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Gedanken in der Nacht

Erzählungen · (1948–1958)

Fritz Habeck, Andreas Weber

ISBN: 978-3-85252-091-9
21,5×15 cm, 160 Seiten, Hardcover m. Schutzumschl. + 1 Lesezeichen
15,00 €
Lieferbar

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Kurzbeschreibung

1951 gelang Fritz Habeck mit »Das Boot kommt nach Mitternacht« jener erste durchschlagende Erfolg, mit dem seine Karriere als Schriftsteller begann. Sie ist Teil der österreichischen Literaturgeschichte nach 1945 und wird in den entsprechenden Literaturgeschichtsbüchern (Friedbert Aspetsberger, Rüdiger Wischenbart, Joseph McVeigh, Walter Weiss) beschrieben: Ein Erzähler der alten Schule, ein Realist, ein Kriegsschriftsteller, ein bürgerlich-christlicher Autor, ein Protagonist des literarischen Wiederaufbaus in Österreich, ein Unterhaltungsschriftsteller, dessen Bücher in 12 Sprachen übersetzt wurden, der in den sechziger Jahren damit begann, international erfolgreiche Jugendbücher zu schreiben, und der es zum Brieffreund eines literarischen Weltstars brachte. Ernest Hemingway und Fritz Habeck schrieben einander zwischen 1950 und 1952 zehn sehr persönliche Briefe.

Die in diesem Band erstmals versammelten Geschichten stehen für einen inneren Dialog, für das unnachgiebige Ringen um Antworten auf die Fragen nach seiner Identität als Künstler und Mensch. Habeck hat ein lebenslanges Suchen nach dem Sinn und den Werten des LeFragen nach seiner Identität als Künstler und Mensch. Habeck hat ein lebenslanges Suchen nach dem Sinn und den Werten des Lebens formuliert, er hat in seinen Büchern die gleiche Geschichte immer wieder neu geschrieben.

Entstanden sind dabei bereits in diesen frühen Erzählungen immer die Geschichten vom Wandel, vom Zerfall und vom Weitermachen, um Haltung und den damit verbundenen Rest an Würde gegenüber dem Nihilismus zu bewahren. In diesem Sinne sind diese teilweise fast fünfzig Jahre alten Erzählungen von zeitunabhängiger Aktualität, sie »stimmen« einfach.

Die Idee zur Herausgabe dieses Buches entstand während der Arbeit an dem Filmporträt »DEAR FRITZ« (von Joerg Th. Burger und Andreas Weber, Prod. Constantin Wulff/NAVIGATOR-Film/1995)

(Andreas Weber)



[Hrsg. von Andreas Weber]


Rezensionen
Wendelin Schmidt-Dengler: [Rezension]

Es gab einen Bürgen für den jungen Fritz Habeck, da dieser nach dem Krieg als Schriftsteller Fuß zu fassen versuchte, einer, der wie er Erfahrungen im Krieg gesammelt hatte und der sich in denselben Genres umtat wie der junge Österreicher: Ernest Hemingway, und er schrieb seinem Freund am 14. Oktober 1952 einen Text, der als Vorwort für einen Band mit Erzählungen dienen sollte; dieses Buch ist allerdings erst heuer zum 80. Geburtstag des Autors erschienen. Und so lautete Hemingsways Empfehlung:

„Fritz Habeck war einst mein Gegner, und er ist mein Freund geworden. Er war ein redlicher und tüchtiger Gegner und ein guter Soldat. Kampf und Leiden prägen diesen Typ von Mann, der den Krieg ohne Verlust seiner Würde überstanden hat. Wenn seine literarische Produktion im Deutschen so gut wie es seine englischen Briefe sind, dann müßte es ein Vergnügen sein, diese Texte in seiner Muttersprache lesen zu können. Er hat das Zeug zu einem Buch in sich, auf das die Deutschen stolz sein könnten. Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis dieses Buch zustandekommt und wann es veröffentlicht werden wird. Aber ich freue mich in jedem Fall darauf.“

Also sprach Ernest Hemingway, und so eindrucksvoll die paar Zeilen sind, es hätte heute dieses Gütesiegels nicht mehr bedurft, denn dieser Band spricht auch für sich: Habeck präsentiert sich darin als Erzähler von Kurzgeschichten, er brilliert in einem Genre, das in den Jahren nach dem Krieg in der deutschen Literatur aus verschiedenen Gründen Fortune machte und dessen Apostel und Schutzheiliger eben Ernest Hemingway war. Allerdings, und das gilt auch für Habeck: Für die Kurzgeschichte in Deutschland und Österreich gilt nicht mehr die harte Männersache Hemingways, also der Heroismus, der heil so manche Grenzsituation übersteht und als Wert für sich genommen werden will. Was diese Kurzgeschichten bieten, sind kleine Szenen aus der Nachkriegszeit, sehr gedämpft vorgebracht, Literatur, geschrieben aus dem Mangel der Nachkriegszeit, und sie thematisiert Konflikte, die eben durch diesen Mangel verursacht werden. Habecks meist karge Sprache läßt keine Sentimentalität aufkommen, wenn da von einer Frau die Rede ist, die ihren Geliebten im Krieg verlor und nun als ledige Mutter ihren Träumen nachhängt, wenn es um die beengten Wohnverhältnisse geht, um den Tod des Arbeiters beim Errichten von Gerüsten.

Wäre Pathos in diesen Geschichten, Habeck brächte uns – heute – gewiß zum Lachen. Aber er geht vorsichtig, ja haushälterisch mit seinen Themen um; der Wiederaufbau gerät nicht zur Erfolgsstory, an der die Intellektuellen großen Anteil haben, sondern zum dezenten Hymnus auf jene, die mit den Händen anzupacken verstanden. Und auch da meidet Habeck jene Peinlichkeiten, mit denen der sozialistische Realismus dereinst die Parodisten in so reichem Maße versorgte. Die Theorie der Literatur ist Habecks Sache nicht; er vertraut der Sprache, er versteht sich als Erzähler, und er besorgte dies unverdrossen, da viele seiner Kollegen und Kolleginnen große Hemmungen hatten, das Publikum mit einer „story“ zu bedienen: Die Welt schien nicht mehr erzählbar, denn die Ordnung, die für das Erzählen nun einmal Voraussetzung ist, war zerstört worden.

Erzählen sei ein Reden unter dem Galgen, hatte Ilse Aichinger gesagt; doch wäre es ungerecht, Habeck eine fatal unreflektierte Lust am Fabulieren zu unterstellen: Er ist ökonomisch in der Wahl seiner Mittel, und so wirken diese knappen Ausschnitte stets authentisch. Und gegenüber den Romanen Habecks mit großer Orchesterbesetzung möchte ich diesen kleinen Erzählungen mit einem kleinen Virtuosenensemble den Vorzug geben: Das Buch ist in der von dem jungen Germanisten Andreas Weber engagiert besorgten Ausgabe rechtzeitig zu Habecks rundem Geburtstag erschienen, doch es hätte viel früher erscheinen müssen, mit Hemingways Vorwort, als ein überzeugendes Dokument aus dem Nachkriegsösterreich für eine seriöse realistische Kurzprosa, die auch internationalen Standards zu genügen vermochte.

(Wendelin Schmidt-Dengler, Rezension in: Literatur und Kritik, Heft 309/10, November 1996)




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