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Kurzbeschreibung

[Coverabb.: Gabriele Quasebarth]

Mit jedem Schritt fällt etwas ab. Ein wenig leichter. Viele Schritte sind es. Vom kalten dunklen Bahnhof in die neue Welt. Ungefähr ahnt sie den Weg ins Zentrum. Sie kommt von weit her, obwohl nur eine Stunde Bahnfahrt hinter ihr liegt. Sie entscheidet, den Geleisen der Tramway zu folgen.
Sie müssen wohl an einem Ort von Wichtigkeit enden. Sie geht. Ihre derben Gesichtszüge, ihre hagere Gestalt, ihr grobes Kleid mit den viel zu kurzen Ärmeln, ihr riesiger Rucksack mit den Stockflecken. Dennoch fühlt sie sich richtig hier. Sie weiß es, da ist sie richtig. Da könnte es so etwas wie Zukunft für sie geben. (Rosa)
Am schlimmsten sind nicht die durchwachten Nächte. Nicht die Abgründe seiner kurzen Träume. Am schlimmsten ist das morgendliche Auftauchen in das Nichts. Das absolute Nichts. Viel Erinnerung. Hier aber nichts. Und was weiter sein soll? Keine Aussicht. Auf nichts. Die Kälte der morgendlichen Stube durchbohrt ihn richtiggehend. Die Milch gefroren zwischen den Fenstern. Kalt. Geräusche einer drohenden Explosion dringen aus dem gusseisernen Ofen. So ähnlich auch das Gefühl in seinem Kopf. Reduziert. Auf diesen Raum. Auf sich selbst. (Johann)

Die Erzählung Bittersegen stellt stark verdichtetet die Schicksale zweier Menschen, die den politischen, gesellschaftlichen und sozialen Erschütterungen und Katastrophen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der österreichischen Provinz ausgeliefert sind, in den Mittelpunkt: Rosa und Johann. In ländlicher Armut und gesellschaftlicher Randständigkeit lebend, schaffen sie es, ihren erdrückenden Schicksalen zumindest Wendungen zu geben, versuchen sie Ausbrüche mit unterschiedlichen Ausgängen.





Aufzeichnung der Lesung „Drei Pils bitte!“ vom 1. April 2022 in Langenlois, Niederösterreich, Teil 1: Senta Baumgartner „Bittersegen“ (von literadio, Sendereihe litnoe – Literatur aus Niederösterreich, Erstausstrahlung: 04.04.2022, Redakteur: Christian Berger)


Rezensionen
Martin Kalchhauser: Buchpräsentation: „Wichtig im Leben ist Mut“

Senta Baumgartner ließ Fakten in fiktive Erzählung aus der Kindheit einfließen.

„Bittersegen“ heißt der Buch-Erstling der Autorin Senta Baumgartner (58), die bereits zwei Schulbücher und (gemeinsam mit ihrem Gatten, dem Journalisten Othmar Pruckner) einen Reiseführer zu Künstler-Gedenkstätten geschrieben hat. Ihre Erzählung ist über einen langen Zeitraum hinweg entstanden. „Es stand nie im Blickpunkt, den Text zu veröffentlichen.“
In die kleine, sehr dichte Geschichte über ein Frauenleben aus der Großmutter-Generation der Autorin sind anhand der Rolle einer gewissen Rosa – einem Puzzle gleich – viele fiktive Elemente eingeflossen. „Ich wollte darüber schreiben, wie mutig diese Menschen ihr oft so schweres Schicksal gelebt haben.“ Mit ihrer Erzählung möchte Baumgartner „Mut machen, Mut zum Weitergehen, auch heute“.
Zu schreiben begonnen hat die Lehrerin an einer PTS in Wien übrigens bereits, als ihre mittlerweile erwachsene Tochter Helene noch klein war. „Dabei ist eine Menge Kreativität frei geworden.“ In ihrem Repertoire finden sich mehrere noch unveröffentlichte Hörspiele und Sketches, die meist in der Welt ihrer Schüler spielen.

(Martin Kalchhauser, Rezension in der NÖN Ausgabe Krems, online veröffentlicht am 30. Oktober 2021)


https://www.noen.at/krems/gobelsburg-buchpraesentation-wichtig-im-leben-ist-mut-gobelsburg-buchpraesentation-senta-baumgartner-print-297740342