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Die Kompositionen der Brüder Johann und Josef Schrammel · Band 1: Die Märsche

Johann und Josef Schrammel, Walter Deutsch

ISBN: 978-3-99028-884-9
30 x 21 cm, 416 Seiten, zahlr. S/W-Abb., Notenbeisp., Hardcover; Text dt., Einf. auch in engl. Spr. / Beigefügt: 1 Audio-CD
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Kurzbeschreibung

[Nach der Sammlung Lois Böck ediert, ergänzt u. kommentiert von Walter Deutsch.
Hrsg. von Wiener Volksliedwerk, ORF-Landesstudio Wien & Österreichisches Volksliedwerk.
English introduction: Douglas Mountjoye.
Korrektorat, Lektorat u. redaktionelle Betreuung: Erika L. Sieder.]


„Die Märsche“ der Brüder Johann und Josef Schrammel sind Teilband I der projektierten Gesamtedition der Schrammel-Originalkompositionen. Die Publikation erschließt erstmals ihr Werk in seiner musikalischen Bedeutung und gesellschaflichen Stellung im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die „Märsche“ waren Teil der Musikkultur Wiens und begeisterten Handwerker, Händler, Klein- und Großbürger sowie den Adel der Stadt gleichermaßen.
Jede einzelne Komposition zeigt neben ihrer Entstehungsgeschichte auch jene des jeweiligen Widmungsträgers. Der gewidmete Marsch war für jeden einzelnen ein musikalisches Geschenk von höchster Qualität, und wurde dementsprechend freudigst und großzügigst belohnt.
Johann und Josef Schrammel sind in Bezug auf ihre Zeitgenossen Johann und Josef Strauß als kompositorisch gleichwertig anzusehen. Die Realisierung der Kompositionen erfolgte bei den „Schrammeln“ in der Kleinform „Quartett“, bei den Brüdern Strauß in großer, wechselnder Orchesterbesetzung. Beide zeigen jedoch eine idente instrumentale Satzstruktur: zwei Melodiestimmen, Bass und Begleitakkorde.
Eine Vielzahl von Zuschreibungen anonymer und fremder Märsche an den Komponisten Johann Schrammel spiegelt dessen Popularität.
Heute noch sind die „Märsche“ der Brüder Schrammel lebendiger Bezug der musikalischen Erinnerung an die „Schrammeln“. Manche ihrer Märsche sind zeitlos. Sie repräsentieren mit ihren Themen und Motiven das „Wienerische“ in der Musik.



Die „Märsche“ der Brüder Johann und Josef Schrammel bilden den ersten Band der Gesamtausgabe ihres kompositorischen Schaffens. Der Hauptteil ihrer Werke liegt in der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus und im Archiv des Wiener Volksliedwerkes. Weitere Materialien sind verstreut in öffentlichen Sammlungen archiviert, im Besitz der Nachfahren, einige Werke sind unauffindbar oder verloren. Anhand der erfassten Überlieferungsgeschichte jedes einzelnen Werkes liegt mit Band I die wissenschaftlich fundierte Edition der „Märsche“ vor.

„Wiener Musik“, hier dargestellt am Beispiel der melodisch-rhythmischen Kategorie im Zweischritt, ist ein in sich geschlossener Stilkreis mit unzähligen Themen unterschiedlichster Charakteristik. Das Klangbild der spezifischen Gattung „Märsche“ zeigt sich in der Melodik. Sie besitzen – ohne die Norm des gegebenen Formverlaufs zu sprengen – eine musikalisch substantielle Einzigartigkeit und Qualität in den Kompositionen der Brüder Schrammel. Sie sind ein letzter Höhepunkt des Wienerischen in der Musik ihrer Stadt. Diese einmalige stilistische Färbung prägt nicht nur ihre Märsche, sondern ebenso ihre Tänze und Lieder.

Ihre kunstvollen melodischen Schöpfungen sind durchzogen von spezifisch ländlichen Motiven und Figuren aus der musikalischen Tradition ihres Vaters und gepaart mit dem Wienerisch urbanen bürgerlichen Stil. Diese singuläre Ausformung zeigt sich in der gesamten Tanz- und Unterhaltungsmusik der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Wien.

Johann und Josef Schrammel sind zu ihren Zeitgenossen Johann und Josef Strauß als kompositorisch gleichwertig zu sehen. Bei den „Schrammeln“ erfolgt die Realisierung der Kompositionen in der Kleinform „Quartett“, bei den Brüdern Strauß in großer, wechselnder Orchesterbesetzung, jedoch in beiden mit identer instrumentaler Satzstruktur: zwei Melodiestimmen, Bass und Begleitakkorde.

Die „Schrammeln“ musizierten für die unterschiedlichsten sozialen Schichten der Wiener Gesellschaft, für das Publikum beim Heurigen, in den Gasthäusern, in den Sälen der Etablissements und Separées der Nobelhotels, in den Salons und Gärten der wohlhabenden Bürger oder in den Stadtpalais des Adels, und in den Hauptstädten Europas. So schreibt der „Pester Lloyd“ nach dem Gastkonzert der „Schrammeln“ in Budapest:
Wir Budapester sind zur Ueberzeugung gekommen, daß die „Schrammeln“ eine ganz merkwürdige Wiener Spezialität sind, welche neben ihren musikalischen Eigenschaften auch die Fähigkeit besitzt, die hohen und tiefen Spitzen der Societät zu einem glückseligen Einvernehmen zu bringen“. (Pester Lloyd, 7. Jänner 1888. In: Schrammelalbum, S. 12. Wienbibliothek, I.N.-81.929.)

Die Jahre ihres gemeinsamen Wirkens waren nur kurz (1883–1893). Manche ihrer Kompositionen sind in Druck erschienen, doch nur wenige eigenhändige Musikmanuskripte sind erhalten geblieben. Mit der vorliegenden Edition der „Märsche“ konnten bereits einige Wissens- und Materiallücken zum Gesamtwerk der Brüder Johann und Josef Schrammel geschlossen werden. Die beiliegenden Tondokumente aus der bewußten Pflege der Kompositionen der Brüder Schrammel vermitteln sowohl den Originalsatz mit Klarinette, wie auch die heute noch gültige Instrumentation mit der Wienerischen Harmonika.

Wie beliebt Schrammel-Kompositionen im 21. Jahrhundert sind, zeigen die „Thalia-Schrammeln“, die „Philharmonia-Schrammeln“, die „Neuen Wiener Concert Schrammeln, das „SchrammelKlang. Festival“ in Litschau, sowie Veranstaltungen im Bregenzerwald und Quebec (Kanada), um nur einige Namen der zahlreichen Ausführenden und Orte zu nennen.

(Walter Deutsch im Nachwort)