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Kurzbeschreibung

[Hrsg. vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus; Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Wasserbau; Traisen-Wasserverband]


Das Buch beschreibt die wechselvolle Nutzungsgeschichte der Traisen mit eindrucksvollen Bildern, Karten und historischen Dokumenten. Der Fluss war über viele Jahrhunderte eine bedeutende Achse der Wirtschaftskraft und der Innovation. Andererseits bedrohten seine Überflutungen die wirtschaftliche Existenz des Menschen. Oft genügten schon kleinere Hochwasser, um an den Fludern, Wasserrädern oder Gebäuden gravierende Schäden anzurichten.

Schwerpunkt des Buches bildet die Darstellung der wasserbaulichen Eingriffe, die sich an der Traisen bis in die Römerzeit zurückverfolgen lassen. Ab dem ausklingenden 18. Jahrhundert lässt sich die Geschichte des Wasserbaus genauer illustrieren, da es aus dieser Zeit bereits Pläne, Protokolle und schriftliche Quellen für die Regulierungsmaßnahmen gibt. Diese Dokumente belegen die wasserbaulichen Probleme, die trotz aufwendiger Eingriffe über viele Jahrzehnte kaum abnahmen. Das verzweigte und somit „verwilderte“ Flussbett sollte „korrigiert“, d.h. auf einen Hauptarm eingeengt und begradigt werden. Ziel der Verbauungen war es, der Flusslandschaft neues Kulturland abzuringen und künftige Flussbettverlagerungen zu unterbinden. Bei den Regulierungsmaßnahmen im 20. Jahrhundert spielte der Hochwasserschutz eine immer wichtigere Rolle.

Ausführlich beschäftigt sich das Buch auch mit den gewässerökologischen Veränderungen infolge der flussbaulichen Maßnahmen und Kraftwerkserrichtungen. Behandelt werden auch die jüngsten Revitalisierungsmaßnahmen an der unteren Traisen im Rahmen der LIFE-Projekte.



Die Traisen: Rückblick – Ausblick

Ein kürzlich erschienenes Sachbuch beschreibt die wechselvolle Nutzungsgeschichte der Traisen mit eindrucksvollen Bildern, Karten und historischen Dokumenten. Die Traisen ist Paradebeispiel für einen besonders intensiv genutzten Fluss, am Beispiel der Traisen lässt sich Umweltgeschichte schreiben.

Ein in St. Pölten geborgener Gedenkstein aus der Römerzeit, der dem Flussgott Neptun anlässlich einer Regulierung gewidmet wurde, ist einer der ältesten Belege für flussbauliches Handeln überhaupt. Bei den Eingriffen der Römer nördlich der Alpen handelte es sich in der Regel allerdings um kleinere Maßnahmen, da sie Gewässer als heilige Objekte betrachteten.

Viel gravierender waren die Auswirkungen der Wasserkraftnutzungen ab dem Spätmittelalter. Da das Wasser der Traisen durch Mühlbäche ausgeleitet wurde, trocknete ihr Flussbett bei Niederwasser fallweise aus. Zudem war das Gewässerkontinuum durch zahlreiche Wehranlagen unterbrochen. Wie katastrophal die Zustände bereits im 16. Jahrhundert waren, belegt der Umstand, dass der Kaiser eigens zum Schutz der Traisen eine Fischordnung erließ. In diesem Gesetz legte er fest, dass die Wehranlagen einen abgesenkten Bereich aufweisen müssen, damit die Fische aufsteigen können. Dabei handelt es sich wohl um den ältesten Nachweis einer Fischaufstiegshilfe überhaupt. Untersagt war auch eine vollständige Ausleitung des Traisen-Wassers, damit die Fische und die Fischbrut nicht geschädigt würden. Die Fischordnung ist auch ein Beleg dafür, dass es bereits im 16. Jahrhundert ein umfangreiches biologisches Wissen gab. Den Menschen war bekannt, wie wichtig das Gewässerkontinuum für die Vermehrung der aus der Donau aufsteigenden Fischbestände ist. Wie aktuell diese Fischordnung noch immer ist, zeigt der Umstand, dass uns heute ähnliche Probleme beschäftigen.

An den Ufern der Mühlbäche entwickelte sich eine vielfältige Gewerbelandschaft. Neben Getreidemühlen gab es Schleifmühlen und Hammerwerke für die Eisenindustrie, Walkmühlen für die Tucherzeugung, später auch Hadernmühlen für die Papiererzeugung, Sägemühlen für die Holzverarbeitung und unterschiedliche Werke zum Zerkleinern wie Knochen-, Öl- und Pulverstampfen. St. Pölten gilt als die Wiege der österreichischen Papierindustrie, da hier im 15. Jahrhundert die erste Hadernmühle errichtet wurde.

Für die Traisen lässt sich die Geschichte des Wasserbaus ab dem ausklingenden 18. Jahrhundert genauer illustrieren, da es aus dieser Zeit bereits Pläne, Protokolle und schriftliche Quellen für die Regulierungsmaßnahmen gibt. Diese Dokumente belegen die wasserbaulichen Probleme, die trotz aufwendiger Eingriffe über viele Jahrzehnte kaum abnahmen. Das verzweigte und somit „verwilderte“ Flussbett sollte „korrigiert“, d.h. auf einen Hauptarm eingeengt und begradigt werden. Ziel der Verbauungen war es, der Flusslandschaft neues Kulturland abzuringen und künftige Flussbettverlagerungen zu unterbinden. Bei den Regulierungsmaßnahmen im 20. Jahrhundert spielte der Hochwasserschutz eine immer wichtigere Rolle. So war es durch den technischen Fortschritt möglich, Siedlungen und technische Infrastruktur immer effektiver vor Hochwasser zu schützen.

Mit dem Gewässerausbau nahm die Strukturvielfalt stark ab: Kiesbänke, Totholzablagerungen, Autümpel oder Steilufer sind in der heutigen Flusslandschaft selten geworden. Dieser Umstand spiegelt sich u.a. auch in der Zusammensetzung der Flora und Fauna wider. Auch die Fischfauna wird durch zahlreiche Unterbrechungen des Gewässerkontinuums und strukturarme Lebensräume stark verändert.

In jüngerer Zeit beschäftigen sich auch zahlreiche Wasserbauprojekte mit der Aufwertung des monotonen Gerinnes. Ein gelungenes Beispiel ist das zwischen 2008 und 2016 umgesetzte LIFE-Projekt. In diesem Rahmen wurde die hart regulierte Flusslandschaft im Mündungsabschnitt auf eine Länge von zehn Kilometern umgestaltet und die Mündung in die Donau naturnah gestaltet. Zudem wurde die Traisen im Bereich von Pottenbrunn (St. Pölten) im Rahmen eines UFG-Projekts revitalisiert.



Rezensionen
Martin Kugler: „die wasser vasst geödet“

Umweltgeschichte. Ein neues Buch zeigt, dass die Traisen schon vor 500 Jahren über Gebühr genutzt wurde – und dass es schon damals viel Wissen über Gewässerökologie gab.

Weitestgehend in ein enges Bett gepresst, scheint die Traisen auf den ersten Blick als uninteressanter Fluss – man rufe sich nur das sterile Bild vor Augen, das sich im Regierungsviertel von St. Polten bietet. Doch sieht man etwas genauer hin, wird aus dem Donauzubringer ein spannendes Gewässer. Das hat der Landschaftsökologe Heinz Wiesbauer – wieder einmal – getan: Sein eben erschienenes Buch über die Traisen (192 S., Verlag Bibliothek der Provinz, 20 €) ist voller faszinierender Fakten und Geschichten – die gleichzeitig den Umgang von uns Mitteleuropäern mit Gewässern illustrieren.

Die 78 Kilometer lange Traisen entspringt in den Kalkalpen und weist v. a. im Oberlauf ein hohes Gefälle auf. Das ermöglichte den Menschen schon früh, die Kraft des Wassers zu nutzen: Bereits ab dem Spätmittelalter entstanden Getreide-, Schleif- und Sagemühlen, Hammerwerke, Schmelzhütten (mit wasserbetriebenen Blasebälgen), Hadernmühlen sowie Knochen-, Öl- und Pulverstampfen. Wegen der stetigen Hochwassergefahr wurden diese Anlagen nicht direkt am Fluss gebaut, sondern etwas abseits. Dazu errichtete man zahlreiche Mühlbäche, die das Wasser der Traisen ableiten.


Keine Strukturvielfalt

Die meisten Werke dieser einst florierenden Gewerbelandschaft sind längst Geschichte, die Folgen sind aber bis heute unübersehbar: Entlang des Flusses gibt es unzählige Wehranlagen, Dämme und Ufersicherungen sowie Dutzende Kilometer Mühl- und Werkbäche. Viele frühere Nebenarme wurden zwecks Gewinnung von Kulturland trockengelegt, vor allem ab dem 19. Jahrhundert entstanden große Hochwasserschutzbauten, die die Ökologie weiter beeinträchtigten. „Mit dem Gewässerausbau nahm die Strukturvielfalt stark ab: Kiesbänke, Totholzablagerungen, Autümpel oder Steilufer sind selten geworden“, so Wiesbauer. Entsprechend sind Lebensräume etwa für Flussregenpfeifer, anspruchsvolle Fischarten oder die Deutsche Tamariske verschwunden.


Umfassende Fischordnungen

Heute wissen wir über die Zusammenhänge zwischen Wasserbau und Leben Bescheid, dies ermöglicht ökologische Verbesserungen – sehr erfolgreich etwa bei der Renaturierung des zehn Kilometer langen Traisen-Mündungsbereichs in die Donau. Doch auch unserer Vorfahren verfügten bereits über reiches biologisches Wissen, wie Wiesbauer belegen konnte: Er stieß bei den Recherchen auf eine Fischordnung, die Kaiser Ferdinand I. im Jahr 1541 für die Traisen erließ – auf Basis von Fischordnungen seiner Vorfahren Maximilian I. und Friedrich III.

„Diese Fischordnungen zeigen, dass die kaiserliche Verwaltung bereits im 16. Jahrhundert gewässerökologische Probleme erkannte und nach entsprechenden Lösungen suchte“, erläutert Wiesbauer. „Sie belegen nicht nur die gravierenden Auswirkungen der Uberfischung, sondern auch das Wissen um die Bedeutung des Gewässerkontinuums, das für die Vermehrung der aus der Donau aufsteigenden Fische eine entscheidende Rolle spielt.“


Restwasser und Fischaufstiege

Die damals festgeschriebenen Forderungen gleichen auf verblüffende Weise heutigen Maßnahmen für ökologische Verbesserungen von Fließgewässern – von Beschränkungen des Fischfangs über vorgeschriebene Restwassermengen bis hin zu Fischaufstiegshilfen. So wurde schon vor 500 Jahren der Fang von Jungfischen verboten – das geschah u. a. durch ein „Brittelmaß“, das die Mindestmaschenweite von Netzen und Reusen angab. Gefordert wurde weiters, dass nicht zu viel Wasser zu den Werken ausgeleitet werden dürfe, sodass genügend Restwasser im Traisenbett zurückblieb – „damit die Fischbrut nicht verdorre“. Überdies sollten die Wehranlagen über einen etwa zwei Meter breiten abgesenkten Bereich verfügen, sodass sie von schwimmstarken Fischen auch flussaufwärts überwunden werden konnten. Diese Maßnahmen bezeugen nicht nur ökologisches Wissen, sondern auch, dass sich die Traisen schon an der Wende zur Neuzeit in einem beklagenswerten Zustand befand. Im Fischereipatent von Maximilian I. findet sich die Bemerkung, dass „die wasser vasst geödet“ seien. Das blieb im Grunde bis in die 1970er-Jahre so – als das Gewässer noch braun und mit Schaumkronen „geziert“ war. „Ekel kommt einem hoch … Die Tatsache, daß alle Fische in der Traisen sterben, das Baden unmöglich geworden ist und auch das Grundwasser im Einzugsgebiet verseucht wird, mahnt zu raschem Handeln“, schrieb die „St. Pöltner Zeitung“ 1961.

Das geschah dann auch: Der Bau von Kläranlagen ließ die schlimmsten Probleme verschwinden, und Revitalisierungsmaßnahmen verbesserten die Situation so weit, dass die Traisen heute immerhin wieder über Gewässergüteklasse II verfügt und 38 Fischarten beherbergt. Die Auswirkungen des massiven jahrhundertelangen Wasserbaus werden aber trotzdem noch viele Generationen nach uns zu spüren haben.


(Martin Kugler, Rezension in der Presse vom 22. Juni 2019, S. W2)


https://diepresse.com/home/premium/5647710/Umweltgeschichte_die-wasser-vasst-geoedet


derStandard.at: Die Traisen: Porträt eines seit langer Zeit intensiv genutzten Flusses

Landschaftsökologe Heinz Wiesbauer veröffentlicht sein drittes Fluss-Buch

Die Traisen im niederösterreichischen Mostviertel wurde ab dem Spätmittelalter intensiv genutzt: Getreide-, Schleif-, Walk-, Hadern- und Sägemühlen, Hammerwerke, Knocken-, Öl- und Pulverstampfen beeinträchtigten den Fluss so sehr, dass der damalige Kaiser Ferdinand I. Fischaufstiegshilfen verordnete – für den Landschaftsökologen Heinz Wiesbauer ein „außerordentliches Beispiel für nachhaltiges Denken an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit“.

Wiesbauer hat sich in den vergangenen Jahren in Büchern nicht nur den Wildbienen und Lebensräumen wie Trockenrasen oder Hohlwegen gewidmet. Er hat auch die Flüsse Salzach und Ybbs aus verschiedensten Blickwinkel erforscht und legt nun mit „Die Traisen – Rückblick – Ausblick“ sein drittes Fluss-Porträt vor. Der rund 80 Kilometer lange Fluss in Niederösterreich sei ein „Paradebeispiel eines besonders intensiv genutzten Flusses“, an dessen Beispiel sich Umweltgeschichte erzählen lasse, berichtet der Autor.


Bis zur Austrocknung

Auch wenn ein bei St. Pölten geborgener Gedenkstein aus der Römerzeit ein früher Zeuge einer Flussregulierung ist – so richtig los ging es mit den wasserbaulichen Eingriffen ab dem Spätmittelalter, als im gesamten Traisental Mühlbäche entstanden, die Wasser zu Gewerbebetrieben ableiteten. Die Traisen sei dadurch massiv beeinträchtigt worden, bei Niederwasser fiel das Flussbett trocken. „Wie katastrophal die Zustände bereits im 16. Jahrhundert waren, belegt der Umstand, dass der Kaiser eigens für die Traisen eine Fischordnung erließ“, so Wiesbauer.

In dem Gesetz legte Ferdinand I. 1541 fest, dass Wehranlagen einen abgesenkten Bereich aufweisen müssen, damit die Fische aufsteigen können. Zudem wurde die vollständige Ausleitung des Flusswassers untersagt, um die Fische und ihre Brut nicht zu schädigen. Für Wiesbauer sind derartige Schutzbestimmungen zu einem so frühen Zeitpunkt „nicht nur ein Beleg für die gewässerökologischen Probleme, sondern auch dafür, dass es bereits damals ein biologisches Wissen gab“.


Bemühungen zur Revitalisierung

In den darauffolgenden Jahrhunderten verwandelten Regulierungen die Traisen, so wie die meisten anderen Flüsse, zu einem monotonen Gerinne. Erst in jüngster Zeit wurden zahlreiche Revitalisierungsprojekte durchgeführt. Wiesbauer hebt dabei die Umgestaltung der hart regulierten Flusslandschaft im Mündungsgebiet der Traisen über eine Länge von zehn Kilometern hervor, eine der größten Flussrevitalisierungen in Österreich. „Wo noch vor kurzem ein geradliniges Flussbett verlief, mäandriert heute ein naturnahes Gerinne mit vielfältigen Lebensraumbedingungen für Tiere und Pflanzen“, schreibt Wiesbauer.


(Rezension im Online-Standard vom 10. Juni 2019)


https://derstandard.at/2000104513847/Die-Traisen-Portraet-eines-seit-langer-Zeit-intensiv-genutzten-Flusses