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Pivo – Mythos tschechisches Bier

Eine Kulturgeschichte

Winfried Dimmel, Gerhard A. Stadler

ISBN: 978-3-99126-407-1
24×16 cm, 344 Seiten, zahlr. farb. Abb., fadengeheftetes Hardcover m. Lesebändchen
38,00 €
Neuerscheinung

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Leseprobe (PDF)



Kurzbeschreibung

Bier ist in Tschechien mehr als ein Genussmittel, es gilt als essenzielles Kulturgut und sogar als Nationalgetränk. In keinem anderen Staat trinken die Bewohner so oft und so viel Bier. Zahlreiche Mythen ranken sich um das Getränk, wie insbesondere die Erzählung von der Entstehung des untergärigen Lagerbiers im Bürgerlichen Brauhaus von Pilsen. Während der Zeit des Nationalitätenkonflikts gewann der Mythos weiter an Bedeutung und spätestens mit der Erringung der staatlichen Souveränität avancierte das Bier zum tschechischen Nationalgetränk schlechthin.

Das Buch gibt Einblick in landestypische Produktionsabläufe und kulturhistorische Hintergründe, ohne die der überragende Erfolg des tschechischen Biers nicht denkbar ist. Rund um das Getränk wurden politische Debatten geführt, es beflügelte die national-patriotischen Kräfte und inspirierte Literaten und Schriftsteller wie Jan Neruda, Jaroslav Hašek, Bohumil Hrabal und Vacláv Havel. Werbeschaffende stellten Bedřich Smetana als Künstler dar, der sich von dem auf einem Bierglas abperlenden Tropfen zur Komposition der Nationalhymne „Mein Vaterland“ anregen ließ. Im tschechischen Spielfilm wird Bier gerne als Katalysator für Geselligkeit inszeniert, wofür man bevorzugt auf die Kulissen von Brauereien und das Milieu in Gaststätten zurückgreift.


Rezensionen
[Online-Magazin] BeerTasting: [Buchtipp]

Bedřich Smetana, so will es ein alter Werbefilm, sah eines Tages die Tropfen an einem Bierglas abperlen. Kurz darauf komponierte er „Mein Vaterland". Eine schöne Geschichte. Sie zeigt, wie eng das Bier und die nationale Erzählung in Tschechien miteinander verwoben sind. Wer diesen Mythos verstehen will, braucht ein Buch wie dieses.

Winfried Dimmel und Gerhard A. Stadler haben mit ihrem Buch eine umfassende Kulturgeschichte des tschechischen Biers geschrieben.

Die beiden Autoren blicken von den mittelalterlichen Klosterbrauereien über die Sudstätten auf Adelssitzen und in Bürgerhäusern bis zur Industrialisierung des 19. Jahrhunderts. Sie berichten von langen Streitereien zwischen bürgerlichen, adeligen und klerikalen Brauern. Im 17. Jahrhundert verdrängte das Bier den Wein. Schuld waren die Kälte der Kleinen Eiszeit und die im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten Weingärten. Aus dem Brauhandwerk wurde ein Beruf. In den Zünften der Mälzer und Brauer professionalisierte sich das Gewerbe. Biologen, Chemiker und Braumeister aus Böhmen und Mähren legten mit ihrer Forschung die Grundlage für den Sprung ins Industriezeitalter.

Der Mythos beginnt in Pilsen
Untrennbar ist tschechisches Bier mit dem untergärigen Lagerbier aus dem Bürgerlichen Brauhaus zu Pilsen verbunden. Es verbreitete sich rasch in den Ländern der Böhmischen Krone. Im Nationalitätenkonflikt gewann der Mythos an Dichte, nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung der Tschechoslowakei wurde das Bier zum Nationalgetränk. Helles und dunkles Bier, světlé und černé pivo, gehören zum Land wie der Knödel zum Braten.

Wer wissen will, wie sich der Kommunismus auf die Bierkultur Tschechiens ausgewirkt hat, was es mit der Hanna, den starken Trinkern, der letzten Ölung oder den jüngsten Entwicklungen auf sich hat, blättert am besten selbst.

Gründlich recherchiert
Die beiden Autoren wissen, wovon sie schreiben. Dimmel ist Historiker und Biersommelier, hat über die Budweiser Brauereien der späten Habsburger Monarchie publiziert und lebt in Tschechien und Wien. Stadler ist emeritierter Professor der TU Wien, habilitiert in Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Industriearchäologie. Ihre Studie stützt sich auf tschechische Fachliteratur und auf Gespräche mit Braumeistern in großen wie kleinen Betrieben. 344 Seiten, rund 115.000 Wörter, illustriert mit Fotografien von Fabrikarchitektur, Produktion und vielen Bildern aus dem tschechischen Alltag.

(Buchtipp im Magazin BeerTasting online veröffentlicht am 30. Juni 2026)


https://www.beertasting.com/de/news/buchtipp


Günther Haller: Tschechien und sein Kulturgut: Eine Nation am Biertisch

Böhmen. Viele Mythen werden erzählt rund um die identitätsstiftende Rolle, die das Bier für die tschechische Nation hatte. Über die Geschichte eines nationalen Kulturguts.

Mit pfiffiger Hilflosigkeit und dümmlich wirkender Schlauheit, an der seine Vorgesetzten schier verzweifelten, lavierte der brave Soldat Schwejk, ein Anarchist der Weltkriegsgeschichte, durch die österreichisch-ungarische Militärmaschinerie. Unmengen von gutem böhmischem Bier machten ihn unverwundbar, so ließ sich auch ein vier Jahre andauernder Fronteinsatz überstehen. Die Liebe zum Alkohol hatte er gemeinsam mit seinem Schöpfer: Der tschechische Autor Jaroslav Hašek (1883–1923), so kann man im Protokoll seiner Ärzte nachlesen, hat es auf 35 Flaschen Bier pro Tag gebracht. Wie zu erwarten, war sein Leben kurz. Hašek und Schwejk gingen aber nicht als Beispiele für verhängnisvolle Trunksucht in die Geschichte ein, sondern als liebenswerte und schlitzohrige Biertrinker. Der Konsum des legendären böhmischen Gerstensaftes, seine anregende Wirkung, trugen, so erzählt man sich, zum geselligen Sozialverhalten der Tschechen bei. So entstand einer der vielen Mythen rund um die identitätsstiftende Rolle des Bieres, es wurde in einem Prozess der Verklärung zum liebgewordenen Kulturgut, zum Nationalgetränk.

Hašeks Roman machte das typische tschechische Wirtshausleben und die Kultbiere, vom „Großpopowitzer“ bis zum Pilsner Urquell, zur literarischen Legende. Im Prager „Kelch“, Schwejks Stammlokal, nehmen die Abenteuer ihren Anfang. „Wenn der Krieg vorbei ist, so komm mich besuchen. Du findest mich jeden Abend ab sechs Uhr im Kelch!“, ruft Schwejk seinem Trinkkumpanen Woditschka hinterher. Der Satz wird zur berühmtesten Verabredung zweier Saufbrüder in der Weltliteratur. Unnötig zu erwähnen, dass das Wiedersehen gelingt. Im südböhmischen Wirtshaus „Zur böhmischen Krone“ verbrachte Hašek seine letzten Lebensjahre und schrieb große Teile des Romans. Es ist das Gasthaus, sagt man, das die Tschechen wie kaum eine andere Institution vereint. Hier steht der Gemeinschaft schaffende Biertisch. Der Griff zum Krýgl (entlehnt vom österreichischen Krügel) vereint die Stammgäste. Sie werden vom Herrn im Reich der Bierseligen, dem Wirt, als Teil der Familie hofiert.

Flüssiges Kulturgut
„Künstler praktisch aller Genres ließen sich vom Bier verzaubern und motivieren; sie alle spielen in der Überlieferung des Mythos vom böhmischen Bier eine besondere Rolle“, schreiben Winfried Dimmel und Gerhard A. Stadler in ihrem soeben erschienenen, reich illustrierten Buch „Pivo“, einer umfassenden Kulturgeschichte des Bierbrauens in Böhmen und Mähren über die letzten eintausend Jahre hinweg. Geschichte ist eben keine trockene Angelegenheit, meinen die Autoren, und sie lösen dieses Versprechen ein. Das flüssige Kulturgut Bier wird in ebenso flüssiger Darstellung präsentiert. Wer Interesse an der Geschichte der böhmischen Länder hat, wird zufriedengestellt. Es sind Autoren, die sich auskennen: Dimmel ist Historiker und Biersommelier und hat über die Budweiser Brauereien in der Zeit der späten Habsburgermonarchie publiziert, er lebt in Tschechien und Wien. Stadler ist em. für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der TU Wien. Beide haben vor Ort recherchiert und kennen die tschechische Fachliteratur.

Ihre Geschichte reicht von der Herausbildung des Brauwesens in den mittelalterlichen Klostergemeinschaften bis zum einträglichen Geschäft des Bierausschanks. Nonnen und Mönche brauten für den Eigenbedarf alkoholschwaches Dünnbier, es war für sie ein Nahrungsmittel, gleichsam flüssiges Brot, vor allem in der Fastenzeit, die Berauschung ein mehr oder weniger angenehmer Nebeneffekt. Der Genuss von Bier und Wein galt im Gegensatz zum Wassertrinken als gesundheitlich unbedenklich. „Wasser trinkt nur ein Esel, dem schadet es nicht“, war eine Prager Volksweisheit. Die Trinklust der Klosterbrüder war enorm, hunderte Konvente entdeckten aber auch den Bierhandel als Einnahmequelle. Hafer, Roggen oder Gerste kamen von den zehentpflichtigen Bauern.

Gut für Nerven und Gemüt
Während der sogenannten Kleinen Eiszeit, einer Kälteperiode zwischen 1570 und 1700, erwiesen sich Getreide und Hopfen als kälteresistenter als Weintrauben, das gab der Bierproduktion einen gehörigen Schub: Das aus unterschiedlichen Getreidesorten wie Hafer, Gerste oder Weizen bereitete obergärige Bier avancierte ab dem 16. Jahrhundert in Mitteleuropa zu einem allgegenwärtigen Getränk, das schon ab dem Morgen konsumiert wurde. Es löschte nicht nur den Durst, sondern hellte auch das Gemüt auf und beruhigte die Nerven mit sanfter Betäubung. Kranke fühlten sich gekräftigt, Kinder gesättigt und beruhigt.

Ab 1700 wurde dann der siedende Mönch der mittelalterlichen Klosterküche vom professionellen Braumeister abgelöst, der Zugang zu sauberem Wasser hatte. Die Städte wetteiferten, wer das süffigste Getränk hervorbrachte. Fürsten wie Wallenstein, Herzog von Friedland, nutzten das Bier, um das Volk bei Laune zu halten. Um ihre Macht zu stabilisieren, spendierten sie Freibier für besondere Leistungen. Wallenstein belieferte das stets durstige kaiserliche Kriegsvolk mit gut gehopftem und daher haltbarem Bier. Er war ein robuster Trinker, der auf die Bierqualität achtete und die Sudhäuser regelmäßig inspizierte.

Die Adelshäuser holten nun auf, die Fürstenfamilie Schwarzenberg stellte im 19. Jahrhundert den größten Grundbesitzer und Brauherrn im Kronland Böhmen. Es war auch die Zeit der bürgerlichen Trinkrituale: Vertragsabschlüsse wurden mit Zuprosten besiegelt, Tischrunden ließen ein voluminöses Gefäß kreisen, aus dem alle tranken, das hatte gemeinschaftsbildende Funktion. Vom Brauwesen einer Stadt profitierten viele Gewerbe: die Fuhrleute, die Müller, die Fassbinder, nicht zuletzt die Wirte und die Steuern kassierende Kommune. Viele Brauereien waren zugleich Wirtshäuser wie das legendäre „Zum Flek“ in Prag, in dem an guten Tagen bis zu zweitausend Liter Schwarzbier konsumiert wurden. Das Lokal steht heute unter Denkmalschutz.

„Die letzte Ölung erteile ich mir auf jeden Fall selbst … mit Pilsener Bier“, heißt es einmal bei dem tschechischen Autor Bohumil Hrabal. Es ist natürlich die Brauerei im westböhmischen Pilsen, denen die Autoren breiten Raum widmen. Hier „glückte 1842 die Erzeugung eines hervorragenden untergärigen Lagerbieres, das spektakuläre Erfolge feierte und so oft von anderen Brauereien nachgeahmt wurde, dass es für einen neuen Biertyp namensgebend wurde“, schreiben sie. Biere nach Pilsener Art wurden omnipräsent, in Tschechien sind es annähernd neunzig Prozent. Die Pilsner Urquell-Brauerei liefert die wohl bekannteste tschechische Biermarke mit Kultstatus, fünfzig Staaten importieren sie. Es schlug mühelos die anderswo heimischen Sorten wie zum Beispiel in Wien das Dreher’sche Bier. Der Betrieb in Pilsen gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten des Landes. Man kann hier ein unterirdisches Kellersystem von mehr als neun Kilometern Länge besichtigen. Auch das Handwerk der Fassbinderei wird gepflegt und gelehrt. Ebenso trug das Markendesign der Flaschen zum Erfolg bei: Der Herkunftsnachweis wird auf dem Etikett mit dem Pilsener Stadtwappen und einem roten Siegel erbracht.

Getränk der Patrioten
Im 19. Jahrhundert war die Zeit des nationalen Erwachens für die Tschechen gekommen. Die Politik gewann angesichts der Spannungen zwischen deutsch- und tschechischsprachigen Bewohnern Böhmens zunehmend an Bedeutung bei der glorifizierenden Aufwertung des Bieres zum Nationalgetränk. „Der volkstümliche Charakter des gemeinsamen Biertrinkens in Gaststätten wirkte gesellschaftlich als integrierender Faktor“, liest man, „hier fanden die national denkenden Patrioten einen fruchtbaren Boden für die Verbreitung ihrer Botschaften.“ In den Gaststätten konnte es schon mal zu Handgreiflichkeiten kommen. „Das Hopfengetränk gehörte neben der Sprache und historischen Reminiszenzen zu den unmittelbaren Attributen des tschechischen Patriotismus“, schrieb der Publizist Jiri Rak. Die Inhaber der Brauereien bekannten sich zu den Zielen der tschechischen Nationalbewegung. Typisch war die Konkurrenz bei den Budweiser Brauereien. Bierkonsum war beim „Budweiser Bierkrieg“ emotional aufgeladen, ein Getränk wurde ideologisch vereinnahmt als „ein Medium sprachlich-kultureller Selbstverortung“, so die Autoren. Biertrinken als nationales Bekenntnis.

Mit den Verstaatlichungen in der kommunistischen Ära nach 1948 verloren die gastronomischen Betriebe an Anziehungskraft, es verschwand die gewohnte familiäre Atmosphäre, man zapfte das Bier des regional zuständigen Braukombinats. Der Wettbewerb fehlte, zum Schaden der Qualität des Bieres. Das Flair von früher war dahin. Doch auch diese Ära ging irgendwann zu Ende. Braubetriebe wurden überall von international agierenden Getränkekonzernen übernommen, da war Tschechien auch keine Ausnahme. Es ist Aufgabe der kleinen und mittleren Brauereien, an die Tradition anzuschließen.

(Günther Haller, Rezension erschienen in Die Presse, online veröffentlicht am 1. August 2026)


https://www.diepresse.com/40410876/tschechien-und-sein-kulturgut-eine-nation-am-biertisch


Gabriele Schröder: Pivo – Hopfen, Historie und Heimatgefühl

Kaum ein Getränk ist so eng mit der Identität eines Landes verbunden wie Bier in Tschechien. Wer zum neu erschienen Buch Pivo – Mythos tschechisches Bier von Winfried Dimmel und Gerhard A. Stadler greift, erhält weit mehr als eine Geschichte über Braukunst. Der 344 Seiten starke Wälzer entpuppt sich als ebenso kenntnisreiche wie unterhaltsame Reise durch Jahrhunderte Kulturgeschichte, in der Bier zum Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen, politischer Umbrüche und nationaler Selbstvergewisserung wird.

Schnell wird deutlich, warum tschechisches Bier im Laufe der Jahrhunderte weit über den Status eines beliebten Getränks hinausgewachsen ist. Es gilt als Kulturgut, nationales Symbol und gelebte Alltagskultur. Schließlich trinken die Menschen in keinem anderen Land der Welt so viel Bier wie in Tschechien. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Mythos und Wirklichkeit setzen die Autoren an und zeigen, wie eng Geschichte, Brauhandwerk und nationale Identität miteinander verwoben sind.

Von Klosterkellern bis zum Mythos
Die Reise beginnt im Mittelalter, als Mönche und Nonnen in den Klöstern Dünnbier als nahrhaftes „flüssiges Brot“ brauten. Wasser galt vielerorts als unsicher, Bier hingegen als bekömmlich. Eine alte Prager Redensart bringt diese Haltung auf den Punkt: „Wasser trinkt nur ein Esel, dem schadet es nicht.“ Aus den klösterlichen Braustätten entwickelte sich über Jahrhunderte ein professionelles Handwerk. Bürger, Adel und Kirche stritten um Braurechte, Zünfte entstanden, Braumeister perfektionierten ihre Kunst und Wissenschaftler aus Böhmen und Mähren schufen schließlich die Grundlagen für die industrielle Bierproduktion.

Natürlich darf ein besonderes Augenmerk auf die Entstehung des berühmten untergärigen Lagerbiers im Bürgerlichen Brauhaus von Pilsen nicht fehlen. Von hier aus verbreitete sich der Stil weit über die Grenzen Böhmens hinaus und begründete den bis heute nachwirkenden Mythos des tschechischen Bieres. Mit den politischen Spannungen des 19. Jahrhunderts gewann diese Erzählung zusätzlich an Bedeutung. Nach der Gründung der Tschechoslowakei wurde Bier endgültig zum Symbol nationaler Eigenständigkeit und kulturellen Selbstbewusstseins.

Besonders reizvoll ist zudem die kulturhistorische Perspektive. Dimmel und Stadler zeigen auf, wie Bier in Literatur, Musik, Film und Werbung eine wachsende Rolle einnahm. Schriftsteller wie Jan Neruda, Jaroslav Hašek, Bohumil Hrabal oder Václav Havel machten Wirtshäuser und Bierkultur zu literarischen Bühnen.

Leidenschaft für Geschichte
Dass das Buch wissenschaftlich fundiert und dennoch angenehm lesbar bleibt, liegt nicht zuletzt an seinen Autoren. Historiker und Biersommelier Dimmel beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte der böhmischen Brauereien, während Stadler als emeritierter Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Industriearchäologie die historische Einordnung und wirtschaftliche Perspektive einbringt. Gemeinsam gelingt ihnen der Spagat zwischen fundierter Forschung und lebendiger Erzählkunst.

Pivo – Mythos tschechisches Bier ist deshalb weit mehr als ein Buch für Bierliebhaber. Es erzählt von Klöstern und Königen, von Wissenschaftlern und Braumeistern, von Nationalgefühl und Alltagskultur. Vor allem aber zeigt es eindrucksvoll, warum ein Glas tschechisches Lagerbier bis heute weit mehr ist als Hopfen, Malz und Wasser – nämlich ein Stück europäischer Kulturgeschichte.

(G. Schröder, Rezension im Reisemagazin Mortimer online veröffentlicht am 15. August 2026)


https://www.mortimer-reisemagazin.de/pivo-hopfen-historie-und-heimatgefuehl/


[Blog] Kraftbier0711: [Rezension]

Pivo – Mythos tschechisches Bier ist ein wunderbares Werk aus dem Hause Bibliothek der Provinz und wurde verfasst von Winfried Dimmel und Gehard A. Stadler. Ein umfassendes Werk über die Kulturgeschichte des tschechischen Bieres.

Pivo ist weit mehr als ein Buch über Bier, es ist eine Reise durch die Geschichte und Kultur Tschechiens. Während die meisten lediglich Josef Groll kennen, der im 19. Jahrhundert das erste Pilsner Bier braute, zeigt dieses Buch, wie viel älter und facettenreicher die tschechische Biertradition tatsächlich ist. Wer schon einmal vor einem Bierregal in einem tschechischen Supermarkt stand, kennt die beeindruckende Vielfalt. Pivo erklärt, wie diese entstanden ist, und führt den Leser von den ersten Klosterbrauereien, in denen Bier als Grundnahrungsmittel galt, über den Adel und die Bürgerbrauereien bis hin zu den ersten Schankhäusern. Brauprivilegien, Bannbezirke und der jahrhundertelange Kampf um das Recht zu brauen und Bier auszuschenken werden dabei verständlich und lebendig erzählt.

Besonders faszinierend ist, wie eng die Biergeschichte mit der Geschichte Böhmens verbunden ist. Persönlichkeiten wie Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, besser bekannt als Wallenstein, begegnen dem Leser nicht nur als bedeutende historische Figuren, sondern auch als Teil der Entwicklung der Brauwirtschaft. Seine Familie besaß zahlreiche Brauereien, und bis heute tragen einige Biere seinen Namen. Das Buch spannt den Bogen weiter nach Pilsen, beschreibt den Aufstieg des Pilsner Bieres, die Industrialisierung, den Einfluss von Investoren sowie die Veränderungen während der kommunistischen Zeit. Auch Bohumil Hrabal und Václav Havel finden ihren Platz und verdeutlichen, welche Bedeutung Bier für die tschechische Gesellschaft und ihre Kultur besitzt.

Die große Stärke von Pivo liegt darin, Geschichte spannend und unterhaltsam zu erzählen. Historische Fakten, kulturelle Entwicklungen und die Leidenschaft für das Bier werden miteinander verbunden und vermitteln ein umfassendes Bild einer jahrhundertealten Tradition. Das Buch macht deutlich, dass hinter jedem tschechischen Bier eine Geschichte steckt und dass Bier in Tschechien weit mehr ist als ein Getränk. Wer sich für Bier, Geschichte oder die Kultur des Landes interessiert, wird dieses hervorragend recherchierte Werk mit großem Interesse lesen und Tschechien danach mit ganz anderen Augen betrachten.

(Rezension erschienen auf Kraftbier0711. Bier Blog und Craftbeer Seite für Bierliebhaber, online veröffentlicht am [?.] August 2026)


https://kraftbier0711.de/pivo-mythos-tschechisches-bier/



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