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Kurzbeschreibung

Die Erlebnisse des Hausmeistersohnes Ernst öffnen ein Zeitfenster, von Beginn bis Ende der 1960er Jahre. Schauplatz ist der Sozialbau LAWOG, das Personal sind einfache Menschen am äußeren Rand einer Kleinstadt.


Wohngegenden, die sich außerhalb eines Stadtrandes befinden, werden im Allgemeinen gerne als „Glasscherbenviertel“ bezeichnet. Meist sind dies Standorte sozialer Wohnbauten, umgeben von Fabriken, Industriestandplätzen, Schutthalden und anderem Müll. Auch das Gebiet rund um das alte Bahnhofsgebäude in Grieskirchen, einer 5000-Einwohnerstadt ländlicher Prägung im Herzen Oberösterreichs, kam in den sechziger Jahren zu dieser abschätzigen Bezeichnung. Das Bahnhofsviertel wurde in ein „Glasscherbenviertel“ umgetauft. Nicht offiziell, versteht sich.
Die Geschichten aus dieser Gegend sind wahre Begebenheiten, jedoch mit zum Teil geänderten Namen von Personen. Es sind Anekdoten und banale Alltags­geschichten aus längst vergangener Zeit, Ereignisse, die mit großer Wahrscheinlichkeit niemals in die Geschichte der Menschheit eingehen werden. Viel zu gewöhnlich, viel zu unbedeutend würden Historiker sie beurteilen, um sie auch nur in einer kleinen Aufzeichnung der Nachwelt zu erhalten. Für den Autor hingegen waren sie allesamt einzigartig und gut genug, um sie niederzuschreiben, auf Papier zu bringen und das Geschehene doch nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Vielmehr noch sollte in diesem Zusammenhang das trügerische Bild ehrbarer Menschen ins rechte Licht gerückt werden. Von sogenannten Autoritätspersonen, die sich in Ausübung ihrer Pflicht an minderjährigen, wehrlosen Schülern gewaltsam vergriffen hatten und sich körperliche Züchtigungen selbst legitimierten. Durch das Einbinden der Comic-Sprache in die Erzählungen soll das Geschehene, um es mit einem möglichen Schundheftel-Titel zu formulieren, als eine „Späte Rache“ an den brutalen Übeltätern wahrgenommen werden.

(Ernst Lugmayr, „Das Wort zum Buch“)



Rezensionen
Michaela Krenn-Aichinger: Geschichten aus dem Glasscherbenviertel

Der Schriftsetzer und Hausmeistersohn Ernst Lugmayr erzählt Episoden aus seiner Jugend in den 60er Jahren.

Das Bahnhofsviertel, in dem der Grieskirchner Hausmeistersohn Ernst Lugmayr aufgewachsen ist, wurde in den sechziger Jahren wenig schmeichelhaft in „Glasscherbenviertel“ umgetauft. Rund um den Grieskirchner Bahnhof türmten sich riesige Schutthalden mit Abbruchmaterial auf. Nach und nach entstanden neben den Fabriken soziale Wohnbauten, in die Arbeiterfamilien einzogen.

Bei manchen Lehrern hatten die Kinder aus einfachen Verhältnissen einen besonders schweren Stand. „Dass wir Kinder vom Bahnhofsviertel anders behandelt wurden, haben wir von manchen Lehrern schon zu spüren bekommen, wir wurden geprügelt, erniedrigt und gedemütigt. Wir haben uns vor den Lehrern gefürchtet“, erzählt Ernst Lugmayr. Der 62-Jährige möchte in seinem ersten Buch „Freiheit, Fortschritt, Marmeladebrot – Geschichten aus dem Glasscherbenviertel“ auch das trügerische Bild ehrbarer Autoritätspersonen ins rechte Licht rücken, die sich an wehrlosen Schülern gewaltsam vergriffen hatten.

Von klein auf bis zum Ende der Hauptschulzeit lebte Lugmayr als „da Hausmastabua“ in einem sozialen Wohnbau und bekam vieles davon mit, was sich im Viertel abspielte. Das hatte auch mit dem Beruf seiner Eltern zu tun. „Sie waren eine Anlaufstelle für alles Mögliche, die Menschen kamen ihren Anliegen und Sorgen zu ihnen.“

Anekdoten aus dem Grätzel
In zehn Kurzgeschichten erzählt er Episoden aus seiner Kindheit in den 60er Jahren. Für den Autor sind es einzigartige Geschichten, aus einem Grätzel, das es fast in jeder Stadt gibt, die nicht in Vergessenheit geraten sollen.

Daraus ein Buch zu machen, das hatte der gelernte Schriftsetzer, der jetzt in Tollet lebt, schon lange im Hinterkopf. Ein Freund hat ihn dann ermuntert, sein Projekt auch umzusetzen und sich seine Kindheits- und Jugenderlebnisse von der Seele zu schreiben. Rund eineinhalb Jahre arbeitete er an dem 188 Seiten starken Buch, bis er den Schritt wagte, es an einen Verlag zu schicken. Und gleich der erste Verlag, der niederösterreichische Verlag Bibliothek der Provinz, hat seinen Erstling veröffentlicht. Vielleicht folgt noch ein Hörbuch mit Musik aus der damaligen Zeit nach, Lugmayr spielt selbst in einer Band, den „Ruby Tubes“.

Am Samstag findet die Premierenlesung statt, der Ort dafür ist unüblich, aber passend: das Bahnhofbuffet in Grieskirchen.

(Michaela Krenn-Aichinger, Rezension in den Oberösterreichischen Nachrichten vom 30. Juni 2015)


http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/Geschichten-aus-dem-Glasscherbenviertel;art67,1878671


Astrid Windtner: Grätzelgeschichte

Glasscherbenviertel, Grieskirchen in den 1960er Jahren: Hier ist der Autor Ernst Lugmayr aufgewachsen und schildert im Buch „Freiheit, Fortschritt und Marmeladebrot“ seine Kindheits- und Jugenderinnerungen. „Es sind Anekdoten und banale Alltagsgeschichten aus längst vergangener Zeit, Ereignisse, die mit großer Wahrscheinlichkeit niemals in die Geschichte der Menschen eingehen werden. Für den Autor hingegen waren sie allesamt einzigartig und gut genug, um sie niederzuschreiben, auf Papier zu bringen und das Geschehene doch nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.“

In zehn Kurzgeschichten werden Einblicke in das Leben der Nachkriegszeit im Grieskirchner Bahnhofsviertel geboten. Besonders eindringlich beschrieben sind die Episoden aus der Schulzeit, von sadistischen Fachlehrern, bei denen die „Gsunde Watschn“ zum Alltag gehörte. Mit großer Genauigkeit und bis ins kleinste Detail sind manche Erinnerungsmomente gezeichnet, etwa die Verwendung des Pelikan-Füllhalters des Fachlehrers für Deutsch, Geschichte und Geografie. Als Gustostück zu empfehlen ist die Geschichte „Schweinerei“ – reine Comedy 1963 in Grieskirchen. Die Leserinnen und Leser können ein Stück weit oberösterreichische „Grätzel“-Geschichte – persönlich und auch humorvoll erzählt – erleben.

(Astrid Windtner, Rezension in: Kulturbericht Oberösterreich. Monatsschrift der OÖ Kultur, 71. Jg., Folge 01, Jänner/Februar 2017, S. 14)


http://www.land-oberoesterreich.gv.at/files/publikationen/K_Kulturbericht.pdf