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Kurzbeschreibung

Ein Mann und eine Frau brechen in den Luberon im Süden Frankreichs auf, die Gedichte des französischen Poeten und Widerstandskämpfers René Char (1907–1988) im Gepäck. Von den Gerüchen des kargen Landstrichs eingekreist, geraten sie ins Netz der dortigen Geschichten, in denen sich Vergangenes und Gegenwärtiges verschränken.
Bei ihren Fahrten übers Land haben sie einen ständigen Begleiter: die mythische Figur des großen Jägers Orion. In ihm begegnen sich zwei Formen des Gewaltsamen. Das unverfügbar Gewaltsame im Wilden der Natur – aller Technik zum Trotz – und das verfügbar Gewaltsame in den Händen des Menschen, das aufblitzt in jenen Rissen und Spalten der Zeit, wo Entscheidungen möglich werden, die in letzter Instanz gebieten können über Grauen oder Glück.
Vielleicht ist es die Reibungszone zwischen zwei Fragen, die die Figuren in diesem Roman umtreibt. Erstens, ist Gewalt des Menschen gegen seinen Mitmenschen rechtfertigbar? Zweitens, wozu Gedichte?


Jahrzehnte ist es her, dass es mich verschlagen hat. Als Fremder war ich angekommen, hier, im Kargen, wo damals noch ein militärisch bewachter Zaun das Gebiet im Norden des Dorfes hermetisch abschottete, zu einer Zeit, als kaum jemand daran dachte, dass Nicht-hier-her-Gehörige sich an einen solchen Ort verirren würden. Unwissend und neugierig war ich damals kurz nach meiner Ankunft zu dem hohen Zaun hingegangen, der, wie meine erste Erkundigung zeigte, eine Ausbreitung des Dorfes über den Friedhof hinaus, zum hügelig aufsteigenden und dicht bewachsenen Hinterland hin, abrupt beendete. Ich hatte die mir absurd erscheinende Grenze noch nicht erreicht, von dem Zaun trennten mich vielleicht zwei oder drei Meter, da traten zwei Uniformierte mit angelegter Waffe aus den Büschen und herrschten mich an. Verschwinden solle ich. Schnell.