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Kurzbeschreibung

[Herausgeber | Editors | Редактори: Martin Behr, Christian Wiedner.
Kollektiv | Collective | Колектив „Creating History Together * 2012/22“: Martin Behr, Oleg Gryshchenko, Johanna Hierzegger, Herwig G. Höller, Otmar Lichtenwörther, Rostyslav Oleksenko, Colette M. Schmidt, Nicole Selmer, Anna Sorokovaya, Andrij Senkin, Christina Töpfer, Christian Wiedner.]


2012 kamen Fußballfans aus ganz Europa zum UEFA-EURO-Finale nach Kiew.
2022 kamen die Raketen aus Russland.


Am 1. Juli 2012 fand im Olympiastadion von Kyjiw das Finale der UEFA EURO 2012 statt. Zu diesem Spiel reisten Fußballfans aus aller Welt in die ukrainische Hauptstadt, um das Spiel Spanien-Italien zu sehen. Was damals niemand ahnen konnte: Es war der Vorabend zu einer Zeit, die von Krise und Krieg bestimmt werden sollte. 2012 war Kyjiw von den Insignien einer globalen, durchkommerzialisierten Fußballkultur besetzt, der Grazer Fotograf Martin Behr dokumentierte drei Tage lang die kommerzielle Eventisierung eines Fußballfinales, an der sich viele global player des westlichen Kapitalismus beteiligten. „Der ausgelassenen Volksfeststimmung steht das Aufeinandertreffen von städtischer Architektur und der temporären Infrastruktur und grellen Werbeästhetik einer Großveranstaltung gegenüber, die unter dem Slogan ,Creating History Together' im Sommer 2012 in verschiedenen Städten Polens und der Ukraine ausgetragen wurde“, schrieb Camera Austria-Chefredakteurin Christine Töpfer in „Tagebuch – Zeitschrift für Auseinandersetzung“ über die Fotoserie „Finale“.

Die Inszenierungen der UEFA, aber auch der westlichen Großfirmen im urbanen Raum der ukrainischen Hauptstadt erscheinen seit Beginn des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine am 24. Februar dieses Jahres in einem anderen Licht, bekommen eine neue Relevanz. Aus diesem Grund lässt ein internationales Kollektiv, das sich „Creating History Together 2012/22“ nennt, die Sommertage von einst Revue passieren und ergänzt die Bilder zur Fußball- und Kommerzshow mit subjektiven Berichten und kritischen Analysen sowie Illustrationen, die in den vergangenen Wochen unter dem Eindruck von Krieg und Zerstörung entstanden sind. Der Journalist Herwig G. Höller (APA, „Der Standard“, „Die Zeit“) steuert einen Text über die gesellschaftspolitische Situation von 2012 bei, Nicole Selmer (stellv. Chefredakteurin „ballesterer“) reflektiert ihre Eindrücke, die sie aus mehreren Reisen in die Ukraine gewonnen hat, der ukrainische Sportjournalist Andrij Senkin (Tribuna.com und Ex-Moderator des Programms „TaToTake“) beschreibt die Schatten von Korruption und Manipulation, die über dem scheinbar unbeschwerten Fußballfest lagen und bis in die Jetztzeit nachwirken.

Diese Texte sowie eigene Erfahrungen haben den ukrainischen Künstler und Grafiker Oleg Gryshchenko zu sechs Illustrationen über das vergangene wie gegenwärtige Geschehen motiviert. Der nach wie vor in Kyijw lebende Gryshchenko lässt in seinen Motiven die Zeitebenen und damit auch das Betriebssystem Fußball mit den Ahnungen und Erscheinungsformen des Krieges verschmelzen. Christian Wiedner (Agentur Satz & Sätze) zitiert in der grafischen Konzeption der Publikation die Ästhetik der Sammelalben der italienischen Firma „Panini“ und verweist damit einmal mehr auf die von Kommerzialisierung durchdrungene Fußballwelt. Das Projekt ist zur Gänze privat finanziert, viele Beteiligte haben auf Honorare verzichtet, der Gesamterlös der im Verlag Bibliothek der Provinz erscheinenden Publikation kommt dem Grazer Koordinationsbüro des Projektes „Office Ukraine. Shelter for Ukrainian Artists“ im Kunstzentrum zugute.



Rezensionen
Michaela Reichart: Ein Finale am Vorabend der Krise

Graz: Ein Kunst-Fußball-Buch unterstützt ukrainische Künstler auf der Flucht
Das Endspiel der UEFA EURO 2012 fand in Kiew statt. Fotos aus dieser Zeit kombiniert das von Martin Behr & Christian Wiedner herausgegebene Buch „Finale“ zehn Jahre danach mit Grafiken und Texten, die auf die aktuelle Situation Bezug nehmen.

Das Buch, das dieser Tage im Verlag Bibliothek der Provinz erscheint, ist aus einem Zusammenschluss von ukrainischen und steirischen Künstlern und Publizisten entstanden. Es vereint eine zum Finale der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Kiew aufgenommene Serie des Grazer Fotokünstlers Martin Behr mit neuen Grafiken von Oleg Gryshchenko. Der ukrainische Grafiker reflektiert in seinen sechs Arbeiten Vergangenes und versetzt es mit heutigen Eindrücken. Behr erzählt in seinen Bildern hingegen von der Diskrepanz z[w]ischen historischen Bauten und mit Werbung überfrachteten temporären Infrastruktureinrichtungen[.]
Textbeiträge von Christina Töpfer, Herwig A. Höller, Nicole Selmer und Andrij Senkin, die sich sowohl mit der gesellschaftspolitischen Lage in der Ukraine als auch mit der 2012 im Schatten von Korruption und Manipulation veranstalteten sportlichen Großveranstaltung in Kiew befassen, ergänzen das ungewöhnliche Buch. Für dessen Erscheinungsbild, das übrigens nicht zufällig an die „Panini“-Sammelalben erinnert, zeichnet Christian Wiedner verantwortlich. „Creating History Together“ nennt sich das Kollektiv, das mit dem Reinerlös dieser Publikation das „Office Ukraine. Shelter for Ukrainian Artists“ im Grazer Kunstzentrum unterstützen will. Das Projekt wurde übrigens zur Gänze privat finanziert.

(Michaela Reichart, Rezension in der Steirerkrone vom 11. August 2022, S. 27)