G’schichten aus dem Hinterhof
Von Pawlatschen, Watschen und Golatschen, von Mesalliancen, amourösen Avancen und vielen anderen Viennoiserien · Eine feuilletonistisch-fotografische Expedition
Gregor Auenhammer, Florian C. A. Czech
ISBN: 978-3-99126-458-3
30×24 cm, 256 Seiten, zahlr. z.T. farb. Abb., Hardcover m. Schutzumschl. & Lesebändchen
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Kurzbeschreibung
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„Gengan’s weiter – gemma gemma – da gibt‘ nix zum segn – goa nix!
Gemma gemma – Schaun’s dass weidakumman!“
Man könnte meinen, der Wiener Hinterhof sei ein Ort der Ruhe. Ein Irrtum! Tatsächlich war der Hinterhof immer schon das genaue Gegenteil: Arbeitsstätte, Bühne, Konfliktzone, Rückzugsraum, Gerüchteküche und gelegentlich auch Endlager für große Gefühle und kleine Wahrheiten. Nicht aus Nostalgie, sondern aus Neugier blicken Autor Gregor Auenhammer und Fotograf Florian C. A. Czech auf dieses Phänomen. Nicht ohne Skepsis gegenüber jeder Form von Verklärung, denn der Hinterhof hat ein gutes Gedächtnis, zeigt jedoch selten ein gutes Benehmen. Ausgehend von seinen historischen Funktionen werden die Transformationen des Hinterhofs bis in die Gegenwart nachgezeichnet; oszillierend zwischen Kulturgeschichte, literarischer Beobachtung, Dialektfragmenten und zeitgenössischer Gesellschaftskritik: vom Ort des Handwerks und der sozialen Verdichtung hin zu begrünten Rückzugsräumen, temporären Nutzungen und ambivalenten Zwischenzonen urbanen Lebens.
Unbekannte Perspektiven ergeben ein präzises, atmosphärisch verdichtetes Bild. Ziel ist keineswegs Vollständigkeit, sondern eine vielschichtige Annäherung an einen meist übersehenen Raum der Stadt.
„Gengan’s weiter – gemma gemma – da gibt‘ nix zum segn – goa nix! Gemma gemma. Schaun’S dass weidakumman!“ Ein derartiger Wortschwall, eine derartig ins Unflätige kippende Tirade kann einen schon treffen, wenn man ungefragt und ungebeten einen Hausflur durchquert, um zu erkunden, ob und was es im Verborgenen eines Hauses alles geben mag. Ein solch unfreundlicher Empfang kann einem – naturgemäß übersetzt in des jeweiligen Vaterlands entsprechende Muttersprache – fast überall auf der Welt widerfahren. In Mailand wird Ihnen ein alter Padrone oder eine ausladende Mamma in Combineige den Weg nach draußen weisen, in Paris ein(e) Concierge, in Kreuzberg ne Matrone mit Berliner Schnauze – und in Wien kann es leicht passieren, dass Ihnen wie eingangs zitiert von einem der letzten „Hausmasta“ eben im Idiom des Wiener Dialekts „eine Goschen“ angehängt wird.
Es kann aber auch sein, dass man überwältigt wird vom Reiz und vom Reichtum, von der pittoresken Schönheit, von der kontemplativen Ruhe jenes im Verborgenen schlummernden Refugiums namens Hinterhof. In diesem Sinne heißt es „Hereinspaziert, kommen Sie bitte weiter, treten Sie näher, treten Sie ein“ – wir geben, entgegen üblichen Usancen des Negierens von Hintergründigem, Abseitigem und Abgewandtem, genau diesem reichlich Raum und Zeit, jenseits ästhetisierender Hochglanz-Postkarten-Fassaden.
Gregor Auenhammer und Florian C. A. Czech begeben sich auf eine feuilletonistisch-fotografische Expedition entlang eines unfassbaren, sich stets drehenden und changierenden Kaleidoskops, durch ein Panoptikum der Stadt Wien, entlang dieser nahezu schizophren anachronistischen Geschichte des Landes der unbekränzten Unmöglichkeiten und Verwirklichungen. Ihre Exkursion geleitet zu Pawlatschen, Watschen und Golatschen, zu Mesalliancen, amourösen Avancen und vielen anderen Viennoiserien. Sie blicken hinter Kulissen, ins Innere der Seele des Landes. Vom Aussterben bedrohte Berufe, ad patres gegangene Sprachmelodien, in Vergessenheit geraten(d)e Originale haben sie exhumiert, dem Orkus des Vergessens entrissen. Nostalgisch, melancholisch, der Tradition verbunden, aber noch mehr der Zukunft, wider das Odeur des Ewiggestrigen.
Nicht ohne Grund will der Titel eine Assoziation an Ödön von Horwaths „G’schichten aus dem Wienerwald“ evozieren. Nein, au contraire. Die Assoziation legt nahe, dass das angeblich „goldene“ Wienerherz der eigentliche Protagonist des fantastischen wie zeitlosen Dramas aus dem Orkus er vulnerablen Geschichte ist. Dem Zustand seelischen Befindens – „Freud-Sigi, schau oba!“ – in all seinen Ausformungen, Hochs und Tiefs, positiv herausragenden Eigenschaften, aber auch Abgründen fühlen sie auf den Zahn. Eine Operation am offenen Herzen, Finger auf offene Wunden legend, aber nicht dort, wo es offensichtlich und öffentlich ist, sondern wo manches unerwartet erblüht. Dort, wo man (mit ein und zwei nn) sich unbeobachtet wähnt, zeigt sich meist das wahre Gesicht, abseits schöner Fassaden, im Verborgenen, Okkulten. Man könnte fast meinen, Auenhammer/Czech machen „dem Hof den Hof“ …
[Idee, Konzeption & Komposition: Gregor Auenhammer & Florian C. A. Czech |
Text & Photographie: Gregor Auenhammer |
Photographie: Florian C. A. Czech |
Herausgeber & Hof-Kompositeur: Gregor Auenhammer]
Weitere Bücher des Autor*s im Verlag:
Atlas Wiener Atlanten, Hermen & Karyatiden
Café de Vienne
Die Brunnen Wiens
Die Flüsse Wiens