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Kurzbeschreibung

[Texte von Max Lang.]
[artedition | Verlag Bibliothek der Provinz.]


Neues Tierleben einhauchen

Während der zweiten „Krönchenzeit“ sind mir die freien Ideen vergangen, daher suchte ich nach einer schweren Knochenarbeit, die das Eingesperrtsein vollkommen aussperrte.
Meine gewohnte Kunstmache, z. B. weisse, monochrome, abstrakte und meditative Ornamenttafeln (skulptural), verlangten eine Schöpfungspause.
Da packten mich stark bedrohte Tierfotografien am Schlafittchen.
Durch Ab-, Nach- und Neuzeichnen und Malen versuchte ich den Gefährdeten Tieren in meiner Sicht neues Leben einzuhauchen. Ungeduldig wie ich, drängen sie aus dem Din A4 Format zu entkommen, weil ihnen auch dort der Platz zu klein wird.
Die Köpfe und Körper werden neu komponiert, durch Über- und Untertreibungen, Weglassungen und Dazugaben bekommen die Tierwesen meine persönliche Note. Auch das Drumherum ist von mir inszeniert.
Wichtig ist auch, dass man sich selber an- und auslachen kann. Dieses schelmische Schmunzeln versuchte ich auch an diesen seltenen Physiognomien auszuprobieren, und so lachten sie mich an und aus.
Schön wäre es, wenn diese außergewöhnlichen Geschöpfe mit ihrer Strahlkraft in meinen Nachbildungen nicht verblassen und gewisse Bewunderung hervorrufen würden.
Mittelalteriger Herzspuckaffe präsentiert sein Bestes. Schneeeule grossaugt uns verzaubernd. Wiener Ziesel riecht in freudiger Habachtstellung an Gelbblütigem. Eine Mandrillin mit Hängebusen nimmt mütterlich ihr Baby in schützende Obhut. Das Arkalwildschaf krönt sich mit fossilamonitigen Kreishörnern. Die Dolchstichtaube blutet zierlich und schnäbelt Blühendes. Buntfrosch nimmt Anlauf, um aus dem Papierraum zu entkommen. Hirschebers Zähne durchstossen den Rachenraum kreuz und quer bis zu den Augen. Die Lemurenart hypnotisiert augenstechend und krallt Naturzeichen ins Papier. Antilope wittert himmelwärts. Zauneidechse hauptthront insektenzüngelnd. Koboldmaki turnt alle Viere grossblauäugig und angeberisch mit kugeligen Fingerkuppen. Der Eulenschwalm erträgt einen hoffärtigen Kroneprachtfinkpapagei kopffederkraulend.
Ob ledern, knochig, pelzig, haarig, federig oder hornig, Hauptsache Maulwinkel hochgezogen.
Zipfeliger Unschuldschauer; nacktmullischer Hepatitenbeisser; drachiger Wasserrotzüngler; Axolotischer Geweberegenerierer; Nasenschleckkatze mit Ohrenschmuck. Philippinisches Krokodil berührbar, ziert im Rachen tintige Liebesmale. Kopfüberflughündisch verpisst er sich coronaunschuldig. Der Dachs liebäugelt schweinsschnäuzig. Mittelspecht hämmert wie belämmert. Felsenpinguin hüpft vor Schlangentanz. Unterwasserdrache feuerzüngelt doppellippig.

(Tone Fink)



Heute, nach dem Mittagessen,
bin ich die Straße hinabspaziert
und ein bunter Vogel ist mir
entgegengekommen, schüchtern
hat er in die Auslage eines
geschlossenen Geschäfts geschaut,
sein Spiegelbild zurechtgerückt:
die Perrücke, den Ausschnitt,
den Rock, darunter die Beine,
die Lippen, ganz langsam
haben sie sich bewegt,
als spräche er mit sich selbst
oder als antworte er
auf den Ruf eines Freiers.

(Max Lang)