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Kurzbeschreibung

[Hrsg.: Daniel Lohninger.
AutorInnen: Martina Hermann, Viktoria Neunteufel, Harald Winkler.
Mitarbeit: Christina Oberforster.
Hrsg. im Auftrag der Stadt Gmünd.]


Weltgeschichte wurde in Gmünd nie geschrieben, aber: Es gibt in Mitteleuropa nur wenige Kleinstädte, deren historische Entwicklung über Jahrhunderte so eng mit der Weltgeschichte verbunden ist wie jene von Gmünd. Deshalb überrascht es, dass sich die Geschichtswissenschaft bislang nur in Einzelaspekten mit Gmünd beschäftigt hat – denn selten findet man Schauplätze, die unmittelbarer Zeugnis über die geopolitischen Entwicklungen vor allem im 19. und 20. Jahrhundert ablegen als Gmünd.
Gmünd ist – auch das ein Resultat der Geschichte – mit allen anderen Städten des Waldviertels nicht vergleichbar. Keine andere Stadt im Waldviertel erlebte im 19. Jahrhundert einen ähnlichen Aufschwung, keine andere Stadt im Waldviertel verspürte die Folgen des Ersten Weltkrieges mit mehr als 30.000 Flüchtlingen unmittelbarer, keine andere Stadt im Waldviertel das Ende der Monarchie schmerzhafter und den »Anschluss« der abgetretenen Gemeinden unter dem Hitler-Regime euphorischer als Gmünd. Keine andere Waldviertler Stadt war so unmittelbar Zeuge der brutalen Vertreibungen der Deutschsprachigen aus der Tschechoslowakei, keine andere Waldviertler Stadt hatte unter dem »Eisernen Vorhang« mehr zu leiden als Gmünd – das jahrzehntelang am Ende der »freien Welt« lag und von seinen früheren Vororten direkt durch den todbringenden Stacheldraht getrennt war. 1989 erlebte wohl keine andere Waldviertler Stadt eine größere Euphorie als Gmünd, deren Bürger plötzlich entdeckten, dass ihre Stadt nicht am »Ende der Welt«, sondern im Mittelpunkt ­Europas liegt – und heute ist Gmünd wahrscheinlich jene Stadt, in der das grenzenlose Europa so hautnah Realität ist wie sonst nirgendwo in Österreich.
Die vorliegende Stadtchronik versteht sich in diesem Sinne und aus eben diesen Gründen weniger als allumfassende Chronik, die alle Aspekte der 800-jährigen Stadtgeschichte dokumentiert, sondern als historische Arbeit, die sich eingehend mit ausgewählten Facetten der Stadtgeschichte beschäftigt und die Grundlage für die künftige geschichtswissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Stadt Gmünd liefern soll. Zugleich soll »Gmünd – Chronik einer Stadt« ein leicht lesbares Sachbuch sein, das Geschichte nicht nur nachvollziehbar, sondern auch lebendig machen will – ein Buch, das die einzigartige Geschichte von Gmünd dokumentiert, ohne dabei auf den Alltag jener »einfachen« Menschen zu vergessen, die über all die Jahrhunderte unbeachtet an der Zukunft dieser Stadt gearbeitet haben.

(Daniel Lohninger im Vorwort)