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Kurzbeschreibung

Durch die Verknüpfung ungünstiger Umstände fiel Elfriede Alberich einem Würger in die Hände. Sie hörte noch jemanden hinter sich herlaufen. Zuletzt ihren dünnen Schrei.

Als sie wieder zu sich kam, war ihr das alles entfallen. Sie lag auf einer Liege oder Bahre. Drei weiß gekleidete Burschen umringten sie. Elfriede hielt sie für Sanitäter vom „Arbeiter-Samariter-Bund“. Erste-Hilfe-Leistungen auf Rummelplätzen und bei Sportveranstaltungen fielen in die Zuständigkeit des „Arbeiter-Samariter-Bundes“, wusste sie. Woher wusste sie es? Und was brachte sie auf die Idee, sich auf einem Rummelplatz oder Sportgelände zu befinden?

Die drei sahen recht jung aus für Sanitäter. Je älter man selbst wurde, desto jünger erschienen einem die Burschen. Soldaten, Feuerwehrmänner, Polizisten – alles die reinsten Kinder!



Rezensionen
Jutta Kleedorfer: Ein Gegenwartsroman über vier Freundinnen, die eine phantastische Zeitreise durch die Geschichte des Wiener Praters erleben

Elfriede Alberich hat eine langjährige, persönliche Beziehung zum Pratermilieu, da sie mit dem Hund der beiden Geisterbahnbetreiber, Chris und Aline, tagsüber spazieren geht. Sie liebt die weitläufige Parklandschaft rund um den Konstantinhügel und den Ententeich, den Auwald, aber auch den Wurstelprater. Dort hat sie ihre vier Praterfreundinnen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Adelheid, die resche Schießbudenbesitzerin, Ida mit dem Fahrradverleih und Tourette-Syndrom, die geschäftstüchtige Constanze von der Tabaktrafik und die zarte Aline mit ihrer Neigung zu Narkolepsie, die es ihr ermöglicht, „Schleusen der Erinnerung zu öffnen“.

Mit diesen vier Begleiterinnen taucht Elfriede in die faszinierende Geschichte des Wiener Praters ein, die mit der Öffnung des kaiserlichen Jagdreviers für das Volk durch Kaiser Josef II. 1766 beginnt und bis heute Vergnügungs- wie Erholungszentrum für Jung und Alt ist. Es folgt eine Zeitreise der Freundinnen, die das Leben und Treiben im Wiener Wurstelprater von seinen Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart auf humorvolle wie phantastisch-skurrile Weise erleben bzw. kommentieren. Am Schluss meint Elfriede in einem alptraumartigen Parallel-Universum gelandet zu sein, das sich jedoch als ein natürliches Ereignis im Leben eines jeden Menschen entpuppt.

Mit Elementen des „Nouveau Roman“ verwebt die Autorin Personen und Persönlichkeiten aus Gegenwart und Vergangenheit. Sie verknüpft historische und zeitgeschichtliche Entwicklungen wie Spielorte kunstvoll miteinander. So kommt im tragenden Sub-Thema die Komplexität der österreichischen und der speziellen Wiener Mentalität zum Vorschein. Eine typische Redewendung dafür ist, „sich einen Karl machen“, d. h. Spaß, Freude und Vergnügen haben und selbst Spaß machen. Diese Lebenseinstellung klingt schon im anfangs vorangestellten Zitat von Wolfgang Amadeus Mozart an: „Geh’n ma in den Prater, geh’n ma in die Hetz! Geh’n ma zum Kasperl! Der Kasperl ist krank, der Bär ist verreckt, und der Prater ist voll Dreck!“

Diese fröhlichen und gleichzeitig subversiven Denk- und Verhaltensmuster leben die Praterfreundinnen ausgiebig aus und bieten beim Lesen lustvolle, witzige und schräge Unterhaltungsmomente.

(Jutta Kleedorfer, Rezension in den bn.bibliotheksnachrichten #2019/4, S.720)


http://www.biblio.at/rezonline/ajax.php?action=rezension&medid=369707&rezid=57102