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Kurzbeschreibung

Die Mutter frisch verliebt in Mannheim, der Vater schwer krank in Wien, die sechzehnjährige Charlotte dazwischen: Deutschland oder Österreich? Wiener Freundesrunde oder Mannheimer Clique?

Da taucht Tayo auf. Der Flüchtling aus Nigeria reißt Charlotte aus ihrem Zwiespalt und begleitet sie auf einem Roadtrip von Mannheim nach Wien. Gegen den Willen ihrer Eltern, ohne Geld, ohne Reiseroute. Damit beginnt eine Odyssee, gepflastert von Offenbarungen und Hindernissen, die Charlotte in ein kompliziertes Gefüge aus Erwartungen und Wünschen zieht. Und am Ende bleibt die Frage: Wie viel wiegt eigentlich die Liebe?


Rezensionen
Hans-Ulrich Fechler: Sympathien für Flüchtlinge

Fabian Bursteins Jugendroman über eine Mannheimer Ausreißerin

Fabian Burstein leitet nicht nur das Kulturbüro und das Kulturzentrum Das Haus in Ludwigshafen. Der 35-Jährige schreibt auch Drehbücher und Romane. Vor zwei Jahren ist von ihm der Roman „Rosa Glas“ erschienen, eine Mediensatire und ein etwas schräger Krimi. Jetzt hat er einen Jugendroman geschrieben. „Wie viel wiegt die Liebe“ handelt vom Roadtrip einer Ausreißerin von Mannheim nach Wien.

Seit der Schilderung der Irrfahrten des Odysseus am Anfang der europäischen Literaturgeschichte erfreuen sich Reiseschilderungen ungebrochener Beliebtheit – auch im Film. Mit Roadmovies wie dem Klassiker „Easy Rider“ oder auch „Alice in den Städten“ und „Im Lauf der Zeit“ von Wim Wenders in den 60er- und 70er-Jahren hatte das Genre seine große Zeit.

Bursteins Roman erzählt eine Fluchtgeschichte: nichts auf irgendeiner Balkanroute, sondern von Mannheim nach Wien. Wer auch nur ein wenig über Fabian Bursteins Lebensgeschichte weiß, wird sich jetzt wahrscheinlich sagen: Aha, ein Roman, gesättigt mit eigenen Erfahrungen. Die naheliegende Vermutung stellt sich jedoch gleich auf den ersten Seiten als falsch heraus. Denn der gebürtige Wiener hat zwar zunächst in Mannheim das Jugendkulturzentrum Forum geleitet, bevor er vor zwei Jahren das Ludwigshafener Haus übernahm. Nichts deutet jedoch darauf hin, dass es derzeit irgendeinen Grund gäbe, warum er die Flucht zurück in seine Heimatstadt antreten sollte. Was aber als Einwand gegen den ersten Augenschein noch schwerer wiegt: Die Ich-Erzählerin in dem Roman des 35-Jährigen ist ein pubertierendes Mädchen.

In „Wie viel wiegt die Liebe“ muss die 16-jährige Charlotte gegen ihren Willen mit ihrer geschiedenen Mutter und deren neuem Freund von Wien nach Mannheim ziehen. Das geht ihr nicht nur deswegen gewaltig gegen den Strich, weil sie aus ihrem gewohnten Lebensumfeld gerissen wird. Darüber hinaus bedeutet der Umzug auch die Trennung von ihrem geliebten Vater, mit dem sie mehr verbindet als mit der Mutter. An Mannheim kann sie daher verständlicherweise nicht den geringsten Gefallen finden, und als sie auch noch erfährt, dass ihr Vater an Krebs erkrankt ist, hält sie nichts mehr in der fremden Stadt.

In der Schule hat Charlotte rasch Anschluss an eine Clique gefunden. Ein gewisser Chris hat ein Auge auf sie geworfen, aber Charlotte kann seine Gefühle nicht erwidern. Mehr Interesse weckt in ihr ein schwarzer Junge mit einer auffälligen Narbe im Gesicht. Als sie Tayo aus Nigeria während eines Konzerts im Jugendhaus näher kennenlernt, beschließen die beiden Hals über Kopf, nach Wien durchzubrennen. Es beginnt eine Reise in einem Bäckereiwagen zum Vergnügungspark Tripsdrill, von dort weiter im Bus einer Gruppe von Asylbewerbern zu deren Unterkunft nach Regensburg, schließlich bei Passau über die Grenze bis in die österreichische Hauptstadt.

Zwischendurch erzählt Tayo von traumatischen Erlebnissen mit der Terrororganisation Boko Haram, die seine Familie ausgelöscht und der er neben äußerst schmerzlichen Erinnerungen die tiefe Narbe im Gesicht als bleibendes Andenken zu verdanken hat. Außerdem taucht plötzlich Charlottes Verehrer Chris auf, der den beiden nachgereist ist und mit seiner Eifersucht für Turbulenzen sorgt. Denn Charlotte fühlt sich immer mehr zu Tayo hingezogen.

Der Roman orientiert sich deutlich am Film und lässt spüren, dass sein Verfasser auch Drehbücher schreibt. Er will vornehmlich unterhalten und keine schweren Weltprobleme wälzen. Dennoch ist Fabian Burstein auch merklich bemüht, beim Leser ein Mitgefühl mit Flüchtlingen zu wecken, die unter lebensgefährlichen Umständen aus ihren Heimatländern vor Terror und Gewalt fliehen. „Wir wollen gar kein Mitgefühl“, lässt er indes Tayo sagen, „sondern einfach nur eine Chance.“

Das Buch hat, so viel sei hier verraten, einen offenen Ausgang. Charlotte weiß am Ende nicht, ob sie wieder zur Mutter nach Mannheim muss. Auch die Frage, ob ihr Vater die Krebserkrankung besiegen wird, bleibt offen. Von dem Liebesbeweis seiner Tochter ist er jedoch sehr gerührt.

(Hans-Ulrich Fechler, Rezension in: Die Rheinpfalz, 27. Juni 2018)


Jürgen Haberer: Auf der Suche nach dem wahren Glück

Die Matinee in den Ausstellungsräumen von Korb Welzel hat am Sonntagvormittag wieder eindrucksvoll gepunktet. Vorgestellt von Robert Renk servierte Fabian Burstein zunächst literarische Feinkost. […]

Burstein, 1982 in Wien geboren, hinterfragt in seinen Romanen immer wieder gesellschaftliche Themen. Was bewirkt die immer rasanter um sich greifende Medialität, transportieren Casting-Shows einfach nur fatale Körperbilder oder sind sie bereits als zentrale Verbrechen der Fernsehlandschaft einzustufen? Wie wird ein Mensch eigentlich zum Messi?

Sein jüngster Roman „Wie viel wiegt die Liebe“, taucht in die Gefühlswelt einer 16-Jährigen ein, die sich mit den ersten großen Brüchen ihres Lebens konfrontiert sieht. Ihre Eltern sind geschieden, ihre Mutter reist sie aus der gewohnten Umgebung heraus, verpflanzt sie von Wien nach Mannheim, wo der neue Freund lebt. Charlotte hält es nicht lange aus. Gemeinsam mit einem jungen Nigerianer, einem Flüchtling, trampt sie zurück nach Wien.

Das Thema Flucht und Entwurzlung wird auf einer sensiblen und persönlichen Ebene angepackt, vor allem aber auch wunderbar humorvoll und voller Sprachwitz in einer Art „Roadmovie“ nacherzählt. Burstein begnügt sich mit dem ersten Kapitel, einem unfreiwilligen Stopp im Stau auf dem Weg nach Mannheim, einem Schlagabtausch zwischen Charlotte, ihrer Mutter und Arno, dem ungeliebten Neuen, der für Charlotte die Symbiose mit ihrer Mutter bedroht. […]

(Jürgen Haberer, Rezension im Schwarzwälder Boten vom 4. Juli 2018)


https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.hausach-auf-der-suche-nach-dem-wahren-glueck.f0594517-af84-4bcd-8f6c-58690cd3fe7f.html