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Kurzbeschreibung

[artedition | Verlag Bibliothek der Provinz.]
[Hrsg.: Semirah Heilingsetzer, Brigitte Borchhardt-Birbaumer.
Texte: Maria Bill, Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Christine de Grancy, Paul Gulda, Semirah Heilingsetzer, André Heller, Michael Heltau, Elfriede Jelinek, Peter Stephan Jungk, Peter Rosei.]



Hier sind berühmte, zum größten Teil weltberühmte Menschen von Gabriela Brandenstein photographiert worden. Sie werden ausgestellt, und manche stellen sich aus. Alle wissen, dass sie jetzt photographiert werden, aber wie weit wirkt sich dieses Wissen in ihren Porträts aus? […] Die Kunst dieser Photographin besteht meiner Meinung nach in der vollkommenen Gewaltlosigkeit gegenüber ihren Objekten. Sie geht ihren Weg zu ihnen, und sie zeigt, dass das eben ihr Weg ist.
(Elfriede Jelinek, 2022)



Rezensionen
Gregor Auenhammer: Die Seelen-Impressionistin

Als „Jagd auf den entscheidenden Moment“ beschrieb Henri Cartier-Bresson seine Profession. Erich Lessing, Doyen der heimischen Fotografie, sprach „vom Festhalten der Zeit“. Eine Scheue, eine Bescheidene besagten Metiers, die nie viel Aufhebens um sich oder ihre Arbeit machte, die ihr Licht stets unter den Scheffel stellte, beschenkt uns dieser Tage mit einer kritischen Werkschau ihrer außerordentlichen Begabung. Gabriela Brandenstein legt uns ein wundersames wie wunderbares Werk vor Augen. Eine Wortschöpfung André Hellers hat sie mit gutem Recht zum Titel erkoren; der befreundete Universalkünstler spricht in Bezug auf die Kunst Gabriela Brandensteins nämlich Vom Glück des Schauens. Die 1944 in Wien Geborene arbeitete, nach dem Absolvieren der Graphischen, beim Kurier, bevor sie sich 1974 freischaffend selbstständig machte. Ihr Universum bevölkern sämtliche Granden der weltweiten Literatur-, Musik-, Film-, Theater-, Wissenschafts- und der politischen Szene, Wiener Originale und Panoptika aus aller Damen und Herren Abenteuerregionen. Künstler wie Michael Heltau, Maria Bill, Peter Rosei spendeten ihre persönlichen Introspektionen. Elfriede Jelinek huldigt dem pazifistischen Aspekt in ihrem Œuvre, ihre „vollkommene Gewaltlosigkeit gegenüber den fotografierten Objekten“. Staunen macht das grandiose Kaleidoskop des Dargebotenen. Zeitlos, ohne Ablaufdatum beglückend. Demütig gebietet sich, an Großmeister Cartier-Bresson zu erinnern, der einst meinte: „Das eine Auge des Fotografen schaut weit geöffnet durch den Sucher, das andere, das geschlossene, blickt in die eigene Seele.“ Im Fall von Gabriela Brandenstein wohl auch in die Seele der Porträtierten. Merci!

(Gregor Auenhammer, Rezension im Standard vom 17. September 2022, Album S. A7)