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Günter Egger – DER DIE DAS BÜCHER

25 Arbeiten in Mischtechnik 2014 bis 2018, 42×32,5 cm

Günter Egger

ISBN: 978-3-99028-779-8
28,5×22 cm, 72 Seiten, zahlr. farb. Abb., Hardcover
20,00 €
Lieferbar

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Leseprobe (PDF)



Kurzbeschreibung

[…] Meine Schwester fand beim Ausräumen der Keusche in der Nachtkastllade des Schlafzimmers und am Dachboden die Bücher. Sie fragte mich, was man mit ihnen machen solle. Von der Schönheit der Bücher fasziniert, verstaute ich sie in einem Karton. Erst Jahre später erinnerte ich mich an sie. Vielleicht war jetzt die Zeit reif geworden, sie in Bilder umzusetzen. Die Bücher der „Weitiza“ sind Religionsbücher auf Deutsch und Slowenisch, Schul-, Sagen-, Märchen- und Sparbücher, ein Buch über das Schusterhandwerk, Haushaltskalender … Zum Lesen damals für mich nicht von Interesse. Die Illustrationen aber mit großen Augen angeschaut. Sie auch liebend gern mit Kritzi Kratzi versehen. Die aufkommenden ausgeborgten Comic-Heftln hatten auf mich naturgemäß die stärkere Anziehungskraft.

Über drei Jahre hinweg brachte ich das, was die Zeitumstände aus diesen Büchern gemacht hatten, zu Papier. Habe sie beobachtet, belauscht. Mit Blei- und Buntstiften, Tintenblei, Aquarellfarben, Ölkreide, Deckweiß, in Mischtechnik sozusagen. Das Zeichenpapier ist einem alten Buchhaltungsbuch entnommen. Ich bemerkte, dass sich der Ordnungsraster – er dient dazu, Zahlen aufzuzeichnen, Abrechnungen zu notieren – zu von mir gewünschten graphischen Resultaten verwaschen ließ. Das konnte ich gut in meine Zeichnungen integrieren. Die Bücher selbst musste ich akribisch abbilden. Verwandelt waren sie ja. Ihren Geruch, ihre Oberflächenlandschaft, das Vergilbte, Spuren von Flüssigkeiten, das Kritzi Kratzi, Notizen, Heftklammern, Leinenstreifen, Fäden, Prägungen … wollte ich darstellen, festhalten.

Als wohlwollende Menschen bemerkten, dass ich diese Bücher zeichnete, brachten sie mir ihre Schätze. Einige davon habe ich den „Weitiza“-Büchern hinzugefügt, eines, handgeschrieben in klassischem Chinesisch, prompt verkehrt vor mich hingelegt und auch so gezeichnet.

Buchobjekte wie welke Blätter, die im Laufe der Zeit eine überraschende Poesie entfaltet haben. Fragmente, kaum noch Schriftstücke, Mischwesen: halb Zeugen menschlichen Daseins, halb bloßes Material, das sich anschickt, in den Kreislauf der Natur zurückzukehren. Diese Mischung aus Hinfälligkeit und Durchhaltevermögen erweckte in mir den Wunsch, sie zu bewahren. Sie wurden vor meinen Augen lebendig, als hätten sie die Empfindungen ihrer ehemaligen Besitzer angenommen und würden damit Zeugnis von der Existenz dieser Menschen ablegen.

Lebendig geworden ist für mich auch eine Welt an einer Zeitenwende, wie ich sie in den Ölbildern und Holzschnitten des Künstlers Werner Berg sehe. Sie erzählen von einem Menschenschlag, der an einer alten agrarischen Lebensform festhält, sich nur zögernd und allmählich von ihr löst. […]

(Günter Egger)




[artedition · Verlag Bibliothek der Provinz]


Rezensionen
Michael Ritter: [Rezension]

Ein Kunstbuch über Bücher zeigt faszinierende Zeichnungen von alten Büchern, die viel über die papierne Kultur der Schrift berichten können.

In einer ausführlichen Einleitung berichtet der österreichische Künstler Günter Egger vom Zustandekommen des vorliegenden Buches. Der kleine Hof des Großvaters ist der Ausgangspunkt, erbaut vom in Amerika verdienten Geld, und dann vom alleinstehenden Onkel bewohnt – so lernt Egger ihn als Kind kennen. Als das Haus dann später abgerissen werden muss, bleiben die Bücher übrig, die Egger nachhaltig faszinieren. Er beginnt sie zu zeichnen und erhält nun immer neue Objekte, die eben diese Faszination stützen und weitertreiben. Das vorliegende Kunstbilderbuch zeigt nun diese Bücherbilder. Auf weitem Weißraum ist immer ein Buch auf der rechten Seite der Doppelseiten zu sehen, das auf einem Papier liegend fast fotorealistisch abgebildet ist. Technisch beschreibt Egger seine Arbeiten als Mischtechniken: Blei- und Buntstifte, Tintenblei, Aquarellfarben, Ölkreide, Deckweiß. (siehe Vorwort). Das Ergebnis sind Bilder, die die Bücher fast greifbar aus dem Untergrundpapier heraustreten lassen. Die Details und die Spezifik der alten, zum Teil sehr zerstörten und zerfallenen Bücher, die Details, die Egger in den Blick rückt, richten den Fokus auf das Besondere der papierenen Buchkultur. Im Zeitalter der Digitalisierung werfen sie die Frage nach der Spezifik des Buchartigen und der analogen Ästhetik neu auf. Ohne begleitende Worte vermag das Buch dann auch zu faszinieren und Einblicke zu geben, die aufgrund ihrer virtuellen Haptik beeindrucken. Es richtet sich als Bilderbuch sicherlich eher an erwachsene Lesende und Betrachtende, ist diesen aber nachhaltig zu empfehlen.

(Michael Ritter, Rezension für die Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft [AJuM der GEW] Landesstelle Sachsen-Anhalt, veröffentlicht am 28. März 2019)


https://www.ajum.de/rezension/der-die-das-buecher




Weitere Bücher des Autor*s im Verlag:


Günter Egger – AUS DER ZEITUNG


SCHWIMMER, KASTEIE DEIN FLEISCH

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