Warenkorb
0€ 0

Kurzbeschreibung

[Mit einem Beitrag von Dirk van Husen.
Hrsg. vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus und vom Amt der OÖ Landesregierung, Abteilung Wasserwirtschaft.]


Die Traun bildete ab dem Spätmittelalter das Rückgrat für die wirtschaftliche Entwicklung des Salzkammerguts. Auf ihr transportierten die Schiffer das Salz zu den Absatzmärkten, auf ihren Zubringern gelangte das getriftete Holz zu den Sudhäusern. Im Salzkammergut waren die Bedingungen für die Produktion und den Handel von Salz nicht einfach, da die Holzvorräte stark limitiert und der Transport auf der Traun alles andere als einfach waren. Doch mit Handelsbarrieren und der Förderung der eigenen Salzproduktion gelang es den Habsburgern, die mächtige Konkurrenz im Zaum zu halten.
Der Wasserbau spielte stets eine übergeordnete Rolle, da er den Transportweg für einen florierenden Salzhandel bereitete. Bereits im 15. Jahrhundert wurde der Traunfall für die Schifffahrt bezwungen, indem ein befahrbarer Kanal angelegt wurde. Schon zuvor war es gelungen, den „Wilden Laufen“ – eine Kataraktstrecke in Goisern – zu entschärfen. Damit die Transporte auch in Niederwasserperioden durchgeführt werden konnten, errichtete man am Traunsee und am Hallstätter See Klausen, die bei Bedarf zusätzliches Wasser abgeben konnten. Dennoch war vor allem die Untere Traun nur schwer befahrbar, da der stark aufgefächerte Flusslauf viele Untiefen aufwies und nach jedem Hochwasser seine Gestalt änderte. Anders als an vergleichbaren Flüssen versuchte man hier schon viel früher, mit Flechtzäunen und Faschinen das Gerinne einzuengen. Lange Zeit allerdings nur mit beschränkten Erfolg, wie sich anhand der Regulierungsgeschichte zeigen lässt. Erst ab der Wende zum 20. Jahrhundert gelang es durch massive und durchgängige Verbauungen, den Fluss seiner Dynamik zu berauben. Jedoch mit dem Effekt, dass er sich innerhalb weniger Jahre im Welser Raum massiv eintiefte.
Die Regulierungsmaßnahmen und vor allem die Kraftwerkserrichtungen haben die Flusslandschaft stark verändert. Dieser Umstand spiegelt sich u.a. auch in der Zusammensetzung der Flora und Fauna wider, sind doch viele Charakterarten der Wildflusslandschaft verschwunden.
Seit einiger Zeit beschäftigen sich mehrere Wasserbauprojekte mit der Aufwertung der Traun, um die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen. Ziel ist es, sowohl die gewässerökologische Situation zu verbessern, als auch den notwendigen Hochwasserschutz für die angrenzenden Siedlungen sicherzustellen.



Rezensionen
Oberösterreichische Nachrichten: „Traun im Fluss“: Wie der Mensch die Traun verändert hat

Von ihrem Ursprung im Toten Gebirge bis zur Mündung in die Donau entwässert die 153 Kilometer lange Traun den überwiegenden Teil des Salzkammerguts.

Bereits ab dem Spätmittelalter war der Fluss das Rückgrat der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Region. Auf welch vielfältige Weise der Mensch in die Entwicklungsgeschichte der Traun eingegriffen und damit seine Umwelt verändert hat, zeigt das neue Buch „Traun im Fluss“ des Landschaftsökologen Heinz Wiesbauer. Seine Salzvorkommen haben das Salzkammergut „über die Jahrhunderte zu einer bedeutenden Schatzkammer der Habsburger gemacht“, schreibt Wiesbauer in dem vom Landwirtschaftsministerium und dem Land Oberösterreich herausgegebenen 250-seitigen Buch. Auf der Traun wurde das Salz zu den Absatzmärkten transportiert, über ihre Zubringer das in den Sudhäusern benötigte Holz. Eine entsprechend übergeordnete Rolle spielte daher der Wasserbau, ging es doch darum, den Transportweg für den florierenden Salzhandel möglichst einfach und gefahrlos zu gestalten.
Wiesbauer, der in früheren Büchern bereits umfassende „Porträts“ von Flüssen wie der Traisen, der Salzach oder der Ybbs vorgelegt hat, beschreibt in dem reich bebilderten Werk, wie sich im Salzkammergut schon früh großes wasserbauliches Wissen entwickelt hat. So wurde bereits im 15. Jahrhundert mit der Anlage eines befahrbaren Kanals der Traunfall für die Schifffahrt bezwungen. Schon zuvor war es gelungen, den „Wilden Laufen“ – eine Kataraktstrecke in Goisern – zu entschärfen. Am Traunsee und am Hallstätter See wurden Klausen errichtet, die zusätzliches Wasser abgaben, um auch bei Niederwasser fahren zu können.
Thomas Seeauer war einer dieser Pioniere des Wasserbaus, der nicht nur an der Traun, sondern auch bei der Regulierung der Enns und der Moldau sein Wissen einbrachte. Er war nur einer von vielen „Schlüsselkräften“ aus dem Salzkammergut, die in den Ländern der Monarchie und darüber hinaus für Planung und Errichtung von Triftanlagen, Klausen und Rechen eingesetzt wurden.
Wie stark dann im ausgehenden 19. Jahrhundert gesetzte Regulierungsmaßnahmen den Fluss veränderten, zeigt etwa, dass sich die Traun im Bereich von Wels massiv eintiefte. Das verringerte zwar die Hochwassergefahr für die Stadt, führte aber auch zur Unterspülung von Wasserbauten und Brücken.
Und die Traun wurde ärmer: Kaum noch Kiesbänke, Autümpel und Steilufer, sowie Barrieren in Form von Kraftwerken hatten tiefgreifende Auswirkungen auf die Gewässerökologie und einen Rückgang der Artenvielfalt zur Folge. Seit einiger Zeit bemüht man sich aber wieder um die Aufwertung der Gewässerlebensräume, beginnend mit der Verbesserung der Wassergüte über die Beseitigung von Barrieren für den Fischaufstieg bis zu Rückbauprojekten. Diese Revitalisierungsprojekte beenden Wiesbauers Zeitreise durch die Flussgeschichte der Traun.

(Rezension: nachrichten.at/apa, online veröffentlicht am 5. Januar 2022)


https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/traun-im-fluss-wie-der-mensch-die-traun-veraendert-hat;art4,3533229


Thomas Hödlmoser: „Industriespionage“: Wie die Erzbischöfe um den Salzhandel kämpften

Das Salz vom Halleiner Dürrnberg machte reich – zuerst die Kelten, später die Salzburger Fürsterzbischöfe, die aus den Gewinnen Prunkbauten in der Stadt Salzburg errichten ließen.
Und die Salzburger Landesherren waren nicht zimperlich, wenn es darum ging, die unliebsame Konkurrenz auf dem Salzmarkt zu bekämpfen. Schon 1196 hatte Erzbischof Adalbert Reichenhall und seine Salinen niederbrennen lassen. Hundert Jahre später verwüsteten von Salzburg abkommandierte Soldaten die Abbaustätten im Salzkammergut. Das war der Salzkrieg, mit dem Erzbischof Konrad seine Vormachtstellung beim Salzhandel (vergeblich) gegen die Habsburger schützen wollte.
Im „ewigen Wettbewerb“ zwischen Hallein und Hallstatt hätten die Erzbischöfe sogar eine frühe Form der „Industriespionage“ betrieben. Das schreibt der Landschaftsökologe Heinz Wiesbauer in seinem soeben erschienenen Buch über die Traun – jenen Fluss, der ab dem Spätmittelalter die Basis für das lukrative Salzgeschäft rund um Hallstatt wurde. So beobachtete Salzburgs Erzbischof Wolf Dietrich mit Argwohn, dass der Habsburger-Kaiser Rudolf II. ab 1595 eine Soleleitung von Hallstatt über Bad Ischl nach Ebensee bauen ließ, weil es dort noch genug Holz für die Befeuerung der Sudhäuser gab, wo die Sole verdampft wurde. Um sich ein genaueres Bild zu verschaffen, ließ der Erzbischof eine geheime Karte über die Leitung anfertigen […].
Der Streit ums Salz sollte Wolf Dietrich letztlich auch zum Verhängnis werden: Im Konflikt um die Salzverrechnung mit den Bayern kam es 1611 zum „Ochsenkrieg“, der mit der Besetzung Salzburgs und der Flucht des Erzbischofs endete. Er musste abdanken und starb in der Festungshaft. Das „weiße Gold“ spielte freilich noch lange eine wichtige Rolle – die Saline in Hallein wurde erst 1989 geschlossen.

(Thomas Hödlmoser, Rezension in den Salzburger Nachrichten vom 12. Jänner 2022)


https://www.sn.at/kolumne/geschaefte-und-geschichte/industriespionage-wie-die-erzbischoefe-um-den-salzhandel-kaempften-115310983


Edmund Brandner: Ein 153 Kilometer langer Kulturraum: Wie der Mensch die Traun gestaltete

Heinz Wiesbauer beschreibt in seinem neuen Buch die wechselvolle Geschichte des Flusses

Man neigt dazu, die Traun als Naturphänomen zu betrachten. Tatsächlich aber haben die Menschen im Salzkammergut kein anderes Stück Natur so sehr ihren Bedürfnissen angepasst wie die Traun. Im Verlauf der Jahrhunderte wurde der Fluss als Verkehrsmittel, als Energielieferant oder als Abwasserkanal benutzt. Seit dem Mittelalter wurde der Fluss reguliert, gezähmt, begradigt oder zuletzt wieder ausgeweitet. Der Mensch gab der Traun ihr heutiges Gesicht.
Der Wiener Landschaftsökologe und Autor Heinz Wiesbauer beschäftigt sich seit langem mit Flüssen. Jetzt hat er ein äußerst lebenswertes und wunderbar illustriertes Buch über die Hauptschlagader des Salzkammerguts geschrieben. „Traun im Fluss“ heißt es, und Wiesbauer nimmt seine Leser darin mit auf eine spannende Reise, in der die Geschichte unserer Region aus der Sicht des Flusses beschrieben wird. Müller, Traunschiffer, Holzknechte, Wehrenbetreiber, Traunreiter, Kraftwerkskonstrukteure: alle kommen sie in diesem Buch vor.
Wiesbauer tappt nicht in die Falle, melancholisch über die Kultivierung der Traun zu schreiben. Sachlich aber umso fundierter und mit Bezug auf viele alte Quellen zeichnet der Natur- und Kulturhistoriker nach, wie die Menschen den Fluss prägten und umgekehrt. Wie die Traun für die Salzschifffahrt nutzbar und ihre gefährlichen Passagen (Lauffen, Roitham) entschärft wurden. Wie das handwerkliche Expertenwissen, das bei der Zähmung der Traun entstand, in der ganzen Monarchie gefragt war. Wie die Eisenbahn die Salzschiffer und die Traunreiter ablöste – gerade rechtzeitig, bevor die Elektrizität entdeckt wurde und an der Ohlsdorfer Traun das erste Kraftwerk (Gschröff, 1888) entstand. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Traunschifffahrt Vorrang vor allen anderen Nutzungen. Jetzt durfte der Fluss plötzlich in seiner ganzen Breite aufgestaut werden.

Detailgenau und lebendig
Der Reiz von Wiesbauers Beschreibungen liegt auch in ihrer Detailgenauigkeit und Lebendigkeit. So beschreibt der Wiener, dass in Linz-Ebelsberg der Traunpegel kurzzeitig um 25 Zentimeter stieg, wenn die Gmundner ihre Seeklause öffneten, um eine Welle für die Traunschiffer auszulösen.

(Edmund Brandner, Rezension in den Oberösterreichischen Nachrichten vom 25. Januar 2022)


https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/ein-153-kilometer-langer-kulturraum-wie-der-mensch-die-traun-gestaltete;art71,3552570


Helmut Friedrichsmeier: [Rezension zu: Heinz Wiesbauer, „Traun im Fluss“]

Was wäre der TRAUNSPIEGEL ohne seinen Namensgeber, der Traun? Und so wie sich diese Zeitschrift namentlich von der Traun ableitet, so tun dies auch viele Orte und topographische Plätze nicht nur im Salzkammergut, sondern darüber hinaus in ganz Oberösterreich. Wie kaum ein anderer Fluss in Oberösterreich (von der Donau einmal abgesehen) prägt(e) und gestaltet(e) dieser Fluss unser Bundesland und im Besonderen natürlich das Salzkammergut von seinen Ursprüngen an.
Liest man nur die Herausgeberschaft am Beginn dieser Rezension, so würde man vielleicht nur ein „trockenes“, in sprödem Amtsdeutsch gehaltenes Werk erwarten, doch das Gegenteil ist der Fall. Es ist zwar kein ganz leicht lesbares Buch, sondern entspricht (beinahe) einem wissenschaftlich-dokumentarischen Anspruch, doch sollte es dem an der Traun interessierten Leser wert sein, sich in den Umfang und die Tiefe dieses Werks einzulassen. Klar strukturiert und im Prinzip doch leicht lesbar geschrieben, deckt es die vielfältigsten mit der Traun verbundenen Themen schwerpunktmäßig ab: von der Geologie, bis hin zur Geschichte sowie ökonomischen, logistischen (Salzschiffafhrt) und technischen Darstellungen (Wasserbauwerke). Manche Leser und Leserinnen mögen sich beispielsweise, wenn sie am Ufer der Traun gestanden sind, die Frage gestellt haben „wie haben die Leute wohl damals den Wilden Lauffen oder den Traunfall mit ihren Salzzillen gemeistert?“ In diesem Buch werden sie die Antwort auf diese Fragen finden und dabei auch auf hervorragende wasserbautechnische Leistungen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit stoßen. Damit wird einmal mehr klar, welche Bedeutung der Fluss für die ihn umgebende Landschaft und ihre Bewohner hatte. Er brachte ihnen nicht nur Einkommen und Lebensgrundlage, sondern schuf darüber hinaus auch gesellschaftliche und kulturelle Befindlichkeiten, die bis heute nachwirken. Dass der Fluss aber öfters auch Not über die Flussanwohner (Hochwasser) brachte, soll an dieser Stelle natürlich nicht verschwiegen werden.
Das Buch ist, wie bereits angedeutet, schwerpunktmäßig in einzelne Abschnitte gegliedert und, was die Attraktivität beim Lesen zusätzlich erhöht, durch ein umfangreiches Bildmaterial aufgelockert und ergänzt: historische Landkarten, Zeichnungen von Fluss-und Stadtansichten sowie historische und aktuelle Fotos.
Kurz, ein empfehlenswertes Buch für alle jene, die mehr über diesen für Oberösterreich so prägenden und schicksalhaften Fluss erfahren und wissen möchten. Und sollte man nach der Lektüre des Buches einmal etwas vergessen haben, dann lohnt sich ein neuerliches Hervorholen aus dem Bücherschrank, um wieder etwas nachlesen zu können.

(Helmut Friedrichsmeier, Rezension im Traunspiegel)