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Kurzbeschreibung

In seinen Kindheitserinnerungen lenkt Horst Pühringer unseren Blick in die unbeschwerte Zeit der Sechziger. Drei Buben führen uns mit ihren lustigen Streichen durch ein Jahrzehnt, in dem Eltern noch keine Zeit hatten, ihre Kinder lückenlos zu überwachen. Immer wieder wirft der Autor einen vergnügten Blick in unsere Gegenwart und stellt ein halbes Jahrhundert ironisch gegenüber, ohne die „alten Zeiten“ zu verklären.


Rezensionen
Yannik Bogensperger: „Fantasie und Kreativität werden aus Langeweile geboren“

Buchautor Horst Pühringer aus Haibach lenkt in seinem neuen Buch „Wenn die Glocken nach Rom fliegen“ den Blick in die unbeschwerte Zeit der Sechziger. Immer wieder wirft der Autor dabei einen vergnügten Blick in die Gegenwart und stellt ein halbes Jahrhundert ironisch gegenüber, ohne die „alten Zeiten“ zu verklären. Angetrieben dazu hat ihn vor allem die herausfordernde Zeit mit Corona-Pandemie, Krieg und Umweltkatastrophen.

Während der Covid-Pandemie ist in Horst Pühringer der Gedanke gereift, ein Buch über eine positivere Welt in den 1960er Jahren zu schreiben. Wer jedoch glaubt, er möchte dabei von der Vergangenheit schwärmen, der irrt. Vielmehr ging es dem pensionierten Lehrer darum, aufzuzeigen, was damals im Vergleich zu heute anders war. „Heute beherrschen nur mehr schlechte Meldungen wie der Ukraine-Krieg, die Umwelt-Krise oder eine depressive Jugend den Alltag“, sagt Horst Pühringer, der in sich selbst hineinhörte und die Sehnsucht nach einer heilen Welt verspürte. Diese gab es auch in den 60er Jahren nicht, aber es war vieles positiver, wie Pühringer festhält. „Wir hatten nicht viel als Kinder, aber wussten, es geht von Jahr zu Jahr aufwärts und wir hatten die Freiheit, groß zu werden ohne übergestülpte Helikopter-Eltern“, so der Autor des neuen Buches „Wenn die Glocken nach Rom fliegen“. Dabei erinnert er sich auch an Erlebnisse in seiner Kindheit, die er im Buch zum Besten gibt und immer in Relation zu heutigen Gegebenheiten setzt. „Wir haben alles entdeckt in der Natur, haben viel angestellt“, erinnert sich der Haibacher an Lausbubenstreiche.

Kriegerdenkmal beschmiert
Einer der Streiche handelt beispielsweise von einem Kriegerdenkmal, das in Haibach damals neu errichtet wurde und Horst Pühringer mit Freunden um die Wette mit Gips beschmiert hatte, bis sie dabei erwischt wurden und zum Reinigen aufgefordert wurden. „Sonst hätten unsere Eltern das zahlen müssen“, erinnert sich Pühringer und erzählt schmunzelnd: „Andere Kinder haben uns fünf Schilling dafür bezahlt, das Denkmal reinigen zu dürfen, weil sie dachten, es ist ein Privileg. Wir haben uns total amüsiert und aus einem Schaden einen Nutzen geschaffen.“

Vergleich mit Trump
So zieht Pühringer aus dieser Geschichte den Vergleich mit heutigen sogenannten „alternativen Fakten“, die Trump erschuf. „Wir haben damals mit alternativen Fakten bereits die Wahrheit umgedreht, diese hat Trump nicht erfunden“, so Pühringer. Die Leute dachten damals, die anderen Kinder seien die Gips-Täter gewesen. Horst und seine Freunden waren auf einmal Zuschauer, nicht mehr am Pranger und sahen den anderen Kindern beim Reinigen zu. In 30 Episoden erzählt der 65-Jährige aus der Gegenwart blickend ironisch vom früheren Leben in seiner Kindheit viele Geschichten und stellt dabei immer Vergleiche zur heutigen durchorganisierten Zeit her. „Früher hatten wir die totale Freiheit, aber ich möchte die Vergangenheit nicht verklären“, betont Pühringer.

„So viel Freiheit wie möglich“
Es habe auch damals gewisse Schattenseiten gegeben, er spricht dabei von Männern, die im Wirtshaus viel getrunken haben oder daheim bei der Frau den Frust ausgelassen haben. Doch es sei nicht mehr leicht, heute ein junger Mensch zu sein, ist Pühringer überzeugt. „Heute haben Kinder das Gefühl, sie stehen in Konkurrenz zu anderen und von überall strömen negative Informationen auf sie ein. Viele junge Eltern sind selbst überfordert, weil sie die Unbeschwertheit nicht haben“, erklärt der Buchautor. Horst Pühringer ist übrigens selbst Vater von fünf Kindern und gleich vielen Enkelkindern. Er ermöglichte ihnen so viel Freiheit wie möglich, um ein gesundes Selbstbewusstsein aufbauen zu können, so Pühringer.

Digitalisierung als Problem
Eine Ursache sieht Pühringer in der Digitalisierung: „Fantasie und Kreativität werden aus Langeweile geboren. Aber wir sind heute aufgrund der neuen Technologien immer beschäftigt.“ Früher gab es nicht einmal ein Telefon, heute sei man unheimlich vernetzt und trotzdem habe man sich nichts mehr zu sagen, schildert Pühringer, der zudem die Individualisierung der Gesellschaft kritisch betrachtet. Echte Kommunikation sei die Schlüsselkompetenz, um Probleme zu lösen und Missverständnisse zwischen Menschen auszuräumen. „Aber dies braucht Begegnung und kann mit Social Media nicht ersetzt werden“, ist Pühringer überzeugt. Dabei gehe laut Pühringer der Gemeinschaftssinn verloren: „Sich als ein Mitglied einer Gesellschaft zu sehen“, nennt er als entscheidenden Wert. In der Gesellschaft vermisse er eine gewisse Solidarität und sieht Grundwerte verschwinden. Doch es gebe bereits Gegenentwicklungen, blickt Pühringer abschließend optimistisch in die Zukunft.

(Yannik Bogensperger, Rezension in den Tips Ausgabe Bezirk Eferding, online veröffentlicht am 8. November 2022)


https://www.tips.at/nachrichten/eferding/land-leute/585124-fantasie-und-kreativitaet-werden-aus-langeweile-geboren