Warenkorb
0€ 0

Kurzbeschreibung

Der kleine Herr Jemine
lebte irgendwo im weiten Weltenraum
auf einem winzigen Planeten
und war glücklich.
Eigentlich.
Doch irgendetwas fehlte ihm.
Immer, immer wieder …
Irgendwann erkennt er,
dass weniger manchmal mehr ist.

Eine Geschichte vom Glücklichsein.
Für kleine und große Menschen.


Rezensionen
Andrea Wanner: Weniger ist mehr

Wie war das doch gleich in dem Märchen vom Fischer und seiner Frau? Die waren eigentlich doch ganz zufrieden. Bis die mit dem Wünschen angefangen haben und Ilsebill gar nicht mehr aufhören konnte. Und so ähnlich geht es Herrn Jemine.

Der kleine Herr Jemine kommt uns auf den ersten Blick irgendwie bekannt vor. Wie er da auf seinem sehr überschaubaren Planeten steht, erinnert er an den Asteroiden B612, jenen kleinen Planeten, von dem der kleine Prinz stammt und der so winzig ist, dass man ihn in Windeseile umrundet hat. Und gab es dort drei Vulkane, von denen einer erloschen war, so sind es auf dem Planeten des kleinen Herrn Jemine zweieinhalb Berge, auch ein paar Blumen (eine Rose wird allerdings nicht erwähnt) und Bäume. Alles wunderbar. Bis Herr Jemine feststellte, dass etwas fehlt.

Mehr und mehr
Sein erster Wunsch ist nachvollziehbar: Er möchte ein Dach über dem Kopf haben. Und als das Haus steht, braucht es Möbel. Ein Bett, einen Stuhl, einen Tisch. Und dann braucht er ein Fahrzeug, um mobiler zu sein. Ein Auto bringt ihn schnell zu allen gewünschten Orten auf seinem Planeten. Aber ein Auto braucht auch Straßen, eine Garage und eine Tankstelle. Und so nimmt es mit dem Wünschen kein Ende. Auf dem kleinen Planeten entstehen Brücken und Paläste, Flugzeuge und Hochhäuser. Herr Jemine baut und expandiert, baut weiter, bis auch nicht mehr das kleinste Fitzelchen Grün übrig ist. Und er erschrickt.

Manfred Schlüter beginnt diese Geschichte mit heiteren, lichten Bildern, die Freiheit und Glück in leuchtenden Farben vermitteln, ohne dass Worte darauf hinweisen. Im Gegenteil, der kleine Zwerg mit der leuchtend roten Mütze meint ja, dass ihm zum Glück noch etwas fehlt. Seite um Seite wächst sein Besitz, Seite um Seite verdüstern sich die Farben. Dunkel und schwer ist das Bild, das den kleinen, vollgestopften Planeten zeigt, der Herrn Jemine erschaudern lässt. Und jetzt?

Manfred Schlüter lässt den kleinen Kerl eine kluge Lösung finden. Eine, die ihn am Ende tatsächlich glücklich macht. Und so verpackt wünscht man sich, dass diese in ein kleines Bilderbuch verpackte Parabel über Wachstum und Konsum Große und Kleine über Notwendiges und Unnötiges, Wesentliches und Überflüssiges, über das, was einen wirklich zufrieden macht und all die Dinge, die man nur vermeintlich braucht, nachdenken lässt.

(Andrea Wanner, Rezension im TITEL kulturmagazin vom 9. Oktober 2017)


https://titel-kulturmagazin.net/2017/10/09/kinderbuch-manfred-schlueter-der-kleine-herr-jemine/


Peter Conrady: Manfred Schlüter, „Der kleine Herr Jemine“

Kann ein Bilderbuch die Welt erklären? „Der kleine Herr Jemine“ kann das. Er schafft sich seine Welt, irgendwo draußen auf seinem Planeten. Erst ein Haus, ein Bett, dann einen Stuhl, einen Tisch, einen Schrank. Schließlich baut sich der kleine Herr Jemine ein Auto, um auf seinem Planeten umherzufahren, dazu eine Straße, eine Tankstelle, ein Flugzeug, eine Start- und Landebahn – bis sein Planet voll, übervoll ist. Auch sein Kopf. Dunkel und wie ein böser Traum. Weder beten noch schreien können ihn befreien. Handeln! Das ist die Lösung. Und so baut der kleine Herr Jemine alles wieder ab und zurück. Nur sein Haus behält er, um gemütlich das Leben zu leben und so beglückt zu singen und seinen Blumen und Bäumen Geschichten zu erzählen: „Endlich glücklich.“

Sein Name ist Programm: Herr Jemine – gekürzt aus „Herr Jesus domine“. Doch nicht wie es im Johannesevangelium heißt: Im Anfang war das Wort, sondern: Im Anfang war die Tat. So erschafft der Herr in diesem nachdenklichen Bilderbuch seine Welt, alles für sein Wohlbefinden. „Er baute und baute …“ Bis eines Tages sein ganzer Planet voll und schwer und schwarz ist, bewusst von Manfred Schlüter in der Buchmitte ins Bild gesetzt. Sein Planet ist rundherum mit Häusersilhouetten bestückt. Selbst sein ständiger Begleiter, der Vogel, flattert schwarz außerhalb seines Landes. Lediglich noch der kleine Herr Jemine, farbig, und vier Buchstabenblätter sind sichtbar: O + W + E + h.

Der Mensch hat hier in seiner Hybris, gottgleich zu sein, gewirkt und alles nach seinem Willen erschaffen. Ja, er trägt sogar dessen Namen, zwar sicherheitshalber nur in abgeleiteter Form, denn ansonsten könnte es einen Konflikt mit dem Kirchengebot geben. Doch zugleich mutet dieser Name an wie eine Beschwörungsformel: Ich mache mir meine Welt! Das ist sichtbar und fühlbar eine Fehleinschätzung. Moses lässt in der Schöpfungsgeschichte Gott am 7. Tag erkennen: Und Gott sah, dass es gut war. Als Herr Jemine sieht, was er sich erschaffen hat, verzweifelt er zutiefst. Das ist sein Wendepunkt. Er besinnt sich auf sich selbst: sein Haus mit Tisch und Stuhl und Schrank und Bett. Glücklich sein mit Blumen und Bäumen und Geschichten.

Manfred Schlüter scheut sich nicht, das in Bildern und Texten zu dokumentieren. Eindrucksvoll zeichnet er das Wesentliche bis ins Detail mit zarten Farben. Plakativ füllt er jede Doppelseite mit dem Geschehen. Und bei den Texten orientiert sich Manfred Schlüter sprachlich an den kindlichen Wahrnehmungs- und Lernfähigkeiten. Insbesondere durch den sinnbezogenen Flattersatz, bei dem in jeder Zeile nur das steht, was inhaltlich zusammengehört, können auch die Kinder, die mit dem Lesen beginnen, nach und nach selbstständig den Inhalt erlesen. Darüber hinaus bieten sich die Bilderbuchepisoden an, sie als Ensemble szenisch zu gestalten. Hilfreich ist dabei eine theaterpädagogische Begleitung. Pars pro toto. Im Einzelnen spiegelt sich das Ganze. So angeleitet erleben und erkennen Kinder ab dem Kita-Alter bis in die ersten Schuljahre das Geschehen und die Botschaft deutlich und innig.

(Rezension: Peter Conrady)


Ulrich Karger: Manfred Schlüter, „Der kleine Herr Jemine“

Der kleine Herr Jemine
lebte irgendwo im weiten Weltenraum
auf einem winzigen Planeten
und war glücklich.
Eigentlich.
Doch irgendetwas fehlte ihm.
Immer, immer wieder …
Irgendwann erkennt er,
dass weniger manchmal mehr ist.


Manfred Schlüter hat mit „Der kleine Herr Jemine“ eine wundervolle Geschichte in ein wundervolles Bilderbuch gepackt, das ein wenig an den kleinen Prinz von Antoine de Saint-Exupéry gemahnt und doch ganz anders ist.

Denn auch wenn Herr Jemine wie der kleine Prinz auf einem kleinen Planeten lebt, fragt er nicht nach der Liebe, sondern nach dem Glücklichsein. Eigentlich hat er dazu ja Alles, doch dann stößt er sein namengebendes „Herrjemine“ aus und will immer noch etwas mehr haben. Und als am Ende sein winziger Planet so voll war, dass weder Blumen noch Bäume und auch nicht einmal die zweieinhalb Berge zu sehen waren, gab es nur noch eine Lösung …

Der Text von bestechender Klarheit und Einfachheit wird gewiss auch von kleinen Zuhörern gut verstanden und aufgenommen. Die Bilder von Schlüter sind in ihrer Farbenpracht köstlich durchkomponiert und gehen stets über den Text hinaus. So anschaulich für Kinder, so werden auch Erwachsene von Schlüters menschenfreundlich subtiler Ironie nicht kalt gelassen.

Das zeigt bereits Wirkung: So hat das Hamburger Ohnsorg Studio des Ohnsorg Theaters das Bilderbuch adaptiert und wird es vom 17. Februar bis zum 12. April 2019 unter dem Titel „De lütte Herr Jemine“ auf Hoch- & Plattdeutsch auf die Bühne bringen. Und am 13. Juni 2019 ist dann Premiere im Jungen Staatstheater in Oldenburg …

(Ulrich Karger, Rezension für: Büchernachlese [Online-Rezensionenarchiv], 2018)


https://www.buechernachlese.de/archiv/uk_schlueter_manfred_der-kleine-herr-jemine.html