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Karl Anton Fleck


Österr. Zeichner u. Maler, 1928–1983

Der Wiener Künstler Karl Anton Fleck (1928–1983) ist als Zeichner, Maler, Illustrator, Jazzmusiker und Dichter tätig gewesen. Er war Mitglied der Künstlergruppe Der Kreis und der Wiener Sezession. Seine erste Ausstellung in Wien fand 1961 in der damals wohl innovativsten Galerie „Zum Roten Apfel“ statt. Seinen Beruf als ausgebildeter Photoretuscheur in einer Reproanstalt, hat er neben seinem künstlerischen mannigfachen Schaffen nie aufgegeben. Die dadurch angeeignete Sehweise, nämlich alles wie ein Negativ – Hell ist Dunkel und Dunkel ist Hell – zu betrachten, machte sich auch in seinem bildnerischen Werk bemerkbar.
Anfang der 50er Jahre beginnt der junge Fleck, damals in Schweden lebend (1953–1958), informelle und tachistische Strömungen – die seit Mitte der 40er Jahre in Paris entstanden – aufzunehmen und zu verarbeiten. Als Bezeichnung für seine abstrakten Bildwerke erfand Fleck sehr eigenwillige Bildunterschriften, indem er einzelne Buchstaben zusammenfügte. Diese individuellen Buchstabenketten lauteten dann zum Beispiel MPON oder TAZP, so als würden sie unterschiedliche Typen eines Maschinenwerks kennzeichnen.
Ab 1965/66 experimentiert Fleck mit Fotocollagen und Filmmontagen – letztere werden im Rahmen dieser Ausstellung erstmals öffentlich gezeigt. – Ab diesem Zeitraum verändert Fleck sich auch stilistisch – die figurative Darstellungsform tritt dominierend in seinem künstlerischen Werk hervor.
Inhaltlich bearbeitet Fleck die Phänomene der psychologischen und sozialen Vernetzung zwischen dem Individuum sowie der Konsum- und Massengesellschaft. Es entstehen Arbeiten, wie Exclusive Gesellschaft (1969), Zum Simulator (1969), Der Gehirnadapter (1969) oder Tatenkanal (1970) und Industriehund (1971). Der Künstler könnte damit unmittelbar auch an Freuds Schilderung der Massenseele (1921) anknüpfen oder den 1964 von Herbert Marshall MacLuhan populärwissenschaftlich verfassten Bestseller Die magischen Kanäle, der weltweite Aufmerksamkeit erlangt hat, reflektiert haben. Neben diesen Darstellungen, die sich mit sozial-gesellschaftlich kritischen Anschauungen zur Mediengesellschaft auseinandergesetzt haben, entsteht auch eine Vielzahl von einprägsam emotional-erotischen Zeichnungen, wobei der Künstler phallusartige Fingerelemente und weibliche Geschlechtsteile mit surrealwirkenden Sujets verschmelzen lässt.
In seiner späteren künstlerischen Phase wird das Thema seiner eigenen Identität durch Verinnerlichung, Einsamkeit und Zwanghaftigkeit zunehmend gekennzeichnet. Mittels Vexierbildern versucht Fleck die Umwandlung vom Mensch in das Tier vorzunehmen. Meistens handelt es sich dabei um Selbstbildnisse, die er auch in Kombination mit seinem Namen betitelt, wie Nasfleckhorn (1982) oder See-Hund-Fleck (1977). Neben den legendären zahlreichen Portraitsitzungen mit seinen Freunden und Persönlichkeiten aus der Wiener Kulturszene, schafft Fleck eine Portraitserie mit historischen Figuren von Kirchenvätern und Künstlergenies, denen er eine fleckische Persönlichkeit einverleibt und zuschreibt. Zum Beispiel Magister Theodoricus Fleck (1974) oder Vincent van Fleck, Selbstbildnis mit abgeschnittener Nase (um 1976).
Mit diesen bizarren und grotesken Bildnissen, die eine radikale Verfremdung des Realen erzeugen, schildert der Künstler dem Betrachter exemplarisch seine eigene zerbrechliche und verwundbare Existenz.
Im Alter von nur 55 Jahren stirbt Karl Anton Fleck am 5. Dezember 1983 in Wien.
Heute finden sich von Fleck Werke in Privatsammlungen sowie in Museen und öffentlichen Kunstinstitutionen, wie Leopold Museum, Rupertinum, Albertina, Artothek des Bundes, Kulturamt der Stadt Wien, Sammlung Essl, Sammlung Liaunig, Kunstmuseum Hesingborg (Schweden), Bauholding STRABAG SE und MOMA (New York). Mit rund 250 Arbeiten aus privaten und öffentlichen Sammlungen wagt das Leopold Museum einerseits den Versuch erstmals das Werk des Wiener Künstlers Karl Anton Fleck umfassend aus allen Schaffensperioden zu präsentieren und anderseits mit einem begleitenden Ausstellungskatalog diesen Einzelgänger entsprechend kunsttheoretisch in die neueste Kunstgeschichte einzuordnen. [()]


Bild: Karl Anton Fleck, Ich (1972). © Galerie Chobot, Wien


Bücher

Karl Anton Fleck – Anthropologische Maschine

ISBN: 978-3-85252-637-9
28 x 24 cm, 250 Seiten, zahlr. farb. Abb., Hardcover
€ 37,00
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