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Kurzbeschreibung

Emma wollte nicht ins Bett. Sie ging mit ihrer Tulpenmütze durch die Wohnung und goss Mamas Pflanzen. Als alle gegossen waren, goss sie ihren grünen Spielteppich. Und weil noch immer Wasser in der Gießkanne war, goss sie ihre Füße.

Da schimpfte Mama, nahm die Gießkanne und stellte sie aufs Fensterbrett. „Aber ich bin doch eine Tulpe!“, erklärte Emma. „Nein“, sagte Mama, „du bist Emma mit nassen Füßen und einem Teich auf dem Spielteppich. Und du gehst jetzt ins Bett!“

„Gleich!“, sagte Emma und holte aus dem Badezimmer die kleine Ente. „Wohin gehen wir ?“, fragte die Ente. „In den Park“, sagte Emma und setzte sie in den Teich auf dem Spielteppich. „Aber das ist doch nicht der Park!“, wunderte sich die Ente. „Wo sind die Bäume?“ Also rief Emma nach den Bäumen.


Rezensionen
emk: Lizzy Hollatko/Anka Luger, „Als Emma die Bäume rief“

Die kleine Emma will nicht ins Bett, sondern weiterspielen. In ihrer Fantasie ist das Kinderzimmer ein großes Tulpenbeet, das dringend gegossen werden muss. Also schwenkt sie die Gießkanne, bis sie von der Mutter liebevoll in den Arm genommen wird und die ihr Tulpenkind doch ins Bett bringt. Der poetische Text des Bilderbuches wird von zarten Pastellzeichnungen begleitet, die zum Träumen verführen.

Die Autorin dieses poetischen Bilderbuches, Lizzy Hollatko (1971 in Südafrika geboren), lebt und arbeitet als Tanzpädagogin und Autorin in Wien. „Als Emma die Bäume rief“ ist nicht ihr erstes Bilderbuch, sie erhielt bereits 2005 den Dixi-Kinderliteratur-Preis 2005 und in den nachfolgenden Jahren mehrmals Stipendien und Nominierungen für Kinder- und Jugendbuchpreise. Ihr Buch „Dort wartet schon mein Freund“ wurde mit dem Wiener Kinder- und Jugendliteraturpreis 2009 ausgezeichnet und in die Kollektion zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2010 aufgenommen, weitere Auszeichnungen und Preise folgten.

Im vorliegenden Bilderbuch wird erzählt, wie ein kleines Mädchen, genannt Emma, nicht zu Bett gehen will und sich lieber damit vergnügt, ein wenig die Pflanzen ihrer Mama zu gießen. Sie hat sich die Tulpenmütze aufgesetzt und die Gießkanne mit Wasser gefüllt und alles gründlich gegossen. Aber als immer noch Wasser in der Kanne ist, gießt sie zuerst den Spielteppich und dann ihre Füsse und verteidigt sich bei der protestierenden Mutter mit der Behauptung, dass sie doch eine Tulpe sei. Die Mutter besteht darauf, dass Emma zu Bett müsse, aber das kleine Mädchen lässt ihre Verbündeten aufmarschieren, die das Spiel mit ihr mitspielen. Die Ente aus dem Badezimmer und das Löwenkind fahren mit ihr und dem Roller durchs Tulpenbeet, das Giraffenkind kommt hinzu und auch das Krokodilbaby, sie alle wollen genau wie Emma nicht ins Bett sondern spielen. Emma hat nichts dagegen und lädt sie ein, es sich auf ihrem Roller gemütlich zu machen. Zusammen fahren sie quer über die Wiese, durchs Tulpenbeet, an den raschelnden Bäumen vorbei und immer weiter – bis alle plötzlich sehr müde werden und einer nach dem anderen einschläft. Da nimmt Emma ihre Tierkinder, trägt sie ins Bett, deckt sie zu und wünscht ihnen eine Gute Nacht. „Mein kleines Tulpenkind“, sagt Emmas Mama und nimmt auch sie auf den Arm und trägt sie in ihr Bett und schaltet das Licht aus.

Die kleine Emma, die nicht zu Bett gehen will und sich eine Tulpenwiese ins Zimmer fantasiert, auf der sie mit ihren Tierkindern Roller fährt, ist gewissermaßen die kleine Schwester des Jungen aus dem berühmten Bilderbuch „Wo die wilden Kerle wohnen“ von Maurice Sendac. Ihre Fantasien sind nicht so ungestüm und wild, sie werden sanft und liebevoll begleitet. Die überaus zarten, in feinen Pastelltönen gehaltenen Zeichnungen von Anka Luger (in Slowenien geboren und heute in Purkersdorf bei Wien lebend) begleiten diese poetische Geschichte kongenial. Anka Luger hat an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien studiert und ebenfalls schon zahlreiche Kinderbücher illustriert, von denen einige auch mit Auszeichnungen gewürdigt wurden.

Das Bilderbuch über die Fantasien der kleinen Emma ist, wenn man so will, eine Gutenachtgeschichte und sie ist doppelt adressiert. Die kindlichen Leser werden ihre Spielgefährten darin wiedererkennen, mit denen sie auf ähnliche Weise kommunizieren wie Emma es macht. Die Erwachsenen werden die Tagträume und Spielwelten der Kinder bebildert finden, für die sie um Schutz und Verständnis gebeten werden – immer aufs neue und wohl durch alle Zeiten hindurch.

(emk, Rezension für die Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft [AJuM der GEW] Landesstelle Sachsen-Anhalt vom 27. Juli 2018)


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