertum, Kultur und Verantwortung macht das Buch zu einer wichtigen Lektüre für alle, die sich für die Geschichte unserer Stadt interessieren. Die Auseinandersetzung mit dem Kapitel des Nationalsozialismus ist dabei unerlässlich, denn für diese mörderische Ideologie darf in unserer Gesellschaft kein Platz sein“, betont Bürgermeister Peter Molnar. Bei der Präsentation verwies Molnar zudem auf die Bedeutung bürgerlichen Engagements für die Entwicklung einer Stadt. Die Familie Oser habe über Generationen hinweg wirtschaftliche Initiative mit sozialem Verantwortungsbewusstsein und Kunstsinn verbunden und damit Krems nachhaltig mitgestaltet.

Moderiert wurde der Abend von Kulturgemeinderätin Elisabeth Kreuzhuber, die die historische Bedeutung der Publikation hervorhob: „Robert Streibel gelingt es, anhand einer einzigen Familie ein faszinierendes Panorama der Kremser Stadtgeschichte zu zeichnen. Das Buch macht sichtbar, wie eng wirtschaftliche, kulturelle und politische Entwicklungen miteinander verflochten sind.“

Einen besonderen Bezug zum Veranstaltungsort stellte Kulturamtsleiter Gregor Kremser her. Die Familie Oser war über Jahrzehnte eng mit dem Museum verbunden, unterstützte dessen Aufbau und vermittelte zahlreiche Objekte an die Sammlungen der Stadt. Zudem präsentierte Josef Oser bereits vor genau 100 Jahren Teile seiner legendären Kunstsammlung im ehemaligen Dominikanerkloster. „Das museumkrems ist daher ein besonders passender Ort für die Präsentation dieses Buches. Die Geschichte der Familie Oser ist eng mit diesem Haus und den Sammlungen der Stadt verbunden“, so Kremser.

Einen besonderen Akzent setzt das Buch mit der Geschichte der bedeutenden Kunstsammlung von Josef Oser. Sie umfasste Gemälde, Grafiken und mittelalterliche Skulpturen von hoher Qualität. Einige Werke gelangten später in die Sammlungen des museumkrems und sind bis heute erhalten. Ein besonderes Kapitel widmet Robert Streibel dem Gemälde „Der Guckkastenmann“ von Martin Johann Schmidt, das über Umwege wieder nach Krems zurückkehrte und derzeit als Leihgabe im Museum zu sehen ist. Für Autor Robert Streibel ist die Familiengeschichte weit mehr als eine lokale Chronik: „Die Geschichte der Familie Oser zeigt, wie eng Fortschritt, gesellschaftlicher Wandel und politische Entwicklungen miteinander verbunden sind. Mich hat besonders fasziniert, wie sich an einer einzigen Familie die Hoffnungen, Leistungen, aber auch die Widersprüche einer ganzen Epoche nachvollziehen lassen.“

Zur Entstehung des Buches beigetragen haben auch der Kremser Orthopäde Andreas Stippler, ein Nachfahre der Familie Oser, und seine Lebensgefährtin Regina Denk. Ihre Recherchen und die Wiederentdeckung des Gemäldes „Der Guckkastenmann“ gaben den Anstoß für die umfassende historische Aufarbeitung.

(Bericht zu Robert Streibels Buch „Familie Oser: Die Kremser Buddenbrooks“ und zur Präsentation des Buches im museumkrems am 18. Juni 2026 erschienen auf krems.at, online veröffentlicht am 23. Juni 2026)


https://www.krems.at/news/news-detail?tx_news_pi1%5Bnews%5D=2460&cHash=aa90eea0d163d4f3f1224a851a20c93d


Gerhard Hofer: Die Buddenbrooks aus Krems

Lokalgeschichte. Eine Unternehmerfamilie eröffnet Einblicke in die Entwicklung des Bürgertums. Auch an Thomas Mann wird erinnert.

„Seit acht Monaten lebe ich im 19. Jahrhundert in Krems. Es hat etwas gedauert, bis ich mich in der Geographie zurechtgefunden habe“, schreibt der Historiker Robert Streibel in der Einleitung zu seinem neuen Buch. Was war der Sinn seiner Erkundungen in der Stadt, die er bereits erforscht hat? Er machte sich auf die Spuren einer Familie – bürgerliche, erfolgreiche Unternehmer, die Osers, die es heute noch in Krems gibt. Sie haben ihn beauftragt: Bring Klarheit in unsere Geschichte!

Der erste, Josef Oser, betrieb beim Kremser Hölltor Mitte des 19. Jahrhunderts eine Mühle. Die Familie wurde breit und breiter, man tut sich schwer, ihre Mitglieder auseinanderzuhalten, so viele Josefs! Ein Rosenzüchter, ein Seifensieder, ein Maschinenfabrikant, ein Kunstsammler und, was zu einer richtigen Dynastie gehört, ein Lebemann sind darunter. Die Osers erweisen sich nicht nur als wirtschaftlich innovativ und gut vernetzt, sondern auch sozial und kulturell engagiert, was zum bürgerlichen Selbstverständnis gehört. Sie gründen daher eine Kinderbewahrungsanstalt, kümmern sich um die Feuerwehr und ein Kremser Stadtmuseum und veranstalten Sängerfeste.

So viel Geschichte, die Robert Streibel hier bei seinem Durchmarsch durch einen Familienstammbaum ausbreiten kann, von einem beheizten Donauschwimmbad bis zum Plan für ein erstes österreichisches Einkaufszentrum. Damit hat er wohl selbst nicht gerechnet.

Parallelen in der Literatur
Man kann anhand einer solchen Familie viel darüber lernen, wie sich die politische Einstellung im österreichischen Bürgertum entwickelte. Stramm deutschnational gesinnt, lief man Polit-Fanatiker Georg Ritter von Schönerer hinterher. Die Perspektive wurde enger, der Antisemitismus ausgeprägter. Im NSDAP-Erfassungsantrag für den Kohlenhändler und Kunstsammler Josef Oser steht: „deutsch arische Sippe seit 1685 in Krems nachweisbar“. Die Goldidee kam Streibel, als er im Werdegang der immer wohlhabender werdenden Familie Parallelen zu Thomas Manns „Buddenbrooks“ entdeckte. Krems ist zwar nicht Lübeck, eine Mühle kein Kontor, doch unerwartet ergaben sich Gemeinsamkeiten: etwa einen Spross, der sich als regelbrechendes Sorgenkind erweist. Am Ende der „Buddenbrooks“ trauern nur noch Frauen, das letzte männliche Familienmitglied ist in einer Anstalt – wie der erfolglose Kaufmann Ferdinand Oser, der in einer Klinik landet. Man verfolgt die Spekulationsfreude des umtriebigen Historikers sehr gerne.

([G.H.], Die Presse, 19. September 2026, [S. 27?])


Buchkultur: [Rezension]

Die Beheizung des Donauschwimmbads, der Betrieb der ersten Dampfmühle, die Einführung des elektrischen Lichts in Krems oder die Errichtung der ersten »Kinderbewahranstalt« in der Stadt sind nur wenige Beispiele der enormen Errungenschaften der Osers. Nicht umsonst nennt man die Unternehmer/innen-Familie auch die Kremser Buddenbrooks. Die Familie vertrat zugleich nationalsozialistische politische Einstellungen. Zudem wurden Vornamen häufig an die nächsten Generationen weitergegeben, weshalb der Autor Epitheta verwendet, um den Werde- und Untergang der Familie nicht komplexer zu gestalten, als er ohnehin schon ist. Robert Streibel bringt Licht in die etwas undurchsichtige Vergangenheit einer der wohlhabendsten österreichischen Familien des 19. Jahrhunderts.

(Rezension erschienen im Buchkultur-Österreich-Spezial = №228a, Herbst 2026, S. 23)


https://www.buchkultur.net/wp-content/uploads/2026/09/BK_228A_web.pdf




Weitere Bücher des Autor*s im Verlag:


Du an Deinem Ort


Krems 1938–1945


Krems – Das Ende der Verdrängung


Pilgers Paradies und Hölle

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