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Kurzbeschreibung

[Hrsg.: Helmut Swoboda.
Gestaltung: Doris Swoboda, Helmut Swoboda.
Interview: Lisa Ortner-Kreil ; Textbeitrag: Günther Holler-Schuster]

[artedition | Verlag Bibliothek der Provinz.]


Geht es nicht […] in der Kunst stets um Formen des Übergangs – von der Lebensrealität zur künstlerischen Verklärung bzw. von der Verklärung der Realität zur Erkenntnis durch die Kunst? Wenn wir die Kunstproduktion von Helmut Swoboda ansehen, könnte man auf diesen Gedanken kommen. Seine meist großformatigen Gemälde sind Zeugnisse dafür. Swoboda: „Anfang der 1990er Jahre habe ich Farbe über ein Bild geleert, weggewischt, und plötzlich sah ich eine Klamm vor mir. Die »Stillensteinklamm«, 18 km weg von Amstetten.“ […]
Helmut Swoboda geht […] durchaus im Sinne der Tradition mit der Malerei um, wenn er zunächst wahllos Farbe und Material auf die Bildfläche aufbringt. Er schüttet, tropft und wirft die Farbe aktionistisch auf den Bildträger, der am Boden liegt und lässt dem Material freien Lauf, indem er die Fläche kippt und so die Fließeigenschaften der Farbe ausnützt. In diesem Stadium ist noch nicht viel erreicht – das Urmeer scheint noch zu toben. Die weitere Behandlung mit Fetzen, Stöcken, Besen, Bürsten und Pinseln mag zum Erfolg beitragen. Die Spuren der Farbverteilung werden immer weniger vom Maler abhängig, sie scheinen von selbst geworden zu sein. Das Bild bekommt immer stärker den Charakter des Gewachsenen, des evolutionär Entstandenen. Natürlich leitet nicht nur das Erleben der „Stillensteinklamm“ den Künstler während des Malvorganges. Vielmehr wird er durch die Veränderungen der Farbformationen während des Malprozesses weitergeleitet. Die gesamte Malereigeschichte steht ihm dabei zur Verfügung. Er kann auf den Erkenntnissen der Alten aufbauen. […]
Helmut Swoboda geht in seiner Malerei grundsätzlichen Phänomenen nach, die nicht nur die Malerei betreffen, sondern unsere Wahrnehmung entscheidend ansprechen. Wir sind am Kunstwerk gewissermaßen beteiligt. Neuerungen im Bereich der Malerei tragen nach Umberto Eco stets das Element der Offenheit an sich. Das Informelle führt demnach die Malerei konsequenterweise zur höchsten Offenheit, denn die Abstraktion bietet dem Betrachter unendlich viele Interpretationsweisen an. […] Angesichts der Bilder von Helmut Swoboda stehen wir vor dieser Offenheit. Sie ist eine, die der Maler zuvor schon beim Malprozess für sich strapaziert hat und sie ist auch beim Betrachten entscheidend. Das Publikum muss seine subjektive „Stillensteinklamm“ darin finden. […]

(Günther Holler-Schuster)