Warenkorb
0€ 0

Kurzbeschreibung

Da stand er vor mir, »da Longe«. Er hatte strohblondes, langes Haar, das von einem Stirnband zurückgehalten wurde, und grinste breit: »Megsd ’s End va da Wöd segn?« Später erzählte er uns von seiner Zeit in Griechenland, dass er schon auf verschiedenen Inseln gelebt hatte, sich immer wieder bei der Olivenernte verdingte, Bars betrieben hatte, Touristen an den Häfen für diverse Hotels und Pensionen abholte, bis in die Türkei gereist war, wo schließlich sein Bus den Geist aufgegeben hatte. »Am End va da Wöd.« Auf die Frage, ob er wieder einmal zurück ins Dorf kommen würde, sagte er, »iagendwonn miass ma olle hoam.«
In vielen Kurztrips führt dieser Roman von der Kindheit und Jugend im österreichischen Dorf bis ans »End va da Wöd« – und lässt Raum, verschiedenste Verbindungswege zwischen den Stationen zu finden.


„Kürzlich wurde mein erster Roman veröffentlicht. Und verständlicherweise ist die am öftesten gestellte Frage diejenige nach dem Inhalt. Was mich immer etwas ratlos zurück ließ, schließlich brauchte ich selbst beinahe 200 Seiten, um diesem Inhalt Gestalt – oder vielmehr: Form – zu geben. Bis ich vor ein paar Wochen über einen Artikel gestolpert bin, in dem es um ein Gefühl namens Awumbuk ging. Das stammt von irgendeinem Bergvolk in Papua Neu Guinea, das damit die Leere bezeichnet, die sich einstellt, wenn Besucherinnen und/oder Besucher einen verlassen – wir reden von welchen, die man mag und nicht denjenigen, wo man erleichtert ist, wenn sie endlich gehen – das ist eine andere Geschichte und – wahrscheinlich – auch ein andere Gefühl. Und um diese Leere und Schwere einzufangen, ist es bei diesem Bergvolk Usus, eine mit Wasser gefüllte Schüssel im Zimmer aufzustellen und das Wasser absorbiert dann über Nacht das in der Luft liegende Gefühl. Am Morgen darauf wird dann das Wasser im Rahmen einer kleinen Zeremonie nach draußen gebracht und es werden die Pflanzen damit gegossen. – Mein Buch, so ließe sich sagen, ist der Versuch, dem Gefühl Form zu geben, das sich einstellt, wenn ich an mein Herkommen denke. Wenn ich Bilder und Geschichten erinnere, die nur noch in meinem Kopf existieren. (…)“
[Manfred Bruckner am 26. März 2018 in seinem Blog, ()]


Rezensionen
Fritz Haselsteiner: [Rezension zu: Manfred Bruckner, „In mir das Dorf“]

Auf der ganzen Welt herumgekommen ist er und viel erlebt hat er, der Ongabaun Fredl, doch bei allem Intellekt hat er seine bäuerliche Herkunft, sein Dorf im Ybbstal nicht vergessen. Es sind liebevolle, zum Teil wehmütige Erinnerungen an die Großeltern, Eltern, Jugendfreunde sowie auf liebevolle Weise sonderbare Dörfler, häufig verstrickt in mehr oder weniger tragische Geschehnisse. Formal stellt der Autor in einzelnen Kapiteln immer eine Dorfgeschichte voran und leitet dann zu einem motivisch passenden Erlebnis in der großen, weiten Welt über. Sprachliche Besonderheit: In den Text sind Aussprüche in Mostviertler Mundart eingeflochten, sehr gut lesbar (zum Beispiel „I vaschdeh den Buam ned“), geschult am großen Vorbild H.C. Artmann. Berührend!

(Fritz Haselsteiner, Rezension im momag. Mostviertel Magazin #361, Mai 2018, S. 43)


https://www.momag.at/epaper/momag361/43/


Markus Neumeyer: [Rezension zu: Manfred Bruckner, „In mir das Dorf“]

Inhalt: „Da Bua“ wird 1968 in einem österreichischen Dorf geboren und führt, laut Autor, bis ans „End da Wöd“, wobei man sich beim Lesen nie ganz sicher ist, ob der Roman nicht sogar dort startet. Mit vielen Anekdoten erzählt „da Ongabaun Fredl“ von seiner Kindheit als ärmlicher Bauernbub in einer Zeit, in der die Nachkriegsjahre noch nicht ganz vorüber waren. Er beschreibt das Leben in den 70ern an einem Ort, der vom Rest der Welt noch nicht allzu viel mitgbekommen hat. Immer wieder unterbrechen aber auch Zeitsprünge die untypische Erzählung. Aus dem „Buam“ ist anscheinend ein weltoffener Globetrotter geworden, der aus dem Universum seiner Kindheit in ein gänzlich anderes gewandert ist, ohne seine Vergangenheit zu verleugnen.
Meinung: Beim Lesen dieses Romans erschließt sich einem der Titel von Seite zu Seite besser. Man stellt sich die Frage ob Bruckner über sein eigenes Leben schreibt – so eine Geschichte kann man eigentlich nicht erfinden, denkt man sich. Dabei zieht einem dieser kleine Roman in seinen Bann. Man fühlt sich in ein Österreich zurückversetzt, dass es heute nicht mehr gibt, das sich aber gerade heute einige Menschen wieder zurück wünschen. Bruckner scheint mit diesen Erinnerungen und Wünschen zu spielen, ob das positiv oder negativ ist überlässt er allerdings seinen Leserinnen und Lesern. Sehr interessant, wenn auch ein wenig gewöhnungsbedürftig sind seine häufigen Ausflüge in den Dialekt. Diese modellieren die aufeinanderfolgenden Kurzgeschichten zu kleinen literarischen Figuren, die fast greifbar sind. In mir das das Dorf hat das Zeug zu einem großen österreichischen Roman zu werden. Bruckner ist ein großes Talent.
[10 von 10 Höllenfeuerchen]

(Markus Neumeyer, Rezension für buchteufel.at – Höllisch gute Buchtipps)


Sonja Henisch: [Rezension zu: Manfred Bruckner, „In mir das Dorf“]

Vorsicht! Mit der unauffälligen Zeitmaschine wirst du fortgetragen in eine nicht ganz so ferne und doch ganz andere Vergangenheit. Der Autor nimmt dich mit in die Tage seiner Kindheit, lässt dich das Dorfleben miterleben, ja dich teilhaben an den Aufregungen, Nöten und Sorgen, entführt ins städtische Studentenleben und nach einer kurzen Suche nach Max auf einen Abstecher nach Frankreich.
Es ist immer ein kleiner Haken, der aus der ländlichen Atmosphäre in ein weiteres, fremdländisches Metier führt, man muss genau suchen, wo der Haken liegt. Genial durchbricht der Autor die Lebensansätze und lässt erkennen, dass er wahrlich kein Landei ist. Wer Freude an der Listigkeit des Textes und keine Scheu vor Dialektpassagen hat, dem ist das Buch zu raten. Ein amüsanten und spannendes Leseabenteuer.

(Sonja Henisch, Rezension im Pappelblatt. Zeitschrift für Literatur, Menschenrechte und Spiritualität, Heft 17, Sommer 2019, S. 60)


Silvia Matras: [Rezension zu: Manfred Bruckner, „In mir das Dorf“]

Nach Innerhofers „Schöne Tage“ gab es lange keine Romane über das Leben auf dem Land. Nach einer Welle von Familiengeschichten aus dem ehemaligen Ostdeutschland, dem ehemaligen Russland oder auch Georgien vermerke ich nun eine Rückwendung zu einer Literatur über das Leben in österreichischen Landen. Peschkas jüngster Roman „Putzt euch, tanzt, lacht“ oder Monika Hellers „Bagage“ sind nur einige Beispiele.
ABER: Selten war eine Geschichte so identisch, so glaubwürdig und deshalb auch so intensiv, wie die Manfred Bruckners. Er schließt in der Wirksamkeit an Innerhofer an: Wuchtig, identisch, unprätentiös.
Es ist anzunehmen, dass Manfred Bruckner seine eigene Geschichte hier niederschrieb. 1968 in einem kleinen Dorf im Ybbstal geboren, dort in die Schule gegangen, dann nach Wien zum Studieren, danach in die Welt gezogen, erinnert sich der Autor an Szenen aus seiner Kindheit am Bauernhof. Er nennt das Kind den Ongabaun Fredl. Ohne Verklärung, aber auch ohne Anklage schildert er die raue Art miteinander umzugehen. Oft sind es der Mangel an Zeit – außer Arbeit und Wirtshaus kennen die Männer nichts – ,aber auch die Sprachlosigkeit, die die Menschen so hart erscheinen lassen. Man nimmt hin, wenn der Lehrer Kinder „watschn“ oder nach ihnen mit dem Schuh wirft. Man nimmt hin, wenn sich Bauern aus Not und Verzweiflung umbringen. Der Tod ist allgegenwärtig. Aber auch der Humor! Denn Bruckner versteht es, selbtst den düsteren Seiten eine gewisse Gelassenheit und daraus resultierende Heiterkeit zu unterlegen. Der örtliche Dialekt gibt den Erzählungen nochmals eine extra Dimension. Da muss sich der Leser schon anstrengen, den zu verstehen. Am besten, man liest manche Dialektpassagen laut.
Geschickt verwebt Manfred Bruckner die Erlebnisse seiner Kindheit mit denen aus seinem späteren Leben. Wenn er als Student durch die Lande zieht, dann als „Gstudierter“ bis nach Ostasien kommt, schräge Erlebnisse verbinden sich mit skurrilen aus seiner Kindheit.
Ein gelungener Roman, der so angenehm aus der Flut der jetzigen Modewelle aus dem ländlichen Raum hervorsticht.

(Rezension erschienen auf Silvia Matras' Website, veröffentlicht am 18. April 2020)


https://www.silviamatras-reisen.at/manfred-bruckner-in-mir-das-dorf-verlag-der-bibliothek-der-provinz/