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Veranstaltungen

Finissage zur Ausstellung »Zwei Leben – Fine.Sand ART« von Bernhard Seidel in der ehem. Eisenberger-Fabrik in Gmünd

Sa 21. Jul 2018 um 16:00 bis Sa 21. Jul 2018 um 18:00


Ort:

Ehem. Eisenberger-Fabrik
Litschauerstraße 23, 2. Stock
3950 Gmünd

Kurzbeschreibung

Finissage der Ausstellung
Bernhard Seidel : »Zwei Leben* – Fine.Sand**Art***«
Samstag, 21. Juli 2018, 16 Uhr
Eisenberger–Fabrik, Litschauerstr. 23, 3950 Gmünd
Eintritt frei!


mit Liedern und Texten von Bernhard Seidel – vorgetragen auch von ihm. Dazu Bier (Helles/Dunkles), Wein, Mohnzelten …


* „Zwei Leben“

Die meisten Menschen haben nur ein Leben in der alltäglich gewordenen Wettbewerbsgesellschaft. Das eine nämlich, das sich ständig aufs Neue bewähren ja oft sogar immer wieder neu erfinden muss. Die meisten Besucherinnen und Besucher von Veranstaltungen dieser Art haben jedoch noch ein zweites Leben, und das ist jenes, das längst über das Gewissen hinaus erkannt hat, dass jede private und berufliche Tätigkeit ein Stück unserer Umwelt, also unserer Metaphysis zum Leben zerstört und man als Individuum im Kollektiv betrachtet kaum die Möglichkeit hat, dagegen etwas im ersten Leben zu unternehmen, auszugleichen oder zu unterlassen.

Amphibien, sind im Tierreich eine systematische Ordnung, die salopp betrachtet ein Wasser- und ein Landleben, also, wie die BesucherInnen dieser Ausstellung, auch zwei unterschiedliche Lebensausrichtungen haben. Sie benötigen förmlich beide Medien, man könnte auch sagen Lebenswelten, in ihrer Existenz. Ihre Ansprüche an die Umwelt sind daher relativ komplex, und sie eignen sich genau deshalb zur Indikation von funktionierenden versus naturfernen Lebensräumen. Sie stehen schon Jahrzehnte lang obenauf auf der so genannten Roten Liste gefährdeter Arten. Alle jene von uns hier, die im eingangs erwähnten zweiten Leben ein wenig innehalten, werden nun vielleicht konsterniert erkennen, dass wir ja inzwischen auch zu einer gefährdeten Art geworden sind und uns somit in einer prekären Gesellschaft bei den Amphibien auf den Roten Listen befinden.

Die Schau wird nicht viel ändern. Es wird alles fast so weiter laufen wie gehabt. Aber das alleine ist schon etwas.


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**… Die Donau ist ein Gebirgsfluss, der kontinuierlich Feinmaterialien mit sich führt. Durch die Kraftwerke werde aber der kontinuierliche Abtransport dieser Partikel unterbrochen – es bilden sich Absetzbecken. Die Feinsedimente würden sich bereits viele Kilometer vor den Barrieren am Boden absetzen, wodurch „riesige Schlamm – und Feinsedimentbänke“ entstehen. Das enge den bereits durch wasserbauliche Maßnahmen, wie Uferverbauungen, begrenzten Spielraum dafür ein, wieviel Wasser der Fluss zusätzlich führen kann, ohne über die Ufer zu treten, führt Seidel in einer aktuellen gutachterlichen Stellungnahme im Auftrag des „Hochwasserschutzverbandes Tullner Feld Nord“ aus.

Werden bei Hochwasser dann Wehranlagen geöffnet, erhöht sich die Wasserfließgeschwindigkeit. Hauptsächlich die oberflächlichen Sedimentschichten werden dann wieder mobil und in großen Mengen mitgerissen. So gelangen sie auch in die Flussumgebung und bilden dort Auflandungen, die die Rückhalteräume in den betroffenen Gebieten schon seit Jahrzehnten in hohem Ausmaß reduzieren, heißt es in der Stellungnahme. In den Wohngebieten würden die Ablagerungen dann unter großen Anstrengungen wieder beseitigt, in unverbauten Überschwemmungsgebieten bleiben sie nach Hochwasser manchmal meterhoch liegen, im Durchschnitt aber etwa 10 cm und das großflächig wie Seidel ausführt.

Laut dem Ökologen, der schon in den 1990er Jahren durch eigene Studien auf die gravierenden Probleme mit diesen Feinsedimenten gestoßen war, sei bei der Planung und Genehmigung von Kraftwerken und im Hochwasserschutz dieser Thematik bisher wenig Augenmerk geschenkt worden. Hinweise auf diese Entwicklungen gebe es aber bereits seit den 1980er Jahren. „Es ist bemerkenswert, dass diese vordergründig wahrnehmbaren und ökologisch gravierenden Schadfaktoren bei wesentlichen Projekten, die eine wasserrechtliche Prüfung benötigt haben, nicht in Form von Studien und Modellszenarien abgehandelt wurden“, schreibt Bernhard Seidel…


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*** Wissenschaft & Kunst

von Joachim Allgaier

Zum Anlass der Ausstellung Bernhard Seidel »Zwei Leben – Fine.Sand Art « ab dem 23. Juni in der Eisenberger-Fabrik in Gmünd, Österreich

Die Wissenschaft hat ein Problem. Nicht dass sie nicht gesellschaftlich relevant wäre. Mehr denn je sind wir zur Bearbeitung und Lösung dringender gesellschaftlicher und ökologischer Probleme auf ihre Erkenntnisse angewiesen. Doch die Erkenntnisse der unterschiedlichen Wissenschaften werden öffentlich viel zu wenig wahrgenommen. Im Zeitalter von Fake News und narzisstischen Politikern zählt nicht mehr unbedingt was wahr und richtig ist, sondern wer am lautesten brüllt bestimmt gesellschaftliche Themen und wie diese zu bewerten und zu behandeln sind. Nicht wer die besten und stichhaltigsten Argumente hat wird gehört, sondern die- oder derjenige der in den sozialen Medien die größte Gefolgschaft hat und die markigsten Sprüche losläßt. Die Wissenschaften haben unter diesen Umständen oft das Nachsehen, auch wenn sie objektiv das beste und verlässlichste Wissen zu bieten haben.

Gekränkt igeln sie sich in ihren Fakultäten und Instituten ein, und beschäftigen sich viel zu sehr mit sich selbst und ihresgleichen, obwohl sie draußen mehr denn je gebraucht würden. Kooperationen der Wissenschaft mit künstlerischen und popkulturellen Bereichen etwa sind generell verpönt und vergleichsweise selten zu finden. Doch genau die Annäherung an die Kunst und Populärkultur birgt für die Wissenschaften ein großes Potential breite Personenkreise außerhalb ihrer üblichen Reichweiten anzusprechen und diese auch tatsächlich zu erreichen. Was bisher aus den Kommunikationsabteilungen vieler wissenschaftlicher Einrichtungen kommt erinnert aber sehr stark an die Public Relations Arbeitgroßer Unternehmen. Und die üblichen Presseaussendungen führen in der Regellediglich zur Erwähnung wissenschaftlicher Leistungen in den Wissenschaftssparten vorwiegend gedruckter Zeitungen, die in der Regel wiederum nur von denen gelesen werden, die sowieso schon recht gut informiert sind.

Kooperationen mit Künstlern und die Auseinandersetzung mit künstlerischen Formaten bergen die interessante Möglichkeit gänzlich neue Personengruppen anzusprechen und dadurch wissenschaftliche Erkenntnisse und Faken tatsächlich besser unters Volk zu bringen. Ästhetische Darstellungen und künstlerische Formate haben das Potential mehrere Sinne gleichzeitig anzusprechen und vielerlei Emotionen zu wecken, ganz anders als die bisher in der Wissenschaft üblichen Textformate. Künstlerische Auseinandersetzungen mit wissenschaftlicher Arbeit können dasPublikum schockieren und wachrütteln aber vor allem auch intellektuell stimulieren. Leider muss man aber auch feststellen, dass auch in der etablierten Kunstwelt bisher relativ wenig Interesse daran bestand sich mitharten wissenschaftlichen Daten, Erkenntnissen und Theorien zu beschäftigen.

In diesem Licht erscheinen die Arbeiten von Bernhard Seidel als besonders innovativ. Der Ökologe und Künstler möchte auf einige drängende ökologische Probleme hinweisen und benutzt diverse Kunstformate, um etwa auf eine in den Donaugewässern schlummernde ökologische Katastrophe hinzuweisen. Es geht dabei um sich im Fluss ablagernde Feinsedimente. Die Sanierung des Problems würde unglaubliche Summen verschlingen und vielleicht ist das ein Grund warum wir so wenig darüber hören. Bernhard Seidel arbeitet auf wissenschaftlicher Grundlage und benutzt Objekte und Materialien aus seiner Forschung in seinen raffinierten Kunstwerken, vom angesprochenen feinen Sand bis zu verendeten Amphibien, um die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen und zu aktivieren.

Im September 2015 wurde in Klagenfurt die erste internationale wissenschaftliche Konferenz zum Thema Wissenschaft und Forschung in der Populärkultur abgehalten, die darauf abzielte neue Wege in der Wissenschaftskommunikation zu beschreiten. Es ging hier darum, Interaktionen zwischen Wissenschaft und Populärkultur und Forschung und Kunst zu untersuchen und zu Kooperationen anzustacheln. Bernhard Seidel war bei dieser Veranstaltung als einer der Hauptredner geladen und präsentierte dort wissenschaftliche Arbeiten über Stechmücken, um schließlich im Rahmen des Vortrages mit selbst kreierten Kunstformaten zu ökologischen Problemen aufhorchen zu lassen. Nur sehr selten treffen wissenschaftliche Fundiertheit, künstlerisches Talent, gesellschaftliches Engagement und aktivistische Energie so konstruktiv in einer Person zusammen wie im Falle Bernhard Seidels. Seine ökologisch fundierte Kunst spricht an und verdient es in jedem Fall gesehen zu werden. Ab dem 23. Juni bietet sich dazu in der Eisenberger-Fabrik in Gmünd die Gelegenheit.


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