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Kurzbeschreibung

Bisher war es beim Arbeiten still gewesen. Maulfaul, sagt man bei uns, sind Leute, die nicht gern den Mund auftun. Die Vormittagsstunden verbrachten wir zu viert bei der Arbeit in der Fischhütte, unterbrochen von den wenigen Ladenkunden, die zu dieser Tageszeit kamen und die derjenige von uns bediente, der gerade am leichtesten los lassen konnte. Karl und Mutter waren ein Team, Großmutter und ich arbeiteten zusammen. Karl sortierte die Fische der Größe nach. Die kleineren Reinanken, die Riedlinge, waren für Stanglfische vorgesehen, die nächstgrößeren zum Räuchern, die größten wurden genau begutachtet, einzeln gewogen, gekennzeichnet, zum Kühlen in den Brunnen gelegt und später zum Liefern als „Grüne“ vorbereitet.

An den Seen des Salzkammerguts war die Fischerei seit der Herrschaft Kaiserin Maria Theresias eine wichtige Lebensgrundlage. Die Erzählung vom Traunsee schildert das Leben einer Fischerfamilie in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aus der Sicht eines jungen Mädchens. Heidi, die nie akzeptieren wollte, dass sie nicht all das machen darf, was der große Bruder macht, ins Fischerboot steigen, ob in der Früh oder am späten Nachmittag, über die weite Wasserfläche schauen zum großen Berg im Osten, den Wind spüren und auf den Wellengang achten, und das wichtigste: mit den Netzen arbeiten und dazu beitragen, dass die Familie von der Fischerei leben kann. Meistens saß sie vorn im Kranzling, nur selten durfte sie Karl helfen. Bis ihm, dem sonst so vorsichtigen Bruder, ein Fehler passierte, der nicht wieder gutzumachen war …

Ein Buch voller Erinnerungen. Auch die Vergangenheit der eigenen Familie arbeitet die Autorin in das dichte Netz aus Gedanken und Handlung ein. Es sind Alltagsgeschichten, wie sie jedermann kennt, so spannend erzählt, dass man sich darin verliert.
Sabine Eidenberger