Warenkorb
0€ 0

Veranstaltungen

Ausstellung Drago Julius Prelog »Ich setze Zeichen« in der Eisenberger Fabrik in Gmünd

Sa 07. Mai 2022 um 16:00 bis So 05. Jun 2022 um 17:00


Ort:

Eisenberger Fabrik, 2. Stock
Litschauerstraße 23
3950 Gmünd

Kurzbeschreibung

AUSSTELLUNG
DRAGO JULIUS PRELOG · »ICH SETZE ZEICHEN«



VERNISSAGE: Samstag, 7. Mai 2022, 16.00 Uhr
Laudatio: BERTHOLD ECKER „EINE GEMALTE BIOGRAPHIE“

Ausstellungsdauer: 7. Mai bis 5. Juni 2022
Öffnungszeiten: samstags und sonntags 11.00 – 17.00 Uhr
im 2. Stock der Eisenberger Fabrik, Litschauerstraße 23, 3950 Gmünd



Notizen zu meinen Bildern

Etwa vom Zentrum ausgehend suchen die Linien ihre Bahn, schielen zum Bildrand, bleiben jedoch hauptsächlich nebeneinander, übereinander, durcheinander. Jede Linie nimmt auf die vor ihr entstandene Bezug, jede Linie entsteht vor allem zum Zweck der Verdichtung der entstehenden Formation – einfach einer subjektiven Eingebung folgend. Man kann die entstehenden Gebilde nicht „Kompositionen“ nennen, sie werden nicht gemacht, sie wachsen. Dennoch haben sie als Ganzes gesehen, als komplexes Gebilde in der Bildfläche ihre kompositorische Richtigkeit. In den Skripturalstrukturen wird versucht, jegliche klassischen Kompositionsgesetze zu eliminieren. Sie werden durch eine subjektive, rhythmische Struktur ersetzt. Die skripturalen Bilder, fast ausschließlich Hochformate, werden von mir als statisch empfunden – sie haben ein Oben und Unten.

(Drago J. Prelog)


Die gemalte Biographie von Drago J. Prelog

Nach dem Besuch der Grazer Kunstgewerbeschule in der Klasse für dekorative Malerei war Drago J. Prelog in der Klasse von Albert Paris Gütersloh an der Akademie der bildenden Künste in Wien eingeschrieben. Er studierte dort als regulärer Student bis 1962.
Nach einer kurzen Phase, in der sich Prelog mit naturalistischen Aktzeichnungen auseinandersetzte, wandte er sich nach 1958 der Abstraktion zu. Sie führte ihn zu den sogenannten „Zentralformationen“ des Jahres 1959. Die Kompositionsregeln variiert Prelog, indem er Verdichtungen bildmittig anlegt und den Strich von dort sich an den Rand des Blattes in „Knäuelformationen“ ausbreiten lässt. Prelog selbst konstatiert in diesem Zusammenhang, dass ihm Hundertwassers Manifest gegen die gerade Linie, das von ihm 1958 anlässlich des Internationalen Kunstgespräches in Seckau vorgetragen wurde, wie „ein kleiner Meilenstein“ vorkam. Hundertwassers Werke, die Prelog bereits 1956 in Graz kennenlernte, hinterließen neben der Arbeit weiterer damals bereits etablierter österreichischer Künstler wie Josef Mikl einen starken Eindruck. Für die „Zentralformationen“ wie für die späteren Umlaufbilder wird die Bildmitte zum bestimmenden Faktor der Bildfläche wird.
Die darauf folgende skripturale Phase, die Prelogs Werk für die nächsten Jahre bestimmt, umfasst zahlreiche Variationen: neben den klassischen Skripturen etwa zeilenlos-skripturale Arbeiten ab 1962, gestisch-skripturale Arbeiten von 1963, die eine nahezu tachistische Zeichensetzung aufweisen bis zu skripturalen Bildern, die von Öffnungen durchbrochen werden. Es wird eine gewisse Rhythmik und Strukturierung in der Strichführung sichtbar, ohne schablonenhaft zu wirken.
Das formale Kennzeichen für Prelogs Skripturalbilder ist die kalligraphische Zeichensetzung in einer All-Over-Verteilung; während der Untergrund aus einem Netzwerk von Strichen mit verschiedenen Farb- und Formwerten besteht, wird das eigentliche skripturale Element – schwarze Striche, die gleichmäßig in horizontalen Ebenen angeordnet werden – auf der Oberfläche angesiedelt.
Wolfgang Hilger weist darauf hin, dass „für Prelog unsere mitteleuropäischen Schreib- und Schriftgewohnheiten nicht mehr sakrosankte Faktoren (waren), sondern ein weites Experimentierfeld, wobei er ab den 1960er Jahren auch den Informationscharakter des geschriebenen Wortes aufgab und somit auf den sprachgebundenen Inhalt eines Textes verzichtete.“
Die Schrift bleibt ein wichtiger Faktor in Prelogs Werk, auch wenn in späteren Werkgruppen immer wieder andere Symbole und Elemente zum Tragen kommen. In Prelogs gemalter Biographie, die als deutsche und englische Ausgabe im Verlag Bibliothek der Provinz im Jahr 2019 zu seinem 80. Geburtstag erschien, wird auf Werkgruppen mit unterschiedlichen stilistischen Merkmalen eingegangen:
Öffnungen, die horizontal, vertikal oder expressiv ins Bild gesetzt werden, Bomben und Explosionen, Alpinstrukturen, Steine, Profilfolgen, Umlaufbilder, Rudimentärformen, Mähbewegungen, Schuppenhäute, Haut- und Rindenbilder, Balkenbilder, Achterbahnen, Kreuzalphabete und zahlreiche weitere Bildgattungen.
Die spielerische Herangehensweise an die Bezeichnung der einzelnen Gruppen und Bilder zeugt von der Lust an der Schrift und der Sprache. So hat sich Prelog über die Jahrzehnte eine komplexe Bildsprache, die einen hohen Wiedererkennungswert besitzt, erarbeitet.

(Semirah Heilingsetzer)



Eine Veranstaltung von
ARGE die fabrik für Literatur, Kunst, Musik, Buch- & Druckkunst, Litschauerstraße 23, 3950 Gmünd
& Verlag Bibliothek der Provinz, Großwolfgers 29, 3970 Weitra



Semirah Heilingsetzer (Hg.)
DRAGO JULIUS PRELOG – EINE GEMALTE BIOGRAPHIE 1959–2019
artedition | Verlag Bibliothek der Provinz
ISBN 978-3-99028-901-3

Semirah Heilingsetzer (Ed.)
DRAGO JULIUS PRELOG – A PAINTED BIOGRAPHY 1959–2019
artedition | Verlag Bibliothek der Provinz
ISBN 978-3-99028-903-7



>>Download Infomaterial

weitere Veranstaltungen in der Eisenberger-Fabrik >>

Alle Veranstaltungen >>