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Kurzbeschreibung

In den alten Zeiten, als das Geld noch aus Gold gemacht wurde, lebte König Midas mit den Eselsohren. Eines Tages rief er zum Himmel hinauf: „He, Gott, lass alles, was ich berühre, zu Gold werden!“ „Midas, Midas, hast du dir diesen Wunsch auch gut überlegt?“, fragte Gott. „Natürlich“, antwortete König Midas. „Ich wundere mich, dass sich das bisher noch niemand gewünscht hat.“ Und schon wurde die Säule, an die er sich lehnte, zu Gold. Vor Freude schrie er auf und umarmte sie.


Rezensionen
Michael Ritter: Gudrun Pausewang/Angelika Kaufmann, „König Midas mit den Eselsohren“

Die bekannte Legende vom gierigen König Midas wird hier neu erzählt und umgedeutet – so entsteht ein Lehrstück mit pädagogischem Charakter.

König Midas ist aus den griechischen Legenden bekannt. Der durchaus auch historisch nachgewiesenen Persönlichkeit werden verschiedene mythische Anekdoten nachgesagt. Gudrun Pausewang hat den Stoff bearbeitet (1995), der hier in einer Wiederauflage mit den Bildern von Angelika Kauffmann aus dem Jahr 2015 neu erscheint. Pausewang verknüpft hier die Geschichte der Eselsohren mit der berühmten Goldberührungsgeschichte. Allerdings hat Midas bereits die Eselsohren, ihre Herkunft wird nicht erläutert. Dennoch markieren sie ihn symbolisch als Narren und Dummkopf und legen seine Personen als unreifes Wesen fest. Ohne konkreten Anlass bittet Midas nun Gott, er möge ihm die Gabe geben, alles was er berühre, zu Gold werden zu lassen. Der Wunsch wird ihm gewährt und die Freude ist groß, doch bald folgt eben auch die Einsicht, dass er nicht nur niemanden mehr berühren, sondern letztlich auch keinem elementaren Bedürfnis mehr nachgehen kann. Die große Katastrophe wird abgewendet, Gott macht die Verwandlungen rückgängig und Midas feiert seine neue Freiheit, indem er sich seiner Krone entledigt und die anderen Könige zum Festmahl einlädt; sogar den Kollegen, der ihn immer an den Eselsohren gezogen hat.
Gudrun Pausewang macht aus dem gierigen Toren einen bildsamen Menschen. Die negative Erfahrung führt zur Selbsterkenntnis und dazu, dass Midas sein fatales Streben erkennt und sein Leben ändert. So stehen die Ohren nicht am Ende der Geschichte als Strafe, sondern am Anfang als Ausgangspunkt und Markierung einer noch nicht stattgefundenen Entwicklung. Die statische Persönlichkeit der Mythen und Märchen wird hier zum entwicklungsfähigen Individuum, was einen radikalen Bruch mit dem Selbstverständnis der Textsorte markiert. Angelika Kaufmann hat die Handlung neu ins Bild gesetzt. Ihre auf den Vordergrund reduzierten Collagen zeigen einfach und schablonenhaft Midas und Wenige seines Umfelds? Andere Personen und Objekte sind rar, die Handlung konzentriert sich – wie auch der Mythos – auf die eigentümliche Figur. Alle Goldobjekte sind in rauer Goldfarbe gemalt, die haptisch erfahrbar und wertig ein besonderes Leseerlebnis garantiert.
Insgesamt eine faszinierende Geschichte in neuem Kleid – sehr zu empfehlen!

(Michael Ritter, Rezension für die Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft [AJuM der GEW] Landesstelle Sachsen-Anhalt vom 16. September 2018)


https://www.ajum.de/2018iii/ajum-2018iii_bibliothekDerProvinz_04.pdf