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Kurzbeschreibung

Kleeblatt kreist um vier Hauptfiguren: Konrad, Marie, Tobias und Adele, die alle ein ausgeprägtes Faible für Literatur haben. Sie bilden nicht nur beziehungsmäßig ein Kleeblatt, sondern auch ideologisch, sind sie doch federführend an der Organisation einer Demonstration beteiligt, die das politische Leben im Österreich der späten 2010er-Jahre entscheidend beeinflusst. Nicht zuletzt ist das Buch auch ein Wien-Roman, der die Sinnlichkeit der Donau-Metropole und die Lebenskonzepte von middle-class-Mittvierzigern nachempfinden lässt.

Konrad hatte seit Mitte der neunziger Jahre eine eigene Anwaltskanzlei im ersten Bezirk. Seither versuchte er Paaren zu einer möglichst kostengünstigen und vereinnehmlichen Scheidung zu verhelfen. Eben hatte er den Fall Rosenberger hinter sich gebracht. Editha und Robert Rosenberger hatten ganze zwei Jahre gebraucht, um sich über die Aufteilung der angehäuften Güter und vor allem über die Betreuungsrechte und -pflichten für die beiden Kinder, Fabian und Helena, zu einigen. Manchmal fragte sich Konrad, wie lange es seine Profession wohl noch geben würde.
Wo doch kaum noch jemand heiratete! Aber der Zustrom an Klienten riss nicht ab. Konrad hatte sich schon eine Dachgeschosswohnung, ein Haus im Burgenland und eine Luxus-Limousine von all der Scheidungswilligkeit der Wienerinnen und Wiener kaufen können. Jede zweite Ehe landete, rein statistisch gesehen, vor dem Scheidungsanwalt. Tendenz steigend. Und da die Tendenz zur Verheiratung in den letzten zwei Jahren auch wieder gestiegen war, bedeutete das, dass er sich um seine Brötchen und um den Kaviar darauf auch in Zukunft keine Sorgen machen musste.



Rezensionen
Kirstin Breitenfellner: [Rezension zu: Nicole Streitler, „Kleeblatt“]

Scheidung schwebt in der Welt der Fourtysomethings in der Wiener Literaturszene immer im Raum. Immerhin ist Konrad Anwalt, spezialisiert auf Trennungen. Seine Frau Marie arbeitet als Verlagslektorin und schreibt selbst Romane. Tobias leitet die Kulturbeilage einer Zeitung, Adele ist Lehrerin. Man trifft sich im Theater oder beim Heurigen, in Wien und in der Wachau.

Die Protagonisten von Nicole Streitlers zweitem Roman bilden Wahlverwandtschaften, dabei sind sie Seelenverwandte. Ihr Herz glüht für die Avantgarde, ihr Zorn richtet sich gegen eine rechte Partei namens HPÖ, gegen die sie eine Demo organisieren. Der Code zu diesem satirischen Schlüsselroman ist problemlos zu „knacken“, aber Streitler geht es auch gar nicht darum, jemandem etwas auszurichten. Mit Leichtigkeit und Humor zeichnet sie das Sittenbild einer „Bubble“ – und legt damit auch eine Hommage an Wien vor.

(Kirstin Breitenfellner, Rezension erschienen im Falter #11/2021 vom 19. März 2021, S. 32)


https://www.falter.at/zeitung/20210317/neue-buecher/_6d6c6c5de9