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Kurzbeschreibung

4.11.1875 kurz nach Mitternacht: Der Personenzug Nummer 9 von Wien nach Eger entgleist kurz vor der Bahnstation Schwarzenau – eine Schiene wurde entfernt. Jahrzehnte später, knapp vor seinem Tod, gesteht der damals diensthabende Bahnwärter seine verhängnisvolle Tat. Ein Chor von Menschen, die unmittelbar oder mittelbar von diesem dramatischen Geschehen betroffen sind, erhebt in diesem Roman seinen vielstimmigen Gesang um Schuld und Trauer, aber auch um Vergebung und Wachstum durch Lebenskrisen.


Rezensionen
Anna Hohenbichler: Buchveröffentlichung: Als ein Nachtzug 1875 entgleiste …

Historisches Unglück auf Franz-Josefs-Bahn ist Stoff für neues Buch in Horn. Manches ist fiktiv.

Auf einer Eisenbahnstrecke wird ein Gleisstück entfernt, der herandampfende Personenzug entgleist schließlich, aber der Verursacher des Unfalls mit zehn Toten und dreißig Verletzten kann nicht gefunden werden. Was sich nach der Handlung eines Kriminalromans anhört, war ein schweres Eisenbahnunglück in der Zeit der Habsburger-Monarchie. Der Horner Walter Schmidt hat sich der Ereignisse des 4. November 1875 in „Nachtzug nach Eger“ angenommen – kein Sachbuch, sondern ein Roman.
„Mein Vater hat mir schon vor 50 Jahren von diesem Ereignis auf der Franz-Josefs-Bahn erzählt“, sagt Schmidt: „Und seither hat es mich immer beschäftigt. Ich wusste, dass ich es irgendwann aufgreifen werde, jetzt in der Pension hatte ich die nötige Zeit dafür.“ Schmidt, zu Berufszeiten Lehrer an der Handelsakademie Horn, wurde in Gmünd geboren und ist in Allentsteig aufgewachsen. Für seinen Roman ist das nicht unwesentlich: Das Zugunglück ereignete sich etwa drei Kilometer vor dem Bahnhof Schwarzenau.
Die handelnden Personen sind frei erfunden. Wobei: „Den Bahnwärter und seine Frau gab es wirklich, genauso wie den Heizer und seine Verlobte.“ Der Fokus liege weniger auf dem historischen Geschehen, sondern auf den Folgen des Unglücks, erklärt Schmidt: „Darauf, wie es in das Leben, Denken und Empfinden verschiedener unmittelbar und mittelbar betroffener Personen wirkte.“ Weil es sich um einen tatsächlich passierten Unfall handelt, musste er sich freilich auf die Suche nach historischen Belegen machen. Diese zu finden, sei dank guter Dokumentation nicht allzu schwierig gewesen – auf dem Buchcover ist etwa eine Skizze aus Originalberichten zu sehen.

Weiterentwicklung trotz „Düsternis und Schrecken“
Es sei ihm wichtig gewesen, einzelne Geschehnisse aus mehreren Blickwinkeln – also aus der Perspektive unterschiedlicher Protagonisten – zu betrachten. So entstanden mögliche Biografien der im Roman vorkommenden Personen: „Es ist wichtig zu zeigen, wie sich Menschen trotz der Düsternis und des Schreckens dieses Ereignisses weiterentwickeln und aus der durchs Unglück verursachten Lebenskrise wachsen können.“
Am Buch gearbeitet hat Walter Schmidt rund zwei Jahre. „Die Freude daran ist beim Schreiben gekommen. Die handelnden Personen lagen mir irgendwann sehr am Herzen“, schmunzelt er. Als der Inhalt fertig war, ging es an die Verlagssuche. Erschienen ist das Buch nun bei „Bibliothek der Provinz“ mit Sitz in Großwolfgers. Schmidt: „Ich habe mich darüber gefreut, die Regionalität ist toll.“ […]
Wer das Gleisstück entfernt und den Unfall somit verursacht hat, blieb nicht ungeklärt: Kurz vor seinem Tod legte der Bahnwärter, der in der Unglücksnacht am entsprechenden Streckenabschnitt Dienst hatte, ein Geständnis ab. Seine Beweggründe? Die beschreibt Walter Schmidt im Buch.

(Anna Hohenbichler, Rezension in der NÖN Ausgabe Horn, online veröffentlicht am 25. November 2022)


https://www.noen.at/horn/horn-buchveroeffentlichung-als-ein-nachtzug-1875-entgleiste-horn-buchveroeffentlichung-franz-josefs-bahn-print-344326677


Teresa Sturm: „Dieses Thema hat mich mein Leben lang begleitet“

Walter Schmidt veröffentlichte Roman über schweres Zug-Unglück

Das folgenreiche Unglück ist mittlerweile fast 150 Jahr her. Ein Personenzug war am 4. November 1875 von Wien nach Eger (heute in Tschechien) unterwegs. Nur sechs Minuten vor der Einfahrt in den Bahnhof Schwarzenau sollte er in der Nacht die Stegersbacher Brücke passieren. Doch der Zug stürzte vom Damm und mit ihm 13 Waggons und 140 Passagiere. Vermutlich acht davon kamen ums Leben, 30 wurden verletzt. Über das größte Eisenbahnunglück der k. u. k. Monarchie hat der Gmünder Walter Schmidt den Roman „Nachtzug nach Eger“ verfasst.
Denn verursacht wurde der Unfall durch einen Bahnwärter. Der entfernte damals eine Schiene. Sein Plan war es, den Zug aufzuhalten und dann – weil er das vermeintliche Unglück dadurch verhindert hätte – eine Prämie zu bekommen. Jahrzehnte später, knapp vor seinem Tod, gestand der Mann seine Tat.

Recherche
Schmidt ist in Allentsteig aufgewachsen, also nicht weit weg von der Stelle, an dem der Unfall passiert ist. Sein Vater habe ihm 55 Jahre lang diese Geschichte erzählt. „Das Thema hat mich mein Leben lang begleitet. Ich habe immer überlegt, warum er (der Bahnwärter, Anm.) das gemacht hat“, erzählt Schmidt im Gespräch mit dem KURIER. In der Pension hatte Schmidt dann endlich Zeit für Recherche und hat den Roman geschrieben. Trotz des wahren historischen Hintergrunds seien das in seinem Buch fiktive Personen.
Der Bahnwärter etwa kommt in der Fiktion aus ärmlichen Verhältnissen und hat auf eine finanzielle Belohnung gehofft. Die Dialoge stehen im Werk im Mittelpunkt. Auch die Schwester des Täters spielt eine wichtige Rolle. Außerdem kommen unter anderen der Dorfgendarm, ein unschuldig Festgenommener und der Ermittlungsbeamte zu Wort.

Schreiben als Hobby
Schmidt lebt in Horn, ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder. In seinem Beruf als kaufmännischer Lehrer hatte er wenig mit Literatur zu tun, schrieb aber immer gerne hobbymäßig.
Weitere Buchprojekte sind derzeit nicht geplant. „Ich habe schon 70 Jahre für ein Buch gebraucht. Ich habe also Zeit bis zum nächsten“, sagt Schmidt und lacht. […]

(Teresa Sturm, Rezension im Kurier Ausgabe Niederösterreich vom 20. Jänner 2023, Beilage S. 12)


https://epaper.kurier.at/issue.act?issueId=119656&issueMutation=noe-beilage&issueDate=2023-01-20&region=oe